So war „Poetry im Park“ in Braunschweig

Braunschweig.  Die „Kultur im Park“-Reihe neigt sich dem Ende zu. Am Freitag gab es Poetry Slam mit musikalischer Begleitung.

Crepes Sucette sorgten bei "Poetry im Park" am 18. September für Jazz-Noten. Video: Marius Klingemann

Crepes Sucette sorgten bei "Poetry im Park" am 18. September für Jazz-Noten. Video: Marius Klingemann

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Die „Kultur im Park“-Reihe im Braunschweiger Bürgerpark biegt auf die Zielgerade ein. Am Freitagabend ging es auf dem Veranstaltungsgelände neben der VW-Halle nun um Wort-Akrobatik und Musik. Zu den Begleitklängen der Weimarer Akustik-Gruppe Crepes Sucette boten die Jung-Lyriker Friedrich Herrmann, deutscher Poetry-Slam-Meister von 2019, sowie Johannes Floehr und Quichotte (bürgerlich Jonas Klee) spezielle, aber meist gute Unterhaltung – vor circa 300 Zuschauern. Wir waren dabei.

Friedrich Herrmann macht den Auftakt bei der „Poetry im Park“

Der Thüringer Friedrich Herrmann trug einige „verwirrende Gedanken“ vor: Etwa, ob Liebe zu Fischen und Bangkok irrational sei. In der thailändischen Hauptstadt schüttele man sich immerhin nicht die Hände, während sie hierzulande normalerweise „Weißwurst-weiß“ gedrückt würden. Da will der Poetry-Slammer künftig nicht mehr mitmachen – vielleicht eine Lehre aus der Corona-Zeit? Wer weiß.

Absurde Geschichten erheitern das Publikum im Braunschweiger Bürgerpark

Die nächste Story führte nach Jena, wo der Dichter nach eigenem bekunden in seiner Wohnung einmal ein nettes Teestündchen mit einem älteren Einbrecher abgehalten hat, den er zuvor auf frischer Tat erwischte. „Bei den Nachbarn gab‘s aber mehr zu holen“, hieß es dann. Am Ende des väterlichen Gesprächs war nun nicht nur das Herz von Friedrich Herrmann gestohlen, sondern auch das komplette Bargeld.

Floehr liest aus „Dialoge“

In Fahrt kam das Publikum bei Johannes Floehr – umhüllt von einem Lichtermeer aus Tischkerzen. Der „zwischen 20 und 30-Jährige“ trug aus seinem Buch „Dialoge“ vor. Da ging es um Feminismus und Robbenschlachten, nicht gemachte Hausaufgaben und Arbeitslosigkeit so wie die dringenden Fragen des Lebens: „Warum fallen Einräder eigentlich nicht um?“ Floehr amüsierte sich teils am meisten über seine Jokes („Ich bin genau mein Humor“), landete aber auch Lacher im Publikum.

Gitarren-Künstler belustigt Publikum mit Musik und frechen Sprüchen

Musikalisch wurde es schließlich bei Quichotte, der mit Gitarre Songs wie „Got no Money“ (Dauer: rund zehn Sekunden) und „Rapshit“ intonierte. Außerdem berichtete der Kölner von seinen Erfahrungen als Lehrer und Hitler sowie DJ Bono als den – aus Schülersicht – „bekanntesten Deutschen“. Auch er hatte wie seine Mitstreiter eine Viertelstunde Zeit, um die Leute in Wallung zu bringen:„Wer mich länger sehen will, soll halt ein Foto machen.“

Der zweite Teil von „Poetry im Park“ startete wieder mit Quichotte, der einen Freestyle brachte – von „Hypotenuse“ über „Rindfleisch­etikettierungs­überwachungs­aufgaben­übertragungs­gesetz“ bis „Klabusterperlen“:

Das Publikum konnte Wörter einreichen, die Quichotte beim Freestyle-Rap unterbringen musste. Video: Marius Klingemann
Das Publikum konnte Wörter einreichen, die Quichotte beim Freestyle-Rap unterbringen musste. Video- Marius Klingemann

Johannes Floehr ließ derweil das Jahr 2019 Revue passieren: Christian Lindner habe ihn gefragt, ob er einen 50-Euro-Schein wechseln kann (Antwort: „Noch kleiner?“), und die Frage, ob Günther Jauch schon mal Regional-Express gefahren ist, spielte offenbar eine Rolle. Nachdenklicher wurde es bei der Geschichte von August, dem dementen Maler, der einfach vergessen hat, zu sterben.

„Jazz-Slam“ durfte nicht fehlen

Friedrich Herrmann bot dann zum Abschluss zusammen mit Crepes Sucette einen sogenannten „Jazz-Slam“, bei dem er von seinem Kneifen bei einer Schulhof-Schlägerei samt späten Konsequenzen erzählte. Der finale Applaus, vor allem von junger Seite, zeigte, dass zumindest an diesem Abend das Meiste gut gegangen war.

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