Afrikanische Erzählung bei Theaterformen in Braunschweig

Braunschweig.  Der erste digitale Beitrag zum Festival ist eine Geschichte voller Rauch und Meer und Magie. Aber kein Theater. Und als Video recht karg.

Mitschlichten Zeichnungen illustriert der Erzähler seine Geschichte.

Mitschlichten Zeichnungen illustriert der Erzähler seine Geschichte.

Foto: Martin Jasper

Ja, nun los. Theaterformen ohne Theater, wie gesagt. Man bekommt beinahe den Eindruck: auch ohne Menschen. Menschenleer der majestätisch-düster donnernde Sturm im Großen Haus, menschenleer die Notenständer-Arrangements im Kleinen Haus. Und nun auch der erste Digital-Beitrag. Immerhin hört man eine Stimme. Eine sehr schöne, sanfte, warme Stimme.

Sie gehört dem kenianischen Geschichtenerzähler Ogutu Muraya. Passend zum Thema der Theaterformen „Ein Meer von Inseln“ hat er seinen Stücktext The Ocean will always try to pull you in“ (Der Ozean wird immer versuchen, dich hineinzuziehen) in ein Video gewandelt. Die Erzählung entstand nach einer Reise zu einer winzigen Komoreninsel.

Das Video beginnt mit einer leeren braungrauen Fläche, dazu hört man das träge Schwappen kleiner Wellen an einen Strand. Der Erzähler beginnt, und sofort trägt uns seine Stimme fort – zu einer alten Freundin in eine Hütte mit Außenküche und einer flackernden Funzel. In einem Topf köchelt ein Hahn, den sie nachmittags geschlachtet hat, ein alter Hahn, der noch eine Weile baucht, um genießbar zu sein. Der Topf hüllt die Küche in dichte Rauchschwaden.

In dieser trüben, aber auch ein wenig mystischen Atmosphäre entspinnt sich ein Gespräch, das bald ins Fantastische driftet. Als der offenbar zivilisationsmüde Erzähler ihr berichtet, dass er sich in der Haut eines Fremden wähnt, die Gefühle eines Fremden fühlt, fremde Träume träumt, sagt sie ihm, er müsse im Ozean schwimmen gehen– mitten in der Nacht.

Er sträubt sich, sie erzählt ihm eine Geschichte von ihrem Schwimmen im Meer. Von prächtigen Fischschwärmen, einer Wasserwand, die sie in die Tiefe drückte, von einer großen aufsteigenden Luftblase, die sie wie eine Fruchtblase in sich empor brachte. Von der Rettung unter Vulkanen.

Murayas Stimme übt einen zugleich unheimlichen wie auch zauberischen Sog aus. Die Erzählung ist fast kindlich karg illustriert, lässt der Fantasie weiten Raum.

Aber eben: karg. Wie gut hätte man sich ein Theaterstück vorstellen können mit den zwei Personen in dieser verräucherten Küche, wie sie im Dialog afrikanische Naturmagie entfalten. Aber so? Die Frage muss vorerst offen bleiben, ob Theaterformen ohne Theater eine wirklich überzeugende Idee sind.

Zu sehen unter https://www.theaterformen.de/de/aseaofislands

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