Lauterbach warnt bei „Maischberger“ vor Corona-Lockerungen

Berlin.  Bei „Maischberger“ kritisierte Karl Lauterbach die neuen Corona-Lockerungen. Der SPD-Politiker warnte: „Das ist ein gefährlicher Tag.“

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Deutschland öffnet langsam wieder: Nach dem Lockdown dürfen Geschäfte und Restaurants jetzt nach und nach wieder Kunden bedienen. Hier im Video zeigen wir, wo sich Bund und Länder einig sind.

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Ob das alles gut gehen wird? Seit Mittwoch ist klar, dass das öffentliche Leben wieder in weiten Teilen hochgefahren wird. Spielplätze öffnen, Besuch in Seniorenheimen wird bedingt möglich – und der Ball rollt bald in der Bundesliga wieder. Kontaktsperre & Co. Diese Regeln gelten in den Bundesländern.

Bei „Maischberger“ diskutierten am Mittwochabend die Gäste über die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz. Besonders das Durcheinander der Regelungen in den Bundesländern musste dabei Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) verteidigen – ohne es so recht zu wollen.

Denn das Vorpreschen mancher Ministerpräsidenten lässt viele staunend zurück. Dahinter, so war der Talk-Runde zu entnehmen, steckt aber auch eine dicke Portion politisches Machtkalkül.

„Maischberger. Die Woche“ – das waren die Gäste am Mittwochabend:

  • Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister
  • Christian Lindner (FDP), Parteivorsitzender
  • Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsexperte
  • Johannes B. Kerner, Moderator
  • Eva Quadbeck, Journalistin
  • Gabort Steingart, Journalist

Schon in den Tagen und Stunden vor der Konferenz kam es zum Überbietungswettbewerb der Länder, wer mehr Freiheiten gewährt. Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die immer zu vorsichtigen Schritten mahnte, waren die Entscheidungen deshalb eine klare Niederlage.

„Jeder macht was er will“, brachte es die Journalistin Eva Quadbeck auf den Punkt. Dagegen habe sich die Kanzlerin nicht durchsetzen können. „Sie ist aber galant umgefallen“, schob der Journalist Gabor Steingart nach. Denn wenn es doch zu einer größeren zweiten Welle an Erkrankungen kommen sollte, ist klar, dass nicht Merkel, sondern die vorpreschenden Ministerpräsidenten den politischen Preis zahlen müssen.

„Maischberger“: Peter Altmeier verteidigt Corona-Beschlüsse

Das sah auch Peter Altmaier so. Zahm verteidigte er die Beschlüsse, sprach von einem „vielstimmigen Chor der Meinungen“ während der Konferenz. Ob man es nicht einfach einen Hühnerhaufen nennen könnte, hakte Sandra Maischberger nach. In den Mund nehmen wollte Altmaier das Wort dann nicht.

Sichtbar aber war, dass er es insgeheim passender fand als seine eigene Formulierung. „Das ist dann eben Föderalismus“, sagte er achselzuckend.

Dabei ist klar, dass die Sonderwege mancher Länder auch dem politischen Kalkül ihrer Ministerpräsidenten geschuldet sind – besonders in Bayern und NRW. Mit Markus Söder und Armin Laschet stehen zwei potenzielle Kanzlerkandidaten der CDU in den Startlöchern. Und jeder will profilieren. Ob das alles gut gehen wird? Man mag es bezweifeln.

Christian Lindner und Karl Lauterbach streiten sich

Interessant war zu sehen, dass Christian Lindner (FDP) offenbar seine unselige Provokationsmasche der vergangenen Wochen und Monate abgelegt hat. Von den schrillen und wirren Versuchen durch besonders absurde Polemiken Aufmerksamkeit zu bekommen, war in der Sendung zumindest wenig zu hören. Bei „Illner“ hatte er zuletzt sogar Virologen attackiert.

An manchen Stellen verlautbarte er sogar Zustimmung für die Positionen von Karl Lauterbach (SPD) – wenn auch nur selten. Denn Streit über den richtigen Umgang mit der Coronakrise gibt es ja weiterhin.

Die beschlossenen Lockerungen hält Lauterbach für fatal. „Es ist ein gefährlicher Tag“, urteilte der studierte Epidemiologe. Christian Lindner dagegen jubelte über die Öffnungen. Er will, wie in Schweden, vor allem auf Eigenverantwortlichkeit setzen.

Ob das schwedische Modell – praktisch keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens – aber wirklich das richtige ist, bezweifelt Lauterbach vehement. „Die Sterblichkeit ist in Schweden viel höher – das ist aus wissenschaftlicher Perspektive ein erbärmliches Ergebnis“, lautete sein Urteil. So unterschiedlich ist die Lage in Westeuropa.

„Maischberger“: Das Fazit der Sendung

Es lässt sich schwer leugnen: Nach Wochen der Expertenrunden tat die „Maischberger“-Sendung – mit vielen Analysen zu den politischen Kämpfen zwischen Bundes- und Länderpolitikern oder potenziellen CDU-Kanzlerkandidaten – auch mal wieder ganz gut.

Offenbar hatten darauf besonders auch die drei Kommentatoren viel Lust, sodass auf einmal gar über eine weitere Kandidatur von Angela Merkel diskutiert wurde. Das ging natürlich zu weit und hatte keinerlei Grundlage. Dennoch war selbst das irgendwie eine willkommene Ablenkung vom Corona-Alltag.

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