„Markus Lanz“: Sigmar Gabriel lobt Merkels Corona-Politik

Berlin.  Bei „Markus Lanz“ wird erneut für und gegen Lockerungen in der Corona-Krise argumentiert. Kanzlerin Merkel erhielt ein großes Lob.

Coronavirus: Diese Lockerungen kommen jetzt

Deutschland öffnet langsam wieder: Nach dem Lockdown dürfen Geschäfte und Restaurants jetzt nach und nach wieder Kunden bedienen. Hier im Video zeigen wir, wo sich Bund und Länder einig sind.

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„Ich finde, Angela Merkel hat das sehr gut gemacht“, sagte Sigmar Gabriel zur Strategie der Bundeskanzlerin in der Corona-Krise bei „Markus Lanz“. Und da er nun mal Sozialdemokrat und sie Christdemokratin sei, sei das ein besonders großes Lob. Der ehemalige SPD-Vorsitzende findet aber auch, dass es nun an der Zeit ist, den Lockdown langsam und sicher zu verlassen.

Bund und Länder haben sich am Mittwoch auch auf weitere Lockerungen verständigt. Zwar wurden die wegen der Corona-Krise verhängten Kontaktbeschränkungen in Deutschland grundsätzlich bis zum 5. Juni verlängert. Allerdings beschlossen Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder bei ihrer Telefonschalte auch, dass zahlreiche Beschränkungen – auch länderspezifisch – abgebaut werden.

„Markus Lanz“: Sind Lockerungen in der Corona-Krise richtig?

Bei „Markus Lanz“ ging es deshalb mal wieder darum, ob Lockerungen tatsächlich der richtige Weg sind und um den Flickenteppich, den das föderalistische System der Bundesrepublik in dieser Krise abgibt. Zwei Themen, die in den letzten zwei Monaten in der Talkshow eigentlich zur Genüge besprochen wurden. Auch diesmal ging es vor allem wieder um die wirtschaftlichen Folgen.

Markus Lanz – das waren die Gäste:

• Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Vorsitzender
• Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der „Welt“
• Ranga Yogeshwar, Moderator und Wissenschaftsjournalist
• Bernd Althusmann (CDU), niedersächsischer Wirtschaftsminister
• Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Kommentar zu Lockerungen in der Corona-Krise: Politisches Schaulaufen schadet

Dass die Corona-Strategie der Bundesregierung, möglichst einheitliche Maßnahmen durchzusetzen und Alleingänge der Ministerpräsidenten zu vermeiden, nicht mehr aufgeht, sei schon vor den Beratungen am Mittwoch klar gewesen, erklärte „Welt“-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld. Schließlich sei Niedersachsen am Montag in puncto Restaurantöffnungen vorgeprescht und Markus Söder habe vor der Konferenz seinen „Bayern-Plan“ präsentiert.

Journalistin bei Lanz: „Die Warnungen der Kanzlerin sind verpufft“

„Heute haben wir eine Kanzlerin gesehen, deren Warnungen an die Ministerpräsidenten im Nichts verpufft sind“, kommentierte die Journalistin. Sigmar Gabriel kann darin kein wirkliches Problem sehen: „Was ist daran jetzt eigentlich schlimm? Es ist ja nichts dabei, das so umstritten wäre, dass es nicht auch als gemeinsame Strategie hätte vereinbart werden können“, sagte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister.

Beides sind Darstellungen, die so oder so ähnlich auch schon in einer früheren Sendung und von anderen Gästen bei Lanz angeklungen sind. Das gilt ebenfalls für die Debatte, dass Freiheitsrechte garantiert werden und die Wirtschaft wieder in Schwung kommen muss – oder ob durch weitere Lockerungen nicht ein viel größerer Schaden für deutsche Unternehmen entstehen könnte.

DIW-Präsident Fratzscher bei Lanz: „Zweite Welle wäre für Wirtschaft fatal“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnte in der Sendung vor zu viel Leichtsinn: „Eine zweite Welle wäre für die Wirtschaft fatal.“ Acht bis zehn Wochen seien nun machbar gewesen, aber ein erneuter Shutdown würde laut Fratzscher eine Flut von Insolvenzen erzeugen. Auch diese Einsicht ist nicht gerade neu.

Während die Gäste über dieselben Fragen diskutieren, die schon vor einigen Wochen in der Talkshow thematisiert wurden, fragt man sich als Zuschauer, wieso der Talk bei Lanz nahezu wöchentlich thematisch so eingeschränkt ist. Fast jede Sendung fühlt sich an wie ein Murmeltier-Tag.

„Markus Lanz“: Der Corona-Talk braucht frischen Wind

Dabei gäbe es ja durchaus Corona-Themen, die abseits von Unternehmen und Arbeitsplätzen nah am Publikum dran sind: Was bedeutet die aktuelle Situation zum Beispiel für Familien? Wie versuchen Lehrer, das Homeschooling umzusetzen? Oder auch: Was können wir aus der der derzeitigen Situation für den Kampf gegen den Klimawandel lernen?

Wenn jede Sendung schon das gleiche Oberthema hat – die Corona-Epidemie – wäre es zumindest schön, wenn es unterschiedliche Schwerpunkte gäbe. Ansonsten bleibt auch der Erkenntnisgewinn für das Publikum im Keller – und dafür ist die Sendezeit eigentlich zu schade.

„Wir müssen uns auf einen sehr, sehr langen Prozess einrichten, bis es wieder zur Normalität kommt“, sagte Marcel Fratzscher bei Lanz. Experten gehen davon aus, dass das Coronavirus die Welt noch mindestens eineinhalb Jahre in Atem halten wird. Gerade deshalb sollte sich das Team hinter „Markus Lanz“ überlegen, wie man an drei Abenden in der Woche unterschiedliche Perspektiven rund um die Pandemie aufzeigen kann.

So wurde die Corona-Krise bisher bei „Markus Lanz“ diskutiert:

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