Das Lächeln einer Sommernacht

Die Freiluft-Opern auf dem Braunschweiger Burgplatz bieten klassischen Genuss vor historischer Kulisse.

"La Traviata" auf dem Burgplatz.

"La Traviata" auf dem Burgplatz.

Foto: Volker Beinhorn

Wenn das Wetter so richtig mitspielt, und das tut es in Zeiten des Klimawandels immer öfter, dann bekommt die Opernarena auf dem Braunschweiger Burgplatz einen Hauch von Verona. Dann umhüllen die Klänge italienischer Arien den leger gekleideten Zuschauer auf der Tribüne, darf der Blick auch mal in den Himmel über Burg, Dom und Landesmuseum schweifen. Mit fortschreitender Nacht werden Mond und Sterne sichtbar. Die Gebäude werden sanft angestrahlt, während unten in der Manege je nach Inszenierung Glühlämpchen, Fackeln oder Scheinwerfer das Drama beleuchten.

Für das Staatstheater Braunschweig, das vor oder nach den Sommerferien drei Wochen lang täglich dieses Rund bespielt, ist die Burgplatz-Oper zu einem wichtigen Werbeträger geworden. Die Stadtgesellschaft identifiziert sich hier mit ihrem Theater, ihrem Ensemble, ihrem Staatsorchester. Und darum solle es auch weiterhin große Oper sein, die hier gezeigt wird, sagt Operndirektorin Isabel Ostermann. „Im Musical, das wurde ja zweimal ausprobiert mit ,Hair’ und ,Hairspray’, kauft man ein ganzes Ensemble mit den dafür nötigen Spezialisten ein, das wird von den Menschen unserer Region dann nicht mehr so als das Ihrige angesehen, obwohl es auch gut besucht war“, erläutert sie.

Dass die Braunschweiger massiv Opern auf dem Burgplatz fordern, dürfte ihr ja gefallen. Wenn es dann nachher ins angestammte Große Haus geht, muss aber erstmal wieder neu motiviert werden. Dabei hat Braunschweig inzwischen einen guten Ruf als Stadt der (Wieder)Entdeckungen. Schon Vorgänger Philipp Kochheim legte mit Jeno Hubays spätromantischer „Anna Karenina“, mit filmreifer amerikanischer Oper wie der „Reise des Edgar Allan Poe“ von Dominick Argento und „Wuthering Heights“ von Bernard Herrmann spannende Titel und Klänge vor.

Isabel Ostermann, zuvor Leiterin des anspruchsvollen Werkstattprogramms an der Berliner Staatsoper, wagte die vollständigen „Europeras 1 & 2“ von John Cage, brachte die eigene Uraufführung von Lucia Ronchettis Kammeroper „Rivale“ aus Berlin mit und setzt auch auf frühes Nachspielen zeitgenössischer Kreationen wie Aribert Reimanns „L’Invisible“ und Peter Eötvös’ „Angels in America“. Alle zwei Jahre bündelt sie die modernen Stücke im Festival „Notes“, da kann man sie dann geballt in einer Woche erleben. Musical gibt es nun im Haus. Gerade hatte eine ästhetisch lupenreine Produktion von John Kanders „Chicago“ Premiere.

Gute Stimmung macht die Burgplatz-Oper übrigens nicht nur bei den Zuschauern. „Intern hat das was von Klassenfahrt: Wenn sich Techniker, Sänger, Statisten am selben Waschbecken drängeln und mitzittern, ob es auch keinen Regen gibt, das verbindet alle noch mehr.“ Dass täglich tausend Zuschauer die Arena füllen, erzeugt auch bei den Mitwirkenden ein erhebendes Gefühl. Es gibt auch immer einige Zaungäste, die sich mit Picknickkorb auf die Domstufen setzen und kostenlos der Musik lauschen. „Dass unsere Melodien im Sommer den Stadtraum füllen, verbindet das Theater mit den Bürgern.“

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