Zwei Schatzhäuser für Entdeckungsreisende

Zwei bedeutende Museen schlagen zwischen Braunschweig und Wolfsburg einen Bogen von Kunst und Kultur des Barock bis in die Gegenwart.

Thomas Richter, der Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums.

Thomas Richter, der Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums.

Foto: Peter Sierigk

Das eine topmodern renovierte Museum wurde anlässlich seiner Wiedereröffnung im Jahr 2016 von der überregionalen deutschen Presse als „Louvre des Nordens“ bezeichnet. Das andere Museum ist laut seinem niederländischen Gründungsdirektor Gijs van Tujl inzwischen in New York bekannter als die in Wolfsburg angesiedelte Autofabrik.

Welch ein Glücksfall für eine vermeintlich nur am Rande des globalen Kunstbetriebs situierte Region: Sie verfügt nicht nur über die einzige, überdies höchst renommierte Kunsthochschule Niedersachsens, sondern auch über zwei der bedeutendsten Museen Deutschlands. Dabei wird in direkter Nachbarschaft für den Kunstfreund ein Bogen geschlagen von Meisterwerken des Barock bis zu den Spitzenprodukten der Moderne und der Gegenwartskunst. Wir haben die beiden aktuellen Direktoren gebeten, ihre Häuser zu charakterisieren.

Thomas Richter, Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums Braunschweig: „Die Fülle der Dinge, die man im Museum entdecken kann, bietet einen unerschöpflichen Fundus an Ideen, Erfahrungen, Anreizen und Geschichten. Die bedeutendsten Schatzhäuser unter den heutigen Museen verdanken ihren Reichtum Entdeckern, die ihrer eigenen Begeisterung für die Welt, die uns umgibt, für Kunst und Kultur, die dieser Welt Ausdruck verleihen, dank außerordentlicher finanzieller Möglichkeiten nachkommen konnten.

Die Braunschweiger Herzöge profitierten im 18. Jahrhundert zudem von ihren internationalen Kontakten. Überall ließen sie durch Kenner, Künstler und Kunstagenten nach den besten Stücken für ihre Sammlungen forschen. Über viele Generationen hinweg wurde dadurch stets Gutes durch Besseres ersetzt. Auf diese Weise präsentiert sich das Herzog-Anton-Ulrich-Museum heute als eine Essenz, eine Art „Destillat“ des Besten, was menschlicher Geist seit der Antike in Malerei, Skulptur und Grafik, aber auch im europäischen und außereuropäischen, insbesondere asiatischen Kunsthandwerk hervorgebracht hat. Die Herzöge verfolgten schon seit dem 16. Jahrhundert das Ziel, das Wissen der Welt an einem Ort greifbar zu machen. So lag es nahe, dass Carl im Jahr 1754 beschloss, den Reichtum seiner Sammlungen nicht länger nur einer kleinen Gruppe Privilegierter zugänglich zu machen, sondern sie der gesamten Bevölkerung als eine Bildungseinrichtung zur Verfügung zu stellen. Durch diese Entscheidung zählt das Herzog-Anton-Ulrich-Museum heute zu den ältesten öffentlich zugänglichen Museen Europas.

Dieser Gedanke, dass das Außergewöhnliche, das Wertvollste, das Lehrreichste und Seltenste jedem Menschen zur Freude und zur Bildung zur Verfügung stehen soll, ist heute aktueller denn je. Unser Museum steht allen offen, die eine spannende Reise zu neuen Ufern wagen wollen. Sie werden fündig werden!“

Alle Texte unseres Regions-Specials finden Sie hier: "Alles da - Sie auch?" - die große Beilage über unsere Region

Andreas Beitin, Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg: „Modern, lichtdurchflutet, ein Gebäude aus Stahl und Glas: Inmitten der Wolfsburger Innenstadt steht das Kunstmuseum. Mit seinen Ausstellungen zur Kunst der Moderne und Gegenwart genießt es internationales Ansehen. Auf seinen rund 3.500 Quadratmetern hat es so wichtige zeitgenössische Künstler wie Andy Warhol, Andreas Gursky und Neo Rauch mit spektakulären Ausstellungen gewürdigt. Aber auch die Schauen mit Meistern der Klassischen Moderne wie Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Alberto Giacometti sind unvergessen.

Die zentrale Halle des Museums bietet mit 16 Metern Höhe ganz besondere Möglichkeiten der Präsentationen. Für jede Ausstellung wird eine eigene Architektur entwickelt, um die Kunst darin bestmöglich zur Wirkung zu bringen. Das Museum verfügt außerdem über eine umfangreiche Sammlung mit beeindruckenden Werken von Christian Boltanski, Olafur Eliasson, Rebecca Horn, Imi Knoebel, Jeff Koons, Elizabeth Peyton, Cindy Sherman und vielen anderen.

In Zukunft wird sowohl die Sammlung als auch die Ausstellungsprogrammatik globaler und weiblicher ausgerichtet. 2020 gibt es eine eine Fotografie-Ausstellung mit der US-Amerikanerin Barbara Kasten sowie eine große Themenausstellung zur Lichtkunst (,Macht! Licht!’). Mit der Schau ,In aller Munde’ wird im Herbst 2020 alles rund um das Orale in der Kunst präsentiert.

Die vielseitigen Ausstellungen machen Lust, Kunst zu entdecken und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Vermittlungsangebote des Museums laden ein, sich nach individuellen Wünschen intensiver mit Kunst zu beschäftigen. Aber Kunst darf auch Spaß machen. Workshops, Konzerte, Lesungen und Partys bereichern unser Programmangebot. Das junge Café Kunstpause bietet kleine Snacks für zwischendurch, und das Restaurant Awilon kreiert kulinarische Raffinessen.“

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