Als das Braunschweigische Land tiefbraun war

Hannover  Im Landtag wird eine Wanderausstellung zur NS-Zeit vorgestellt. Erarbeitet wurde sie von Heimatpflegern der Region – es ist nicht die erste.

Ankunft von Zwangsarbeiterinnen in Wolfsburg. Bis zu 13 000 Menschen waren in der NS-Zeit als Sklaven in der Produktion beschäftigt.

Ankunft von Zwangsarbeiterinnen in Wolfsburg. Bis zu 13 000 Menschen waren in der NS-Zeit als Sklaven in der Produktion beschäftigt.

Foto: Volkswagen

Sie sei „sehr ruhig“, schrieb Fernande Mathieu (23) am 7. August 1944 in ihrem Abschiedsbrief aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel. Mehr als 900 „Nacht- und Nebelgefangene“ aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Norwegen saßen dort im Auftrag des Reichsjustizministeriums ein, Mathieu wurde hingerichtet.

„Das Braunschweigische Land im Nationalsozialismus“ heißt die Ausstellung, die von der Arbeitsgruppe Heimatpflege der Braunschweigischen Landschaft erarbeitet wurde. Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) eröffnete sie gestern im Landtag, in der Region selbst wird sie auch zu sehen sein.

Auf 32 Tafeln werden Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Infrastruktur behandelt. Dazu zählen die Hintergründe der Einbürgerung Adolf Hitlers 1932 und seine Ernennung zum Beamten des Freistaates Braunschweig ebenso wie das Kriegsende im Kreis Helmstedt oder Zwangsarbeit im VW-Werk. Es gehe nicht um eine vollständige Dokumentation jener Zeit, sagte Claudia Böhler von der Arbeitsgruppe Heimatpfleger. Ziel sei eine kritisch-regionalgeschichtliche Perspektive.

So geht es auch um „Bürgermeister in Peine im Nationalsozialismus“, das „Lager 21“ bei Salzgitter-Hallendorf als Beispiel für das NS-Lagersystem oder die Luftangriffe auf Braunschweig im Zweiten Weltkrieg. Man wolle vor allem junge Menschen sensibilisieren, sagte Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge, Vorsitzende der Landschaft.

Landtagspräsidentin Andretta sprach von einer bemerkenswerten Arbeit der Heimatpfleger. Sie hatten bereits Ausstellungen zum Braunschweigischen Land in der Kaiserzeit sowie in der Weimarer Republik erarbeitet. Gäste der Eröffnung waren auch Michael Fürst von den Jüdischen Gemeinden und der frühere Landtagspräsident Jürgen Gansäuer.

Die Ausstellung ist vom 23. April bis 3. Mai von 9 bis 16 Uhr im Landtag in Hannover zugänglich (außer Wochenende und Feiertage).

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