Dark Mode

#verlobt? Papeterie!

Ich dachte mir, dass ich nach dem klassischen Kniefall im Hafen von Plau am See am besten alle erreiche, wenn ich es in die sozialen Medien poste.

Das wird ‘ne richtige Sause! Seitdem Instagram es weiß, weiß ich: Das muss groß werden und so richtig schmalzig. Der Fotograf muss vom anderen Ende Deutschlands kommen, das Kleid muss außergewöhnlichst sein, das Catering so richtig ausgefallen und die Papeterie erst! Papeterie! PAPETERIE! Und dabei wusste ich gar nicht, dass es so was gibt. Grußkarten sind das.

Jetzt aber weiß ich es, denn ich habe mich verlobt und das bei Instagram gepostet. Ich dachte mir, dass ich nach dem klassischen Kniefall im Hafen von Plau am See am besten alle erreiche, wenn ich es in die sozialen Medien poste. Bild vom Ring an ihrem Finger, dazu das hashtag #verlobt und ab ging die Post. Nebst hunderten Glückwünschen erreichten mich auch Likes und Abos von Brautkleidershops, Hochzeitsfotografen, Ringmanufakturen und eben jener Hochzeits-Papeterie. Das verfolgt mich, sollte doch der Kniefall das Romantischste an der ganzen Aktion werden. Denn einmal abgesehen davon, dass ich nie vorhatte zu heiraten, wird es ganz sicherlich keine weiße Polly-Pocket-Hochzeit mit PAPETERIE. Es wird dann doch eher die untypische Art und Weise, vielleicht machen wir einfach ein Video vom Ja-Wort und verschicken es an alle, die bei anderen an überteuerten Wein-Etiketten, Tischkarten und weiterem Papeterie-Gedöns partizipiert hätten.

Das würde eher passen. Seit dem Antrag sagt mir meine Freundin, äääh, Verlobte, dass ich verrückt bin. Ich habe nicht mitgezählt, aber schätzungsweise sagte sie das in den ersten Tagen mit Ring öfter, als dass sie sagte, dass sie mich liebt. Das ist okay und ich finde mich keineswegs verrückt. Aber wenn Instagram mich noch weiter stumpfsinnig mit schnulzig-schrecklichen Angeboten für (m)eine weiß-schwülstige Alptraumhochzeit bombardiert, dann ändert sich das vielleicht noch.

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