Satte Strafen

Illegaler Müll in der Natur im Kreis Helmstedt sorgt für Ärger

| Lesedauer: 3 Minuten
Illegal entsorgter Müll an einem Containerstandort.

Illegal entsorgter Müll an einem Containerstandort.

Foto: Thorsten Tölg

Helmstedt.  Bewohner aus Büddenstedt und aus Danndorf ärgern sich über wild entsorgten Unrat. Der ist auch immer wieder an den Containerstandorten zu finden.

Illegale Müllentsorgung und kein Ende. Immer wieder erreichen unsere Redaktion Hinweise auf wilde Müllhalden, Unrat an Containerstandorten, der dort nicht hingehört, auch Holzabfall wird einfach so entsorgt. An der Kreisstraße 21 zwischen Hohnsleben und Reinsdorf entdeckte Heike Zogbaum aus Büddenstedt vor einiger Zeit Reste aus einer Haushaltsrenovierung, in einer Parkbucht an der Kreisstraße entsorgt. Später lagen alte Reifen dort, und sogar ein Rollstuhl kam hinzu.

Sie hat nach eigenen Aussagen Anzeige bei der Polizei erstattet, doch habe die sich offenbar nicht als zuständig angesehen. Begründung: Der Bereich ist Privatfläche, so Zogbaum, die für die illegalen Entsorgungen absolut kein Verständnis hat, zumal sie in diesem Fall sogar eine Adresse am Müll gefunden habe.

Wenige Verursacher werden erwischt

Der Fall passt zu Ausführungen des Landkreises Helmstedt, wonach nur wenige Verursacher tatsächlich ausfindig gemacht werden. Was für Heike Zogbaum in Büddenstedt ein echtes Ärgernis ist, bezeichnet Winfried Höth aus Danndorf inzwischen als „asozial“. Er wohnt in unmittelbarer Näher eines Containerstandortes für Altglas und Altkleider an der Ecke Waldstraße/Tommelberg.

„Dort wird Müll in großen Mengen abgelagert, Restmüll, Küchenreste und Inhalte aus Kühlschränken“, erzählt Höth nicht das erste Mal. Sogar direkt auf seinen Treppensteig zum Hauseingang habe man bereits Müll gelegt. „Wir haben ein Entsorgungssystem, und was man darüber nicht loswerden kann, nimmt Buschhaus an“, schiebt Höth hinterher. Er habe nun Danndorfs neuen Bürgermeister Thorsten Tölg gebeten, zu handeln.

Videoüberwachung ist fraglich

„Wir sind schon aktiv. Der Dreck ist abgeholt worden und wir prüfen gerade, ob wir den Bereich per Video überwachen können“, so Tölg auf Anfrage. Das Problem sei schon lange brisant. „Es scheint immer wieder wen zu geben, der meint, es muss da trotzdem hin. Essenreste Hausmüll, das zieht Ungeziefer an. Das geht überhaupt nicht“, so Tölg.

Ob das mit der Überwachung so funktioniert, bezweifelt Uwe Wehke vom zuständigen Fachbereich im Velpker Rathaus. „Da nennt das Datenschutzgesetz enorme Hürden“, so Wehke. Konkret regelt das der Paragraf 14. Er nennt etwa die Abwehr einer konkreten Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder die Verfolgung einer Straftat als Bedingungen.

Die aktuellen Zahlen

Wehke ermutigt die Menschen, jeden Fall illegaler Entsorgung zur Anzeige zu bringen. Gemäß Landkreis Helmstedt waren die bekannten Fallzahlen illegaler Müllentsorgung im Zwei-Jahresvergleich relativ konstant. Demnach wurden 2019 181 Fälle aktenkundig, 2020 waren es 187. 2021 liegt die Fallzahl mit 124 Fällen (Stand: 9. November) deutlich unter den Vorjahren.

Das Risiko, als Verursacher ermittelt zu werden, scheint nicht so groß zu sein: 2019 konnten sieben, 2020 sechs und im laufenden Jahr bislang zwei Illegalentsorger ermittelt werden. Die Strafen sind gleichwohl drastisch. Bei Rest-, Bio- und Verpackungsmüll können 1000 Euro im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens fällig werden. 1550 Euro dürfen Verursacher bei Sperrmüll und Bauschutt an Strafe berappen, und: Wer gefährliche Abfälle wie Asbestzement, Glasdämmwolle, Öl, Chemikalien in der Natur entsorgt, riskiert fünf Jahre Freiheitsentzug oder eine saftige Geldstrafe, denn in diesen Fällen handelt es sich um Straftaten, heißt: Wer erwischt wird, gilt als vorbestraft.

Die Kosten

Um die Entsorgung kümmert sich letztlich der Landkreis. Ist ein Verursacher bekannt, muss er die Kosten dafür tragen, gibt es keinen Anhaltspunkt, geht die Entsorgung zulasten der Allgemeinheit.

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