Helmstedter Wochenmarkt verliert eines seiner Originale

Helmstedt.  Obsthändler Hans-Georg Wentzlaff geht mit 69 Jahren in den Wochenmarkt-Ruhestand. Er will der Stadt bei der Suche nach einem Nachfolger helfen.

Obsthändler Hans-Georg Wentzlaff (rechts) an seinem letzten Arbeitstag auf dem Helmstedter Wochenmarkt.

Obsthändler Hans-Georg Wentzlaff (rechts) an seinem letzten Arbeitstag auf dem Helmstedter Wochenmarkt.

Foto: Erik Beyen

Die Reihen auf dem Wochenmarkt in Helmstedt lichten sich. Nun ist mit dem Obsthändler Hans-Georg Wentzlaff eine der Säulen im Angebot der Marktbeschicker weggebrochen. Der 69-Jährige geht in den Ruhestand.

Schon bei der Einfahrt auf den Holzberg war sie zu hören, die Stimme des Marktschreiers, der seine Waren – Zitrusfrüchte, Bananen, Melonen, zurzeit auch Kirschen – Passanten lauthals anpries. Am vorigen Samstag nahm Hans-Georg Wentzlaff Abschied vom bunten Treiben.

Markante Stimme auf dem Holzberg

Seit 1977 war er mit seinem Stand Teil des Marktes. „Ein Kilo, ein Euro, jetzt zugreifen!“ Immer, wenn er gen Ende des Marktzeit den Rest sein Frischware loswerden musste, konnte man Wentzlaff weithin hören. Seine markante Stimme durchrang alle anderen Nebengeräusche.

„Na ja, da musste man auch mal draufzahlen“, sagte er. Gleichwohl werde er den Kontakt zu seinen Kunden, die Gespräche, vermissen. Denn seine Kundschaft war von der treuen Sorte, eine, die es heute kaum noch gebe: Früher, erzählt Wentzlaff, seien die Menschen extra aus dem Südkreis zum Markt gekommen, hätten eingekauft und wieder zurückgefahren.

Dankbar für Kundentreue

„Heute gibt es Tiefkühlobst und -gemüse“, so der Händler im Ruhestand. „Die jungen Leute kochen ja auch nicht mehr ein“, meint er zu wissen. Darum gehörten seine Kunden mehr der ältere Generation an. „Ich bin dankbar für die Treue meiner Kunden“, erklärte er am Telefon.

Und wie geht es nun weiter mit dem Markt? Wentzlaff: „Das kann ich nicht sagen. Ich habe natürlich mit der Stadt gesprochen.“ Anscheinend gibt es für ihn noch keine Nachfolge. Bürgermeister Schobert hat in erste Reaktion auf unsere Nachfrage so geantwortet: „Die Thematik muss neu bewertet werden. Dies erfolgt in den nächsten Tagen.“

Viele Anregungen liefen ins Leere

Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren von Politik und Verwaltung Vorstöße gegeben, um den Markt für Helmstedts Besucher und Bewohner attraktiver zu machen. Interview-Aktionen, Schülerprojekte und Gesprächsrunden von Ratsmitgliedern mit Händlern änderten nichts daran. Die Situation in Helmstedt ist im Vergleich zu anderen Märkten in der Region eher trist. Zum Vergleich: Königslutter hat auf seinem donnerstags stattfindenden Wochenmarkt auf dem Marktplatz fast doppelt so viele Stände wie Helmstedt.

Eine Idee, wiederholt angestoßen vom SPD-Ratsherrn Michael Gehrke, konnte sich bislang nie durchsetzen: die Verlegung der Stände auf den eigentlichen Marktplatz. Das Umfeld böte den Besuchern und Bummlern Gelegenheit, den Einkauf mit dem Besuch der Gastronomie zu verbinden, auf diese Weise auch neue Angebote zum Verweilen zu schaffen.

Ein altes Thema: die Parkplatzfrage

Gehrkes Vorstoß, damals vorgetragen im Wirtschaftsausschuss, scheiterte immer an einem Punkt: der Frage nach den Parkplätzen. Die meisten Händler entgegneten: Zu groß sei der Wunsch ihrer Kunden, direkt mit dem Wagen auf dem Holzberg vorzufahren – dort, wo die immer weniger werdenden Stände der Direktvermarkter stehen.

Auch Wentzlaff ist es nicht entgangen, dass sich der Helmstedter Wochenmarkt in den Jahren stark verändert hat. „Verdienen kannst Du dort nicht mehr“, bekräftigt der Obsthändler. Der Stadt will er bei der Suche nach einem Nachfolger helfen: „Natürlich fahre ich die Märkte in der Region ab, ist doch klar.“ Und: Er will wieder verreisen, denn das konnten er und seine Frau viele Jahre nicht.

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