Nitratbelastung in Gewässern

Jede fünfte Brunnenwasser-Probe ist mit Nitrat belastet

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Heinz-Wilhelm Hülsmans (dritte Person von links), ehrenamtlicher Mitarbeiter beim VSR-Gewässerschutz, berät Brunnenbesitzer am Informationsstand des Labormobils. Harald Gülzow (vierte Person von links) analysiert eine Wasserprobe auf den Nitratgehalt.

Heinz-Wilhelm Hülsmans (dritte Person von links), ehrenamtlicher Mitarbeiter beim VSR-Gewässerschutz, berät Brunnenbesitzer am Informationsstand des Labormobils. Harald Gülzow (vierte Person von links) analysiert eine Wasserprobe auf den Nitratgehalt.

Foto: Anja Roth/VSR-Gewässerschutz e.V.

Gifhorn.  Mitarbeiter des VSR-Gewässerschutzes analysieren Wasserproben aus dem Südkreis auf deren Nitratgehalt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Der VSR-Gewässerschutz hat 31 Proben aus privat genutzten Brunnen im Gifhorner Südkreis ausgewertet, die die Bürger Anfang Mai am Infostand zur Analyse abgaben. Das Ergebnis: Bei jedem fünften Brunnenbesitzer überschritt der Nitratgehalt des Brunnenwassers den Grenzwert der EU-Nitratrichtlinie von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) deutlich. Das Wasser ist damit für Gartenteiche ungeeignet, sagt Pressesprecher Harald Gülzow in Richtung der Gartenbesitzer, die ihren naturnahen Teich bei der Hitze wegen der hohen Wasserverluste nachfüllen wollen.

Diplom-Physiker Gülzow und der ehrenamtliche Diplom-Ingenieur Heinz-Wilhelm Hülsmans fanden bei den Untersuchungen in einem Fall aus Wilsche einen Wert von 97 Milligramm Nitrat pro Liter. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Wahrenholz mit 59 Milligramm (mg/l), in Brome mit 62 mg/l, in Hehlingen mit 78 mg/l, in Gifhorn mit 76 mg/l und in Ohof mit 63 mg/l fest. „Dieses stark belastete Grundwasser sickert auch den Bächen und den Flüssen zu. Hier kommt es durch die Belastung zu einer Verringerung der Artenvielfalt“, wird Susanne Bareiß-Gülzow zitiert.

Eine derartige Belastung sorgt in Teichen dazu, dass sich Algen extrem vermehren können. Sterben diese ab, brauchen Bakterien im Wasser Sauerstoff, um sie zu zersetzen. Die Folge: Der Sauerstoffgehalt, den die Fische zum Atmen brauchen, reduziert sich.

Laut der Vorsitzenden Susanne Bareiß-Gülzow führen schon Nitrat-Werte ab 25 mg/l Nitrat „im Teichwasser zu ökologischen Problemen im heimischen Biotop.“ Der VSR-Gewässerschutz rät: Liegt der Wert darüber, kann das Brunnenwasser mit nitratarmem Regenwasser gemischt werden. „So senken Sie die Konzentration des schädlichen Stoffes. „Nitrat kann auch mithilfe bestimmter Bakterien in Nitrit umgesetzt werden. Das ist giftig für Fische, wobei eine starke Abhängigkeit zum Säuregehalt des Wassers besteht. Besonders im saurem Wasser kann der Stoff durch die Kiemen in den Fischkörper gelangen“, heißt es auf der Internetseite.

Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation wertet nicht nur die Ergebnisse der Nitratmessungen des Brunnenwassers aus, sondern auch die landwirtschaftlichen, regionalen Daten, um ableiten zu können, welche landwirtschaftliche Nutzung besonders zur Nitratbelastung beiträgt. So stellten die Gewässer-Experten laut Mitteilung fest, dass dort, wo viel Mais angebaut wird, eine höhere Nitratbelastung vorliegt.

Im Kreis Gifhorn werde auf 22 Prozent der Ackerfläche Mais angebaut. „Dieser wird erst spät im Jahr geerntet. Somit gestaltet sich der Anbau von sogenannten Zwischenfrüchten, die das überschüssige Nitrat im Boden aufnehmen und damit die Nitratauswaschung verringern könnten, schwierig.“

Viele Landwirte bauen Mais gern an, um die später in der Biogasanlage zu verwenden. „Man könnte die Energiegewinnung aber durchaus mit Natur- und Gewässerschutz verbinden. Wildblumen eignen sich beispielsweise ebenfalls gut für die Energiegewinnung. Es gibt bereits zahlreiche Landwirte, die diese statt Mais anbauen. Das ist sowohl für die Umwelt als auch für die Bevölkerung eine Bereicherung, da mehrjährige Wildpflanzenkulturen deutlich weniger gedüngt werden und dadurch zum Gewässerschutz beitragen. Auf Pestizide kann weitestgehend verzichtet werden“, heißt es in der Pressemitteilung.

Zudem gäben sie vielen Insekten und Tierarten Schutz, Nahrung und Lebensraum. „Sie stellen ökologisch wertvolle Flächen dar. Um die Artenvielfalt in unseren intensiv genutzten Agrarlandschaften wieder zu erhöhen, ist auch eine Vielfalt der Kulturen unverzichtbar“, so Bareiß-Gülzow.

Doch der Ertrag sei im Vergleich zu Mais weniger hoch, was für Landwirte den Anbau weniger attraktiv mache. „Eine finanzielle Unterstützung ist notwendig, um die entstehenden Verluste auszugleichen“, betonen die Umweltschützer. Der VSR-Gewässerschutz fordert von der Politik: Der Anbau von Wildpflanzenkulturen muss zukünftig im Rahmen der EU-Agrarsubventionen so gefördert werden, dass dieser für die Landwirte auch rentabel wird. Erst dann könne die Erzeugung von Biogas nachhaltig werden und einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Gewässerschutz leisten.

Kontakt und weitere Infos

Richtige Nutzung von Brunnenwasser: Auf seiner Internetseite gibt der VSR-Gewässerschutz unter https://vsr-gewaesserschutz.de/grundwasserschutz/brunnen

Tipps, was es beim Gießen von Gemüse, dem Befüllen des Planschbeckens, beim Tränken der Tiere oder Befüllen eines Teichs zu beachten gibt.

Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann bis Ende September noch Wasserproben per Post an die Umweltschützer schicken.

Wer beraten werden möchte, kann jeden Freitag zwischen 10 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer (02831)9763342 anrufen.

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