Seit über 50 Jahren beobachtet Heinrich Müller Flora und Fauna

Zahrenholz.  Kandidat für den Ehrenamtspreis Gifhorner des Jahres: Der Zahrenholzer Heinrich Müller versorgt den Deutschen Wetterdienst mit phänologischen Daten.

Der 88 Jahre alte Heinrich Müller aus Zahrenholz dokumentiert seit mehr als 50 Jahren seine Beobachtungen für den Deutschen Wetterdienst. 

Der 88 Jahre alte Heinrich Müller aus Zahrenholz dokumentiert seit mehr als 50 Jahren seine Beobachtungen für den Deutschen Wetterdienst. 

Foto: Dirk Kühn

Wenn jemand zuverlässig voraussagen kann, ob wir in diesem Jahr mit weißen Weihnachten rechnen dürfen, dann Heinrich Müller aus Zahrenholz. Seit mehr als 50 Jahren beobachtet der das Wetter, ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Und Müller ist überzeugt: In diesem Jahr klappt’s mit dem Schnee zum Weihnachtsfest, verkündet er mit einem Schmunzeln. Zuletzt habe 2010 Schnee gelegen und alle zehn Jahre wiederhole sich das.

Müllers Prognose: Kein strenger Winter bis Jahresende

Dass der Winter jedoch ungewöhnlich hart und kalt werde, damit sei zumindest bis Jahresende nicht zu rechnen, schiebt der 88-Jährige hinterher und erklärt die Luftströme von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Arktische Luft sei erstmal nicht in Sicht. Im Gegenteil, der milde, teils warme November sei im Grunde genommen den warmen Luftmassen aus Afrika zu verdanken, die nach Europa strömten.

Pflanzenbeobachter seit mehr als 50 Jahren
Pflanzenbeobachter seit mehr als 50 Jahren

Doch vom großen zum kleinen Wetter, natürlich notiert Müller täglich Temperatur, Niederschläge und was sonst noch erwähnenswert ist, doch für den Deutschen Wetter-Dienst ist er phänologischer Beobachter. Er verfolgt das Wachstum bestimmter Pflanzen – vom Buschwindröschen bis zur Eicher, vom Hasel und Heidekraut bis zum zweigriffligen Weißdorn. Und da der Winterroggen auf dem Feld nebenan schon aufgelaufen ist, Birken und Apfelbaum weitestgehend ihre Blätter abgeworfen haben, ist seit Mitte November etwas Ruhe eingekehrt. Zumindest was die Arbeit als phänologischer Beobachter angeht. Doch wer Müller kennt, weiß, dass er nicht den ganzen Tag auf dem Sofa verbringt. Und wer ihn noch besser kennt, nennt ihn nicht Heinrich, sondern Heiner. So porträtierte ihn „Land und Forst“, die Stimme der Landwirtschaft, in diesem Somme „Heiner Müller hat Flora und Fauna im Blick“ hieß die Schlagzeile auf der Titelseite. Müller steht, umgeben von blühenden Bartnelken, in seinem großen Zier- und Nutzgarten. Und Fauna ist durchaus richtig, weil Müller auch die Tierwelt im Blick hat und neben dem DWD auch der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien Daten zum Flug von Zitronenfalter und Kohlweißling meldet, zum Maikäfer und Schwalbenflug. Doch bis die wieder zu sehen sind, wird es noch etwas dauern...

Dafür trägt die Hasel bereits die typischen Schwänzchen. Noch blühen sie nicht, das wird wohl noch einige Wochen dauern. Möglicherweise schon Mitte Januar, das wäre dann ähnlich früh wie in diesem Jahr. Erstmal aber behält Müller das Laub der Eichen im Blick. Das ist in diesem Jahr noch längst nicht überall gefallen. „Es fehlt der Frost“, erklärt der Zahrenholzer. Deshalb seien die Eichen zum Teil noch voller Blätter. Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern, bis zum Wochenende sind leichte Nachtfröste angekündigt.

Heinrich Müller kennt jede Milchkanne in der Heide

Müllers ehrenamtliche Arbeit ging viele Jahre über die Unterstützung für den Wetterdienst hinaus. Für die CDU saß er rund 15 Jahre im Rat der Gemeinde Groß Oesingen, hat sich im Partnerschaftskreis der Samtgemeinde Wesendorf engagiert, war viele Jahre Kultur- und Landschaftsführer. Allein durch den Heiligen Hain lotste der Tausende von Besuchern, erzählte über die Geschichte und gab Geschichtchen zum Besten. Müller kennt jede Milchkanne in der Heide, das jedenfalls meinte mal ein Busfahrer auf einer Seniorentour, die er als Reisebegleiter betreut hat. Der 88-Jährige schmunzelt, erzählt von seinen Erlebnissen, von wissbegierigen Professoren und spendierfreudigen Reisenden aus dem Ruhrgebiet und von seiner ersten Nominierung als Kandidat für den Ehrenamtspreis vor mehr als zehn Jahren. Stimmt, aber weil er die 50 Jahre überschritten hat und seine Geschichten aus Wald und Flur nur so sprudeln, ist das Anlass genug, ihn als Kandidaten für den Gifhorner des Jahres 2020 vorzuschlagen.

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