Wehr Gifhorn – Erstes Dienstbuch existierte vor der Gründung

Gifhorn.  Die Gifhorner Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Jubiläum – ein guter Grund, auf die Geschichte zu blicken. Dies ist der vierte Serienteil.

Die erste Aufnahme der Gifhorner Feuerwehr am Maschhaus 1872.

Die erste Aufnahme der Gifhorner Feuerwehr am Maschhaus 1872.

Foto: Privat

Die Gifhorner Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen – ein guter Grund, auf die Geschichte zu blicken. Dies ist der vierte Serienteil.

Der Brand von 1868 in Gifhorn, der in der Wollspinnerei seinen Anfang nahm und der wegen fehlender Feuerwehrleute beinahe in einem Desaster endete (wir berichteten im dritten Serienteil), hatte historische Bedeutung. Denn offenbar wurde, dass es Rettungsverein und Turner-Feuerwehr an einer einheitlichen, kompetenten Führung fehlte. An Ausbildung obendrein. Diese Erkenntnis war letztlich ausschlaggebend für die Gründung der Gifhorner Feuerwehr. Das haben Harald Heinemann und Ralf Müller, die Archivare im Gifhorner Feuerwehrhaus, sowie Petra Müller zusammengetragen und für die Ausstellung im Rathaus (ab 28. Juni) aufbereitet.

In einer alten Zeitung von 1869 fand Heinemann dann einen Aufruf: „Es ist eine Bekanntmachung, dass beabsichtigt sei, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen.“ Vor allem die jungen Bürger waren angesprochen.

Am Samstag, 6. November, war es soweit: Im Saal des Ratskellers fand eine erste Versammlung statt. „Die wurde eröffnet von Bürgermeister Burghardt von Bülow“, weiß Heinemann aus dem Protokoll, „er sprach erst einmal allgemein über die Wichtigkeit des Löschwesens.“ Dann hätten sich die ersten Personen gemeldet, die gleich bereit waren, in die neue Feuerwehr einzutreten. „Fünf davon waren beauftragt, einen Entwurf für die Statuten zu erstellen.“ Am 20. November fand dann die offizielle Gründung der Feuerwehr statt. Verzeichnet ist, dass „Kaufmann K. zusagte, 60 Ellen Drillstoff zu spenden“ – die Basis für die ersten Uniformen. Zum ersten Hauptmann der Truppe wurde wenig später Dachdeckermeister Louis Bohndiek ernannt – er blieb es bis zu seinem Tod im Jahr 1894.

Heinemann und Müller haben noch alle Original-Urkunden und Statuten. Einer der größten Schätze ist allerdings das erste Dienstbuch. „Darin sind alle Mitglieder aufgeführt“, sagt Heinemann – und zwar alle (!) bis zum Jahr 1980. Einer der ersten Nachnamen sind Steib, Oelkers, Herbst und Scheuring. Auch Heinemann (Nummer 526) und Ralf Müller (616) sind darin aufgeführt. Letzterer ist mit Nummer 680 Holger Staats. Mittlerweile ist das zweite Dienstbuch übrigens schon bei Mitgliedsnummer 1015 angelangt.

Doch was ist das? Als Eintrittsdatum steht bei den ersten Namen im ersten Dienstbuch nicht der 6. oder 20. November 1869, sondern der 28. Oktober. „Das war mir vorher noch gar nicht aufgefallen“, sagt Heinemann. Offenbar hatte sich ein Teil der Gründungsmitglieder schon eine Woche vorher getroffen und abgesprochen. Ein wichtiger Hinweis dazu findet sich auch auf dem original, handgeschriebenen Statuten-Dokument: Links oben ist vermerkt, dass die Buchdruckerei Schulze den Auftrag erhalten hat, schon einmal 200 Exemplare der Statuten zu drucken – und darüber steht als Datum wieder der 28. Oktober. Möglicherweise wollte man den ersten Mitgliedern der Feuerwehr bei der offiziellen Gründung auch gleich einen Ausdruck in die Hand drücken. Denn unterschrieben wurden dieselben Statuten von den ersten 52 Mitgliedern dann schließlich am 20. November. Heinemann: „Das sind aber dieselben Namen, die im Stammbuch unter dem 28. Oktober stehen.“

Aus den Anfangsjahren ist auch noch das Kassenbuch erhalten, das 1882 beginnt. Heinemann: „Auch damals schon haben die Mitglieder einen Beitrag gezahlt.“ Aufgeführt sind aber immer nur die jährlichen Gesamtsummen. „Bei mir war es anfangs aber auch noch so, dass jährlich jemand herumging und fünf Mark einkassierte. Das ging ewig so.“

Auch vorhanden ist noch das Protokollbuch ab dem Jahr 1889 – das haben die Archivare schon einmal komplett entziffern und transkribieren lassen. Es liegt als gebundenes Buch vor.

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