Gastronomie in Braunschweig

Keine Chance für Verkaufspavillons in Braunschweigs Innenstadt

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Die beiden Pavillons am Ringerbrunnen in Braunschweig sollen verschwinden. Markus Meier, Mieter in einem der Pavillons, ist darüber sehr enttäuscht. Unser Foto zeigt Massimo Gatto, einen seiner Mitarbeiter.

Die beiden Pavillons am Ringerbrunnen in Braunschweig sollen verschwinden. Markus Meier, Mieter in einem der Pavillons, ist darüber sehr enttäuscht. Unser Foto zeigt Massimo Gatto, einen seiner Mitarbeiter.

Foto: Bernward Comes

Braunschweig.  Die Politik bekräftigt: Zum Jahresende werden die Mietverträge gekündigt und die Pavillons abgebaut. Mandel-Meier befürchtet starken Umsatzeinbruch.

Das Aus rückt näher. Nach dem Wirtschaftsausschuss hat nun auch Braunschweigs Planungsausschuss einhellig zugestimmt, dass die beiden Innenstadt-Pavillons am Ringerbrunnen verschwinden sollen. Markus Meier, einer der Mieter, sagt: „Das war es. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, bleiben zu können.“

Über drei Jahrzehnte prägten die beiden Pavillons das Stadtbild zwischen Welfenhof und Ringerbrunnen in der Fußgängerzone. Anfangs so gut gelitten, dass Architekt Heinrich Tönnishoff sogar eine lobende Erwähnung von der Peter-Joseph-Krahe-Preisjury erhielt. Ein Preis, der für hervorragende Gestaltungsleistungen auf dem Gebiet der Architektur, des Ingenieurbaus oder der Garten- und Landschaftsgestaltung in Braunschweig verliehen wird.

Stadt: Pavillons sind nicht mehr zeitgemäß

Doch die Zeiten ändern sich. Schon vor zwei Jahren waren Verwaltung und große Teile der Politik der Ansicht, dass die beiden Pavillons der Zukunft der Braunschweiger Innenstadt im Wege stehen. Sie versperrten die Sichtachse zwischen Ringerbrunnen und Welfenhof, hieß es. Außerdem seien sie stadtgestalterisch nicht mehr zeitgemäß und verengten den Raum durch die wartenden Gäste. Die Pachtverträge sollten deshalb schon damals gekündigt werden – auch Mieter Markus Meier, bekannt als Mandel-Meier, sollte den Pavillon verlassen.

Die Corona-Pandemie führte jedoch dazu, dass er bis Ende 2022 bleiben durfte. Ein Zeichen des guten Willens seitens der Stadt. Die unter den Corona-Einschränkungen leidende Gastronomie sollte unterstützt werden. Meier sagt dazu: „Dass ich zwei weitere Jahre bleiben durfte, das war eine große Erleichterung. Nun wird mir die Unterstützung allerdings entzogen, obwohl ich sie noch ganz dringend benötige.“

BIBS: Pavillons sollten noch ein weiteres Jahr bleiben

Die BIBS-Fraktion hatte jetzt im Planungsausschuss beantragt, dass die Pavillons noch ein weiteres Jahr stehen bleiben dürfen – auch mit Verweis auf die große Unterstützung durch eine Unterschriftenaktion und in Leserbriefen. BIBS-Ratsherr Bernhard Priest stellte in Abrede, dass der Verlust der Pavillons ein Gewinn für die Innenstadt sei. Allerdings ohne Erfolg: CDU und Grüne verwiesen darauf, dass das Für und Wider bereits erörtert worden sei. Zwei Jahre Aufschub habe man bereits gewährt – dabei soll es bleiben.

Endgültig entscheiden wird der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss am nächsten Dienstag. Doch Meier glaubt nicht an eine Sinnesänderung: „Es wird kein Wunder geben. Ich muss jetzt nach ganz neuen Lösungen suchen. Denn wenn die Pavillons verschwinden, trifft das auch unser benachbartes Café.“ Für Externe sei das schwer zu verstehen. „Aus dem Pavillon heraus erfolgt nicht nur der Verkauf an Passanten.“ Es bestehe eine Arbeitsteilung, wo welche Speisen für die Gäste des Cafés zubereitet werden. Meier beschreibt dies grob so: „Crêpes im Café, Schmalzkuchen im Pavillon.“

Mandel-Meier: Ich verliere fast ein Drittel des Gesamtumsatzes

Muss er den Pavillon räumen, bedeute das: „Ich verliere einerseits fast ein Drittel des Gesamtumsatzes. Andererseits, und noch gravierender: Zwar könnte der Verkauf an Passanten auch an einer anderen Stelle der Innenstadt erfolgen. Doch die Wege ins Café müssen möglichst kurz sein.“ Von einst 54 Quadratmetern ist das Café auf mittlerweile 174 Quadratmeter gewachsen. „Der Pavillon ist zwar nur 7,5 Quadratmeter groß. Doch um Größe geht es nicht, es geht um die Lage des Pavillons in direkter Nähe zum Café. Ersatz dafür gibt es nicht.“

Ein halbes Jahr bleibt ihm noch, eine Lösung zu finden. Erst zum Jahresende endet der Mietvertrag. Eine Lösung hieße in jedem Fall: „Es muss investiert werden. Trotz Corona und trotz der gegenwärtigen Unsicherheiten.“

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