Braunschweiger Stadthalle soll Corona-Impfzentrum werden

Braunschweig.  Mitte Dezember soll das Impf-Zentrum betriebsbereit sein. Die Stadt muss eine logistische und personelle Mammutaufgabe bewältigen.

Die Stadthalle soll Corona-Impfzentrum für Braunschweig werden. Die Stadtverwaltung hat dem Land ihr Betriebskonzept am Montag vorgelegt.

Die Stadthalle soll Corona-Impfzentrum für Braunschweig werden. Die Stadtverwaltung hat dem Land ihr Betriebskonzept am Montag vorgelegt.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Die Stadthalle am Leonhardplatz soll Corona-Impfzentrum für Braunschweig werden. Das hat Oberbürgermeister Ulrich Markurth am Montag mitgeteilt. „Wir können bis zum 15. Dezember betriebsbereit sein.“ Wann konkret mit den Impfungen begonnen werde, sei noch nicht bekannt. „Sobald der Impfstoff zur Verfügung steht, können wir schnell reagieren.“

Freiwillige Corona-Impfung

Erst am 17. November hatte das Land die Kommunen aufgefordert, bis Mitte Dezember Impfzentren einzurichten - eine logistische Mammutaufgabe, mit der Markurth aber auch die Hoffnung verknüpft, bald wieder in die gesellschaftliche Normalität zurückkehren zu können. Die Impfung sei freiwillig. Markurth setzt auf die Impfbereitschaft der Menschen. Erste Rückmeldungen aus Pflegeeinrichtungen seien positiv, berichtet Sozialdezernentin Christine Arbogast. „Der Wunsch nach einem unbeschwerteren Leben ist groß.“

Mobile Impf-Teams für Pflegeheime und Menschen in häuslicher Pflege

Zunächst sollen Risikogruppen und medizinisches wie pflegerisches Personal geimpft werden, und das nicht nur in der Stadthalle. Zugleich plant die Stadt den Einsatz mobiler Impf-Teams in Pflegeheimen oder in der ambulanten Pflege. Christine Arbogast sieht auch darin eine große Herausforderung. Geschätzt 5000 bis 7000 Braunschweiger seien in häuslicher Pflege. „Wir wissen bisher nicht: Wer kann ins Impfzentrum kommen, wer muss zu Hause geimpft werden?“

Nach drei Wochen zweite Impfung nötig

Der erste Impfstoff , mit dem die Stadt rechnet, erfordere zudem eine zweite Impfung, „und zwar ziemlich exakt am 21. Tag nach der ersten“, erläutert die Dezernentin. Auch das müsse logistisch bewältigt werden. Arbogasts Sorge: dass manch einer zur zweiten Impfung nicht mehr erscheint und der Impfschutz damit verfällt. Dieses Problem sei von anderen Impfungen bekannt.

Land muss Betriebskonzept noch genehmigen

Die Stadt hat dem Land am Montag ihr Betriebskonzept für die Stadthalle als Impfzentrum vorgelegt. Erst wenn dies genehmigt ist, kann sie die nötige Infrastruktur aufbauen. Die Kosten gehen Markurth zufolge in die Millionen. Bund und Land hätten zugesichert, dafür aufzukommen. „Wir rechnen damit, dass das Impfzentrum ein halbes Jahr oder länger bestehen wird.“ Ende 2021 sollen Hausärzte die Impfungen übernehmen. Verzögert sich dieser Prozess, ist die Volkswagen-Halle als möglicher Ausweich-Standort vorgesehen.

Stadthalle „erfüllt alle Voraussetzungen“

Die Stadthalle erfüllt aus Sicht der Planer alle Voraussetzungen für die erwartete Massenimpfung: Sie sei gut erreichbar, in dem Gebäude ließen sich Sicherheits- wie auch Hygienekonzepte umsetzen. Und nicht zuletzt verfügt die Stadthalle dank der Gastronomie im Haus über die notwendigen Kühlsysteme, um den empfindlichen Impfstoff zu lagern.

Vier Impfstraßen geplant

Wie Organisationsdezernent Dr. Thorsten Kornblum als Leiter der eilig gegründeten Task Force „Impfzentrum“ erläutert, werden die Impfwilligen von der Anmeldung und Registrierung über das Arztgespräch bis hin zur Impfung über vier parallel verlaufende Impfstraßen geführt. Am Ende stehe eine viertelstündige Ruhephase unter Beobachtung. Das Impfzentrum wird über einen Seiteneingang der Stadthalle erreichbar sein. Veranstaltungen können in den Sälen weiterhin stattfinden. Die Terminvergabe zur Impfung steuere das Land, so Kornblum.

Stadt sucht Freiwillige: Aufruf auch an Ärzte im Ruhestand

Eine weitere Herausforderung angesichts des kurzen Zeitfensters: das nötige Personal zu rekrutieren. Die Stadt rechnet allein aus ihren Reihen mit 130 Verwaltungskräften, die für die administrativen Aufgaben gebraucht werden. Markurth appelliert an ihre Freiwilligkeit. Ebenso richtet die Stadt ihren Freiwilligen-Aufruf an Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand sowie impfbefähigte Fachkräfte. Damit unterstützt sie auch das Land und die Kassenärztliche Vereinigung, die für die Gewinnung des ärztlichen Personals zuständig sind. Für das geplante Zweischichtsystem werden pro Tag acht Mediziner, 32 impfbefähigte Mitarbeitende und 30 Verwaltungskräfte benötigt - das Personal für die mobilen Impf-Teams noch nicht mitgerechnet.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (21)