Zurück auf Null – Bittere Stunden ab November in Braunschweig

Braunschweig.  Hotellerie, Gastronomie, Kultur, Kino und Veranstaltungen: Die neuen Corona-Maßnahmen sind für etliche Akteure in der Stadt ein herber Rückschlag.

So sah es beim Lockdown im März auf dem Kohlmarkt in Braunschweig aus.

So sah es beim Lockdown im März auf dem Kohlmarkt in Braunschweig aus.

Foto: Stefan Lohmann/Archiv

Am Tag nach der Verkündung des neuen (Teil-)Lockdowns (ab Montag) schwanken die Reaktionen auch in Braunschweig zwischen Schock, Ratlosigkeit, aber auch Verständnis für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Extrem betroffen sind Kultur, Kino und Veranstaltungen, aber besonders auch Hotellerie und Gastronomie.

„Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass wir wenigstens den ganz normalen Restaurantbetrieb weiterführen können und wurden voll enttäuscht“, sagt der Vorsitzende für Braunschweig-Wolfenbüttel des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Bernd Weymann, unserer Zeitung. Einige seiner Kollegen würden „es jetzt definitiv nicht mehr schaffen“. Weymann, der die Wendezeller Stuben in Wendeburg betreibt, rechnet, dass bis zu 40 Prozent der Betriebe jetzt nicht überleben könnten.

Dehoga: „Auf Bundes- und Landesebene bereiten wir Klagen vor und hoffen, damit erfolgreich zu sein.“

Dies sei besonders bitter, weil man so viel in Hygienekonzepte investiert und alles umgesetzt habe. „Bei uns ist es am sichersten. Auch Familienfeiern, das haben uns alle bescheinigt“, so Weymann. Schon seien die Einnahmen wieder geflossen, wenn auch spärlich, die Bücher hätten sich langsam wieder gefüllt. Und nun so etwas, das sich wie ein Tiefschlag anfühlt.

Auch Mitarbeiter laufen ihnen da weg angesichts der Ungewissheit, sie suchten etwas anderes, mehr Sicherheit, wenn und wo es nur geht. Zudem glaube man noch nicht recht an die jetzt versprochene Entschädigung in Höhe von 75 Prozent, am Ende werde wohl weniger ankommen, so seine Vermutung. Kampflos hinnehmen will man das alles nicht. Der Dehoga-Vorsitzende: „Auf Bundes- und Landesebene bereiten wir Klagen vor und hoffen, damit erfolgreich zu sein. Denn die Infektionsherde sind nicht bei uns zu finden.“

Bestürzt und fassungslos zeigt sich die Kinobranche. Auch Frank Oppermann vom Braunschweiger Astor-Filmtheater stellt niedergeschlagen fest, dass all die Maßnahmen der letzten Monate am Ende doch vergeblich waren: detaillierte Sicherheitskonzepte, große Räume, moderne Belüftungsanlagen bei nur 25 Prozent Auslastung. Weltweit gebe es keinen einzigen bekannten Covid-Fall im Kino.

Ähnlich betrübt und niedergeschlagen ist die Stimmung auch bei den Karnevalisten. „Es hilft nichts, auch die geplante Hygiene-Sessionseröffnung am 11.11. auf dem Kohlmarkt kann unter solchen Umständen nicht stattfinden“, sagt Gerhard Baller vom Komitee Braunschweiger Karneval. Absage! Stattdessen soll nun eine digitale, nicht öffentlich zugängliche Prinzenproklamation im „kleinsten Kreis“ als Live-Stream von 11.11 Uhr bis 12.30 Uhr im Altstadtrathaus stattfinden. Immerhin: ein neuer Prinz wird dabei auch proklamiert. Und auch der traditionelle Prinzensudanstich soll nicht fehlen.

Braunschweiger Weihnachtsmarkt ungewisser denn je, „mummegenussmeile“ und verkaufsoffener Sonntag abgesagt

Ungewisser denn je ist jetzt auch der Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Ein Beginn im November ist nicht mehr möglich. Die Stadt hält sich jedoch die Option auf einen späteren, veränderten Markt noch offen. Stadtmarketing-Chef Gerold Leppa: „Wir haben uns entschieden, offenzulassen, ob wir im Dezember mindestens ein vergleichbares Angebot haben können.“

Das Aus für die „mummegenussmeile“ vom 6. bis zum 8. November und den verkaufsoffenen Sonntag am 8. November kam gestern. Die Touristinfo, Kleine Burg 14, bietet stattdessen eine Vielzahl an leckeren Mumme-Produkten an.

Bäder und Finanzämter ab Montag geschlossen. Stadt appelliert: An Halloween keine Umzüge und bitte zuhause bleiben

Wasserwelt, Bürger-Badepark und Sportbad Heidberg bleiben für den gesamten November geschlossen. Betroffen sind von der Schließung alle Schwimmbecken inklusive des Kurs- und Vereinsbetriebes, Saunen sowie gastronomische Einrichtungen. Alle Kurse werden bis zum Ende des Jahres abgesagt.

Corona in Braunschweig- Alle Fakten auf einen Blick

Die Finanzämter Altewiekring und Wilhelmstraße sind ab Montag für Publikumsverkehr geschlossen. Telefonische Terminvergabe für persönliche Rücksprachen ist unter (0531) 705-0 für das Finanzamt Altewiekring sowie (0531) 489-0 für das Finanzamt Wilhelmstraße möglich. Kontakt mit den Finanzämtern per Telefon, Telefax, Brief oder E-Mail ist möglich.

Die Stadt appelliert an alle Bürger, Halloween in diesem Jahr angesichts der besonderen Umstände zu Hause und nur mit dem eigenen Hausstand zu feiern. „Ich bitte Sie, verzichten Sie in diesem Jahr auf Umzüge mit ihren Kindern zu Halloween und dem Martinstag!“, so Gesundheitsdezernentin Christine Arbogast. Alle stünden jetzt gemeinsam vor der großen Herausforderung, dafür zu sorgen, dass die Coronainfektionen zurückgehen. „Zum Wohle aller sollten wir daher in diesem Jahr auf einige liebgewonnene Traditionen verzichten.“

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