Schulstart im Szenario A – das sagen Braunschweiger Eltern

Braunschweig.  Mit gemischten Gefühlen schicken Eltern ihre Kinder ab Montag wieder zur Schule: Da ist die Angst vor Corona – aber auch Erleichterung.

Mit Mütze und Maske im Unterricht: In einigen Bundesländern ist der Mundschutz im Unterricht mittlerweile obligatorisch. In Niedersachsen empfiehlt das Kultusministerium das Tragen von Masken im Unterricht bei einem hohen Infektionsgeschehen ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Mit Mütze und Maske im Unterricht: In einigen Bundesländern ist der Mundschutz im Unterricht mittlerweile obligatorisch. In Niedersachsen empfiehlt das Kultusministerium das Tragen von Masken im Unterricht bei einem hohen Infektionsgeschehen ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Herbstferien sind vorbei, ab Montag gehen wieder alle Schüler in die Schule. Auch die Schüler und Lehrer, die zuletzt wegen Coronainfektionen an ihren Schulen zu Hause bleiben mussten, sind nach Auskunft der Stadtverwaltung wieder mit an Bord. Viele Eltern werden ihren Nachwuchs jedoch mit gemischten Gefühlen auf den Weg schicken: Die Erleichterung, dass für alle Schüler Präsenzunterricht stattfindet, ist groß – zugleich wächst die Gefahr einer Ansteckung mit Corona. Unsere Redaktion hat mit Eltern gesprochen.

Bislang 14 Braunschweiger Schulen von Corona betroffen

Ihre Namen und die Schulen ihrer Kinder sind der Redaktion bekannt, doch die Eltern haben um Anonymität gebeten. Ein Vater, für den Bericht nennen wir ihn Holger Brinkmann, bewertet den Schulstart so: „Ich habe kein gutes Gefühl. Viele Familien waren in den Ferien im Urlaub. Wir machen uns nicht verrückt, aber wir haben schon Angst vor einer Ansteckung.“ Ein Blick nach Bayern zeige, was uns in den nächsten Wochen bevorstehen könnte: „Dort müssen wegen der vielen Infektionen sehr viele Schüler zu Hause bleiben. Freunde von uns, die dort leben, haben drei Kinder - zwei sind derzeit in Quarantäne.“ Privat habe seine Familie die sozialen Kontakte wieder eingeschränkt: „Bei allem, was wir tun, achten wir sehr darauf, Abstand zu halten. Aber in der Schule haben die Schüler keine Chance, Abstand zu halten. Dafür ist es in den Klassenräumen zu eng.“

Anders als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Hessen gibt es in Niedersachsen bisher keine Maskenpflicht für den Unterricht. Das Kultusministerium empfiehlt jedoch, dass ab einem Inzidenzwert von 50 an den weiterführenden Schulen Masken im Unterricht getragen werden sollten. Kultusminister Grant Hendrik Tonne schreibt in einem Brief an alle Eltern: „Schule ist bisher weder Ausgangspunkt noch Verbreitungsort der Pandemie, die Infektionsschutzmaßnahmen in den Schulen waren erfolgreich.“

In Braunschweig wurden seit Ausbruch der Pandemie bislang an 14 der rund 70 Schulen im Stadtgebiet Infektionsfälle bestätigt. Es blieb jeweils bei Einzelfällen. Die Stadtverwaltung hatte im April eine Task-Force gegründet, die sich mit Corona in Kitas, Schulen und in der Schulkindbetreuung beschäftigt. Die Taktung der Sitzungstermine wurde nun wieder erhöht, um schnell auf die aktuelle Situation reagieren zu können.

Mundschutz im Unterricht empfohlen bei hohem Infektionsgeschehen

Einige Schulleitungen in Braunschweig haben schon vor den Herbstferien dazu geraten, Masken auch im Unterricht zu tragen – vorschreiben durften sie das nicht. An der Schule von Bruno (12) ist das so. Seine Mutter Rebekka Hagens sagt: „Szenario A mit Maske ist auf jeden Fall das kleinere Übel.“ Szenario B, also den Wechsel zwischen Homelearning und Präsenzunterricht, sieht sie kritisch: „Es gibt zu viele Eltern, die die Betreuung daheim nicht schaffen würden.“ Tatsächlich haben viele Mütter und Väter ihren Jahresurlaub bereits im Frühjahr verbraucht, als Schulen und Kitas geschlossen waren.

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Rebekka Hagens bedauert, dass einige Schüler den Mundschutz im Unterricht trotz Aufforderung der Schulleitung nicht tragen: Sie habe vollstes Verständnis für alle, die aus gesundheitlichen Gründen keinen Mundschutz tragen dürfen, „aber man liest in der Zeitung auch von Attesten aus dem Internet und Ärzten, die offenbar aus Gefälligkeit Atteste ausstellen. Das finde ich schlimm, denn so werden sie zu einer Gefahr für die Schwächsten, die wir eigentlich schützen sollten.“ Aus Baden-Württemberg weiß sie von Schulen, in denen Schüler ohne Maske gemeinsam hinten sitzen müssen, so dass ein Abstand zu den übrigen Schülern gegeben ist: „Das finde ich eine gute Idee.“

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Eltern fürchten zweiten Lockdown mit Schulschließungen

Janine Peters hat einen achtjährigen Sohn. Sie sagt: „Wir alle, auch mein Sohn, sind froh, dass es weitergeht mit der Schule.“ Der Lockdown im Frühjahr sei für viele Familien eine Belastungsprobe gewesen. „Meinem Sohn fehlten die sozialen Kontakte. Und im Klassenverband macht das Lernen mehr Spaß“, so die Mutter. Vor einer Ansteckung mit Corona sorgt sie sich weniger: „An der Grundschule halten sich die Kinder weitestgehend an die Vorgaben. Ich fürchte eher, dass über ältere Geschwister, die die Vorgaben vielleicht laxer handhaben, das Virus in die Schule getragen wird. Mit diesem Risiko müssen wir leben. Generell denke ich, dass wir uns daran gewöhnen müssen, dass Corona künftig zum normalen Lebensrisiko dazugehört.“

Sabine und Thomas Reukler haben drei Kindern. Das jüngste gehört wegen einer Erkrankung der Risikogruppe an. Sabine Reukler sagt: „Ich hoffe, dass an den Schulen eine Maskenpflicht für den Unterricht eingeführt wird. Mir würde das mehr Sicherheit geben. Ich glaube auch, dass das die Schüler gar nicht so sehr stören würde. Meine Kinder muss ich manchmal daran erinnern, dass sie zu Hause ihren Mundschutz abnehmen, weil sie gar nicht bemerkt haben, dass sie ihn noch tragen.“ Sorgen bereiten ihr die Busfahrten: „Die Busse sind rappelvoll – und das, obwohl deutlich mehr Schüler mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Auch unsere beiden älteren Kinder haben vor den Ferien meistens das Rad genommen. Wenn sie doch den Bus nutzen müssen, tragen sie eine FFP2-Maske, auch zum Schutz ihrer Schwester.“

Die CDU-Ratsfraktion hatte angeregt, dass die Schulen in Braunschweig die Unterrichtszeiten zeitlich stärker versetzen, um die Situation in den Bussen und Bahnen zu entzerren. Derzeit läuft zu diesem Thema eine Abfrage der Stadtverwaltung bei den Schulleitungen. „Ich würde es begrüßen, wenn sich die Schulen auf einen gestaffelten Unterrichtsbeginn einlassen würden“, sagt Sabine Reukler. Obwohl ihre Tochter Risikopatientin ist, begrüßt sie Szenario A: „Das ermöglicht den Kindern und Jugendlichen bei allen anderen Einschränkungen so viele soziale Kontakte und so viel Normalität, wie momentan möglich.“

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