Braunschweigs Schulen starten mit Corona-Szenario A

Braunschweig.  Nach den Herbstferien gelten ähnliche Regeln wie vor den Ferien. Steigen die Infektionszahlen weiter, müssen im Unterricht Masken getragen werden.

Unterricht mit Mundschutz: Sollten die Infektionszahlen weiter steigen, könnte das künftig auch in Braunschweig zum Schulalltag gehören.

Unterricht mit Mundschutz: Sollten die Infektionszahlen weiter steigen, könnte das künftig auch in Braunschweig zum Schulalltag gehören.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Die Infektionszahlen steigen – doch die Braunschweiger Schulen werden nach den Herbstferien am Montag wieder wie gewohnt für alle Kinder öffnen. Der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat am Donnerstag angekündigt, dass nach den Ferien „landesweit im Szenario A gestartet“ werde. Schließungen von Schulen oder Kitas seien „absolute Ultima Ratio, also das letzte denkbare Mittel“, hatte schon am Vortag die Landesregierung betont. So gelten vorerst die gleichen Regeln wie vor den Ferien – mit kleinen Änderungen. Was sagen Braunschweigs Schulleiter dazu?

Mundschutz im Unterricht bei weiter steigenden Infektionszahlen

Ab einem Inzidenz-Wert von 50 (Braunschweig liegt noch unter diesem Wert) empfiehlt das Ministerium das Tragen eines Mundschutzes im Unterricht – ausgenommen sind die Grundschulen. Zudem soll es Schülern mit Risikopatienten in der Familie erleichtert werden, sich per Attest vom Unterricht freistellen zu lassen.

Sachgerechtes Lüften bezeichnete Tonne als den „entscheidenden Baustein beim Gesundheits- und Infektionsschutz“. Eine regelmäßige und hohe Frischluftzufuhr in den Unterrichtsräumen sei wichtig: Alle 20 Minuten sollte stoß- oder quergelüftet werden. Die Stadt will den Schulen vor diesem Hintergrund CO²-Messgeräte zur Verfügung stellen. „Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ein Gefühl dafür entwickeln, wann und wie oft die Klassenräume gelüftet werden sollten“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt.

Die IGS Querum will in ihrer Außenstelle für die Oberstufe in der Ortwinstraße ein Klingelzeichen einführen, damit das Lüften während des Unterrichts nicht in Vergessenheit gerät. „Das Klingeln wird nach 20 Minuten Unterricht ans Lüften erinnern. Wir testen das aus“, kündigt Schulleiterin Jenny Holtzhauer an. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn die Schulen nach den Ferien im Szenario B starten würden, also das Wechselmodell aus Präsenzunterricht und Homeschooling, wie es vor den Sommerferien der Fall war. „Dann könnte man Abstände einhalten. Ich habe durchaus Sorge, dass es verstärkt zu Infektionen kommt“, sagt die Schulleiterin.

Bisher war es an den betroffenen Schulen im Stadtgebiet bei Einzelfällen geblieben, die Infektionsketten konnten stets rasch unterbrochen werden. Doch Jenny Holtzhauer fragt: „Was passiert, wenn angesichts der stark steigenden Zahlen zeitgleich mehrere große Schulen von Corona-Infektionen betroffen sind: Kann das Gesundheitsamt die Nachverfolgung dann noch wuppen?“

„Im Homeschooling ducken sich schwächere Schüler gerne weg“

Ludgar Mastall, der die Heinrich-Büssing-Berufsschule kommissarisch leitet, ist hingegen froh, dass es vorerst bei Szenario A bleibt. An seiner Schule war vor den Ferien ein Schüler an Covid-19 erkrankt: „Dieser Schüler war acht Stunden mit seinen Mitschülern und den entsprechenden Lehrkräften in einem Klassenraum, hat aber keine weitere Person angesteckt. Das hat uns gezeigt, dass unser Hygienekonzept funktioniert.“

Mastalls Sorge ist vielmehr, dass durch erneutes Homeschooling schwächere Schüler wieder abgehängt werden könnten: „Für die leistungsstärkeren Schüler ist Homeschooling in der Regel kein Problem. Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die schwächeren gerne wegducken und für uns kaum erreichbar sind.“

So sei es häufiger mal vorgekommen, dass Kameras und Mikrofone beim Unterricht per Videoschalte ausgestellt wurden: „Man sieht die Schüler nicht und hört sie nicht – und es lässt sich kaum kontrollieren, ob sie dem Unterricht überhaupt folgen.“ Persönliche Ansprache und Motivation seien wichtig, damit diese Schüler arbeiten – das könne nur über Präsenzunterricht erreicht werden.

Dennoch will sich die Berufsschule für den Fall der Fälle wappnen: „Wir haben sichergestellt, dass alle Schüler daheim Zugriff auf die Unterrichtsmaterialien haben und sind somit besser aufs Homeschooling vorbereitet als beim ersten Lockdown. Eigentlich aber müsste die Technik so installiert sein, dass die Lehrkraft ihren normalen Unterricht abhalten kann und die Schüler daheim automatisch daran teilhaben können. Dann wäre auch Szenario B kein Problem. So weit sind wir aber noch nicht, es muss ja auch finanzierbar sein. Aber wir arbeiten daran“, so Mastall.

Die Stadt als Schulträger ist überzeugt: „Sollte Szenario B wieder notwendig werden, sind die Braunschweiger Schulen darauf gut vorbereitet. Dieses Modell wurde ja vor den Sommerferien bereits erprobt. Mittlerweile konnte die digitale Ausstattung für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien weiterhin verbessert werden.“ Braunschweig investiere aus den Mitteln des Sofortausstattungsprogramms 1,4 Million: „Die Schulen können den Kindern und Jugendlichen, die kein eigenes digitales Endgerät haben, ein Gerät ausleihen, so dass sie am Homelearning teilnehmen können.

- der Text wurde aktualisiert -

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