Hat Maddie-Verdächtiger in Portugal junge Irin vergewaltigt?

Braunschweig.  Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt offiziell: 43-Jähriger „kommt als Täter in Betracht“.

Vergebliche Suche nach der vermissten Madeleine McCann in der Nähe von Praia da Luz. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft glaubt an Mord.

Vergebliche Suche nach der vermissten Madeleine McCann in der Nähe von Praia da Luz. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft glaubt an Mord.

Foto: (Symbol) Nick Ansell / dpa

Im Dezember ist der heute 43-Jährige Verdächtige im Fall Maddie vor dem Braunschweiger Landgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, weil er 2005 in Praia da Luz eine 72 Jahre alte Amerikanerin in ihrem Haus beraubt und vergewaltigt haben soll. Zwei Jahre später verschwand im selben Ferienort an der Algarve die dreijährige Britin Maddie abends aus ihrem Zimmer in einer Hotelanlage. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft ein weiteres Verbrechen.

Staatsanwaltschaft prüft Verbrechen

Christian Wolters, Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, bestätigt, dass gegen den Beschuldigten inzwischen auch wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer jungen Irin im Jahr 2002 an der Algarve offiziell ermittel wird. Nach bisheriger Prüfung des Geschehens komme der 43-Jährige als Täter in Betracht. Ferner ermittelt die Behörde wegen sexuellen Missbrauchs eines zehnjährigen deutschen Mädchens an der Algarve. Im April 2007 soll der 43-Jährige vor dem Kind masturbiert haben.

Ermittlungen laufen in Braunschweig zusammen

Die Ermittlungen - darunter die Mordermittlungen im Fall Maddie - laufen in Braunschweig zusammen, weil der aus Süddeutschland stammende, vielfach vorbestrafte Verdächtige hier seinen letzten deutschen Wohnsitz hatte. Eine Zeit lang betrieb einen Kiosk im westlichen Ringgebiet. Viele Jahre lebte er in Portugal.

Irin erkannte bei Vergewaltigung Parallelen

Schon im Juni, wenige Tage nach Bekanntwerden des Mordverdachts gegen ihn, hatte der britische „Guardian“ von einem weiteren potenziellen Vergewaltigungsopfer berichtet: Bei der Polizei in London habe sich eine Irin gemeldet und gebeten, ihren Fall neu aufzurollen. Als sie im Zusammenhang mit den Maddie-Ermittlungen auch von der Vergewaltigung der 72-jährigen Amerikanerin in Praia da Luz erfahren habe, habe sie im beschriebenen Tatgeschehen viele Parallelen entdeckt.

Opfer: „Er hat genossen, mich zu quälen“

Die Amerikanerin hatte der Polizei unter anderem berichtet, mit einem metallenen, biegsamen Gegenstand geschlagen worden zu sein. „Ich hatte das Gefühl, dass er es genossen hat, mich zu quälen“, schilderte sie gegenüber Ermittlern. Mindestens 15 Minuten habe dieses, wie ihr schien, methodische Vorgehen des Maskierten gedauert.

Auch die damals 21 Jahre alte Irin war den Medienberichten zufolge nachts in ihrer Wohnung in Portugal von einem Maskierten überfallen und vergewaltigt worden. Sie arbeitete zur dieser Zeit in Portugal und wohnte etwa eine halbe Stunde von Praia da Luz entfernt. Der Täter soll sein Opfer gefesselt und eine Machete in der Hand gehalten haben. Die Frau erstattete Anzeige. Doch blieb das Verbrechen unaufgeklärt.

„Alles gut geplant“

„Ich habe es begriffen, als ich las, wie er die Frau angegriffen hatte. Die Taktiken und die Art, die er anwandte, die Gegenstände, die er mitbrachte und wie gut er alles plante“, zitiert Focus online die Angaben der Irin gegenüber dem „Guardian“.

Europäischer Gerichtshof entscheidet nächste Woche

Derweil ist das Braunschweiger Urteil im Fall der vergewaltigten Amerikanerin noch immer nicht rechtskräftig. Nach der Revision des 43-Jährigen, der die Tat bestreitet, entscheidet in der nächsten Woche zunächst der Europäische Gerichtshof über eine Rechtsfrage, die ihm der Bundesgerichtshof zur Klärung vorgelegt hat: ob der Prozess gegen den Mann überhaupt rechtens war. Denn nach internationalem Recht darf ein Straftäter nach seiner Auslieferung nur für die Taten belangt werden, die der Haftbefehl auch umfasst. Um den Vergewaltigungsvorwurf ging es bei seiner Auslieferung aus Portugal aber nicht. Vielmehr sollte er eine Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs verbüßen.

Die Rolle Italiens bei Auslieferung

Nach der Haftentlassung im Sommer 2018 setzte er sich allerdings nach Italien ab, wurde von dort mit neuem Haftbefehl ausgeliefert. Die Rechtsfrage: War Portugal als Auslieferungsland damit aus dem Spiel oder nicht? Nach dem erwarteten Vorentscheid des EuGh wird der Bundesgerichtshof über die Revision des Angeklagten entscheiden, der zurzeit in Kiel eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt.

Im Kleingarten auch nach Datenträgern gesucht

Zu den Mordermittlungen im Fall der Maddie macht die Staatsanwaltschaft weiterhin keine Angaben. Die Grabungen in einer Kleingartenanlage in Hannover hätten nicht auf einem aktuellen, konkreten Hinweis beruht, so Wolters. „Sie waren eher das Resultat routinemäßiger Ermittlungsarbeit.“ Alle Orte, an denen sich der Beschuldigte längere Zeit aufgehalten habe, seien auf etwaige Beweismittel überprüft worden. „Da bekannt war, dass der Beschuldigte schon Datenträger vergraben hatte, wurde auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen.“ Ob auf der Parzelle in Hannover etwas gefunden worden sei, „möchte ich derzeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht mitteilen“.

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