Technikakademie: Zahl der Studierenden stabiler

Braunschweig.  Erstmals seit Jahren gibt es mehr Zu- als Abgänge. Neue Angebote und Kooperationen sollen das weiter verbessern.

Lutz Barfels, stellvertretender Leiter der Technikakademie, mit Studienrätin Uschi Dietze.

Lutz Barfels, stellvertretender Leiter der Technikakademie, mit Studienrätin Uschi Dietze.

Foto: Katharina Lohse

Die Technikakademie der Stadt Braunschweig ist mit einem neuen Gast ins neue Schuljahr gestartet. Nachdem einige Räume bereits seit geraumer Zeit von den benachbarten Berufsbildenden Schulen V genutzt werden, nimmt nun auch die Gaußschule fünf Räume für seine Gymnasiasten in Anspruch. Im Gymnasium wurde es eng, in der Technikakademie blieben Räume ungenutzt, da über Jahre die Schülerzahlen stark zurückgegangen waren. Doch dieser Trend scheint sich nun zu wenden.

Lutz Barfels, stellvertretender Leiter der Technikakademie, in der Facharbeiter zu staatlich geprüften Technikern ausgebildet werden, sagt: „Der Tiefpunkt ist erreicht. Die aktuellen Neuzugänge übersteigen die Abgängerzahlen aus dem Juli.“ Dennoch sind die Schülerzahlen mit aktuell rund 260 auf niedrigem Niveau. 2009 hatten sich noch gut 750 Menschen auf den Weiterbildungsweg in der Technikakademie gemacht. Und diese Zahlen machen erfinderisch.

Denn zeitweise habe durchaus die Selbstständigkeit der Schule auf dem Spiel gestanden, sagt Barfels. „Aber wir sind eine starke Marke.“ Das Einzugsgebiet erstrecke sich von Uelzen bis Seesen und von Gardelegen bis kurz vor Hildesheim. „Dass die Schule eigenständig bleibt, ist gesichert.“ Und so ist auch die Stelle des Schulleiters neu ausgeschrieben worden, nachdem Norbert Heuke das Amt in diesem Jahr abgab.

Technikakademie könnte in neue Räume ziehen

Noch unklar ist, ob die Akademie in den Räumlichkeiten an der Kastanienallee bleibt. Im Schul- und im Verwaltungsausschuss ist bereits die Idee vorgestellt worden, die Technikakademie in den Räumen der Heinrich-Büssing-Schule an der Salzdahlumer Straße unterzubringen. Die Stadt prüfe das derzeit. Ein solcher Berufsbildungscampus könnte helfen, durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen Kosten zu sparen.

Der Umzug könne jedoch teuer werden, gibt Barfels zu bedenken. Die Akademie hat unter anderem sechs technische Labore. „Wir fühlen uns hier durchaus wohl“, sagt Barfels. „Aber wir sind offen für alles, was uns weiterbringt.“ Eine Kooperation mit der Heinrich-Büssing-Schule habe durchaus Charme. „Wir wollen stärker mit den Schulen kooperieren, damit die Schüler nach ihrer Ausbildung gleich wissen: Bei uns können sie ihren Techniker machen.“

Interessierte können sich noch bis zu den Herbstferien anmelden

Derzeit werden sieben Gruppen in Voll- und fünf in Teilzeit in den Richtungen Elektrotechnik, Maschinentechnik, Mechatronik und Industrie 4.0 unterrichtet. Studienrätin Uschi Dietze sagt: „Wir sind aber optimistisch und wollen neben den Teilzeit- wieder neun bis zehn Vollzeitklassen.“ Barfels macht darauf aufmerksam, dass noch Plätze frei und Anmeldungen bis zu den Herbstferien, die am 12. Oktober starten, möglich sind. Wegen zu geringer Anmeldezahlen kam eine Informatikklasse erneut nicht zustande. Mindestens 22 Schüler müssen sich dafür anmelden. „Seit 2017 ist die Nachfrage nach Informatik bei uns so eingebrochen, dass wir nie eine ganze Klasse zusammen bekommen haben“, sagt Barfels. Um den Interessierten dennoch ein Informatik-Angebot zu machen, entwickelte die Akademie die Klasse Industrie 4.0, die seit 2017 angewählt werden kann. „Da bieten wir ein Best-of unserer Fachbereiche an. Derzeit sind das Abendschulklassen.“

Und auch bei Informatik will die Akademie neue Wege gehen. Richtete sich das Angebot bei Einführung vor 16 Jahren noch an Fachkräfte jeder Richtung, will die Akademie jetzt den Kreis derjenigen ansprechen, die bereits eine Informatikgrundausbildung haben. Dietze: „Sie sind nach der Weiterbildung hier dann die Mittler zwischen denen, die eine Grundausbildung haben und den Informatikern, die von der Hochschule kommen.“ Diese neue Ausrichtung ist im Gespräch mit Informatikunternehmen entstanden, die sich zum Austausch mit der Technikakademie im Trafo-Hub getroffen hatten.

Und Rückenwind zur Steigerung der Attraktivität kommt auch von der Bundesregierung. „Spätestens in zwei Jahren können unsere Studierenden hier mit dem ‘Bachelor Professional’ abschließen“, sagt Barfels. Laut einer Novelle des Berufsbildungsgesetzes soll unter anderem damit die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium verdeutlicht werden.

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