Carsharing: Probefahrt mit dem E-Auto durch Braunschweig

Braunschweig.  „Sheepersharing“ bietet Car-Sharing mit einem Elektroauto an. Das Angebot ist neu in Braunschweig. Unsere Redaktion hat den Test gemacht.

BZ-Redakteurin Katja Dartsch öffnet den Wagen per Code per App. Dann muss er noch von der Ladesäule abgekoppelt werden, bevor die Spritztour beginnen kann.

BZ-Redakteurin Katja Dartsch öffnet den Wagen per Code per App. Dann muss er noch von der Ladesäule abgekoppelt werden, bevor die Spritztour beginnen kann.

Foto: Stefan Lohmann

Das Interesse an Elektroautos ist groß. In einer Umfrage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben jüngst 11,3 Prozent der Befragten angegeben, den Kauf eines Elektroautos oder eines Plug-in-Hybriden zu planen. Und wer schon ein E-Auto bestellt hat, spürt anhand der monatelangen Auslieferungszeiten, wie groß die Nachfrage ist. Wie es sich mit Strom fährt, und ob so ein E-Auto zum eigenen Leben passt – das lässt sich in Braunschweig ganz gut testen, ohne dass man gleich in ein eigenes E-Fahrzeug investieren muss. BS Energy und BS-Carsharing bieten seit diesem Monat unter der Marke Sheepersharing gemeinsam Carsharing mit Elektroautos an, kurz: E-Sharing.

Das wollte ich mir mal näher anschauen und habe einen Termin in der Taubenstraße vereinbart, direkt vor der Zentrale von BS Energy. Dort steht die Ladesäule des ersten und bisher einzigen E-Autos von Sheepersharing. Buchen kann man es unter anderem über die Internet-Plattform Flinkster.

Erste Herausforderung: Das Ladekabel von der Tankstelle lösen

Wider Erwarten ist es kein Modell aus dem VW-Konzern, das mich an der Ladesäule erwartet – sondern ein Renault Zoe. Klein und wendig. Über das Ladekabel ist er noch mit der Steckdose verbunden. Per Code öffne ich den Wagen mit dem Handy. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Anleitung, die in einfachen Schritten erklärt, was zu tun ist. Immerhin bin ich noch nie ein Elektroauto gefahren – und habe auch noch nie eine E-Tankstelle bedient.

Die Anleitung verrät mir, wie ich die Sperre entriegele, um das Stromkabel von Auto und Ladesäule zu lösen. Erst bin ich etwas zu zaghaft, dabei ist das Handling ähnlich wie bei meinem privaten Erdgas-Fahrzeug. Geschafft! Ich rolle das Kabel zusammen und lege es in den Kofferraum.

Geräuschlos rollt der Wagen los - sphärische Klänge ertönen

Wer es wie ich gewohnt ist, ein älteres Auto zu fahren, liest sich am besten die Anleitung erstmal genau durch – im modernen Zoe sucht man nämlich vergebens nach einem Zündschloss. Der Wagen springt auf Knopfdruck an, man hört es kaum, doch man sieht es: Auf dem Display erscheint ein Sonnenaufgang in den schönsten Farben.

Es ist ein Automatikwagen, ich klemme also vorsichtshalber mein linkes Bein leicht zwischen Seitenverkleidung und Fahrersitz ein, um nicht versehentlich die Bremse durchzutreten bei dem Versuch, zu kuppeln. Alles eine Sache der Gewohnheit, denke ich.

Dann geht es los. Es irritiert mich ein wenig, dass der Motor nicht zu hören ist. Nahezu geräuschlos rollt der kleine Wagen los, dann aber ertönen plötzlich sphärische Klänge: Die Sounddesigner haben ganze Arbeit geleistet. Wenn man mit dem Wagen langsamer als Tempo 30 fährt, ist automatisch eine Melodie zu hören, die mich an eine Wellness-CD erinnert. Ein bisschen spacig, aber beruhigend.

BS Energy und BS-Carsharing bündeln ihre Stärken

Das Geräusch dient der Sicherheit, denn es ist auch außerhalb des Autos zu hören, und das ist gut so – denn Elektroautos sind so leise, dass sie von anderen Verkehrsteilnehmern schnell überhört werden. Das bekomme ich gleich zu Beginn der Testfahrt zu spüren: Eine Frau läuft diagonal über die Siegfriedstraße, den Blick aufs Handy gerichtet. Den Zoe nimmt sie gar nicht wahr. Ich bremse sacht, beschleunige dann wieder, als die Frau passiert hat. Der Wagen zieht sehr gut an, bleibt dabei superleise. Ich gleite dahin wie auf Schienen, muss aufpassen, dass ich nicht unwillkürlich zu schnell werde.

BS Energy und BS-Carsharing bündeln mit Sheepersharing ihre Stärken: Der Energieversorger stellt die Ladeinfrastruktur zur Verfügung, der Carsharing-Anbieter das Fahrzeug. Es ist ein Versuch. „Wir möchten auf diesem Weg E-Mobilität für weitere Bürgerinnen und Bürger nutzbar machen und damit umweltfreundliche Mobilität fördern“, sagt Volker Lang, Vorstandsmitglied bei BS Energy. Wolfgang Harms, Geschäftsführer BS-Carsharing, ergänzt: „E-Mobilität ist auch für uns ein zukunftsgerichtetes Thema.“ Mit insgesamt drei rein elektrisch angetriebenen Renault Zoe – zwei davon sind klassisch als Mietwagen bei der Mutterfirma Autovermietung Harms im Einsatz – entspreche man den Wünschen der Kunden „nach alternativer und klimafreundlicher Fortbewegung“, so Harms.

Wird das Angebot gut angenommen, soll es ausgebaut werden

Wenn das Angebot gut angenommen wird, können sich beide Partner gut vorstellen, die Kooperation auszuweiten – als weiterer Standort würde sich zum Beispiel das Östliche Ringgebiet anbieten, glauben sie. Die Parkplatznot dort ist groß, ein eigenes E-Fahrzeug kommt für die meisten Bewohner wegen fehlender Ladesäulen nicht in Betracht. Da bietet es sich an, den Zweitwagen durch Carsharing zu ersetzen – Parkplatz mit Ladesäule inklusive.

Ich rolle auf den Hof und beende meine Probefahrt mit einem Knopfdruck. Die sphärischen Klänge, die auf Dauer nerven können, verklingen. Noch schnell das Ladekabel an die Tanksäule gestöpselt, das klappt jetzt auf Anhieb – fertig. Ich steige um in meinen zwölf Jahre alten Kastenwagen und fahre zurück ins Homeoffice. Noch nie kam mir mein Wagen so laut vor.

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MEHR ÜBER SHEEPERSHARING

Was kostet E-Sharing? Es gibt drei Tarife: vom Einsteiger bis zum Vielfahrer. Die Kosten sind abhängig davon, wie lange man den Wagen zu welcher Tageszeit bucht und wie viele Kilometer man zurücklegt. Beispiel: Als Einsteiger zahlt man 2,49 Euro pro Stunde, hinzu kommen 0,29 Euro pro Kilometer. Preistabelle unter www.sheepersharing.com

Buchen kann man das E-Auto von Sheepersharing über die Internet-Plattform Flinkster, telefonisch oder persönlich in der Harms-Zentrale an der Hamburger Straße.

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