In Braunschweigs Pflegeheimen sind Besuche wieder möglich

Braunschweig.  Das Präventionsteam des Gesundheitsamtes hat die Hygienekonzepte geprüft. Bewohner und Angehörige dürfen sich nun wieder etwas näher kommen.

Andreas Ahrens vom Präventionsteam des Gesundheitsamtes (links) hat gestern mit seinen Kollegen die Besucherlösung im St.-Elisabeth-Heim geprüft. Heimleiter Jan Engelhardt und Pflegedienstleiterin Katrin Ebeling haben hier beispielhaft mit ihm Platz genommen.

Andreas Ahrens vom Präventionsteam des Gesundheitsamtes (links) hat gestern mit seinen Kollegen die Besucherlösung im St.-Elisabeth-Heim geprüft. Heimleiter Jan Engelhardt und Pflegedienstleiterin Katrin Ebeling haben hier beispielhaft mit ihm Platz genommen.

Foto: Cornelia Steiner

Unterm Besucherpavillon des St.-Elisabeth-Heims kann man es sich gemütlich machen – wenn nicht gerade die Eisheiligen gefühlte Minusgrade in die Stadt pusten. Aber in Kürze ist damit ja Schluss, und dann hält man’s im Freien unterm Pavillondach auch wieder gut aus. Gedacht ist dieser besondere Sitzplatz für Besuche der besonderen Art. Denn wochenlang galt in Pflegeheimen ein strenges Besuchsverbot. Und grundsätzlich ist das immer noch so, doch inzwischen sind kleine Lockerungen möglich.

Fast alle der 35 Alten- und Pflegeheime sowie die Wohnheime der Behindertenhilfe und Pflege-Wohngemeinschaften haben bei der Stadt entsprechende Hygienekonzepte eingereicht. Darin legen sie dar, wie sie Kontakte zwischen Bewohnern und Angehörigen ermöglichen können.

Entscheidend dabei: Der Infektionsschutz steht an oberster Stelle. Deswegen wird es auch jetzt weder Umarmungen noch gemeinsame Kaffeestunden oder Spaziergänge geben können.

Andreas Ahrens, Infektionsexperte des Gesundheitsamtes, hat mit seinem Team bereits die meisten Konzepte gesichtet und bewertet. Ein Großteil konnte ihm zufolge direkt genehmigt werden, bei wenigen müsse noch nachgebessert werden. Bis Freitag sollen alle Konzepte bewertet sein.

Für die Besuche in Braunschweigs Heimen gelten strenge Regeln

Was im Einzelnen möglich ist, zeigt das Beispiel des St.-Elisabeth-Heims mit fast 60 Bewohnern, nah am Inselwall gelegen. Dort war das Präventionsteam rund um Ahrens am Donnerstag angemeldet. Heimleiter Jan Engelhardt, zugleich Geschäftsführer der Seniorenzentrum Braunschweig GmbH, erläuterte die Besuchsregelung: Im Hof des Heims stehen jetzt zwei voneinander abgetrennte Pavillons, jeweils mit zwei Sitzplätzen. Dort können Angehörige Platz nehmen. Die Bewohner wiederum sitzen „auf der anderen Seite“ am offenen Fenster im Speisesaal des Gebäudes. „Auf diese Weise ist ein Abstand von mehr als zwei Metern gewährleistet“, sagt Engelhardt.

Es gibt klare Regeln: So besteht zum Beispiel Maskenpflicht. Alle Kontaktflächen werden vor und nach jedem Besuch desinfiziert. Außerdem müssen sich die Angehörigen anmelden – spontane Besuche sind zunächst nicht möglich. Es sollte sich auch nur um die engsten Angehörigen handeln. Die Besuche sollen nicht mehr als 15 bis 20 Minuten dauern. Speisen, Getränke und andere Geschenke sind in dieser Zeit tabu. Und fürs Erste sollen die Besucher mindestens 14 Jahre alt sein. Ab diesem Alter könne man voraussetzen, dass die Hygieneregeln eingehalten werden, sagt Engelhardt. „Wir warten jetzt ab, wie die Nachfrage ist und wie es läuft. Gegebenenfalls sind dann auch Änderungen möglich.“

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Ganz wichtig ist die Dokumentation: Alle Besucher müssen mit Namen, Anschrift und Telefonnummer erfasst werden. „Wenn es zu einem Ausbruch kommt, müssen wir sofort die Kontakte nachvollziehen können“, sagt Infektionsexperte Andreas Ahrens. Außerdem dürfen Besucher ohnehin nur dann kommen, wenn sie keinerlei Erkältungssymptome haben und wenn sie in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt zu Corona-Infizierten hatten.

Heimbewohner wollten wegen des Risikos gar keine Besuche

Was Engelhardt freut: Die Besuche seien jetzt so organisiert, dass kein Personal dabei sein müsse. „Wir wollen ja keine Kontrolle ausüben, sondern die Menschen sollen sich frei und ungestört unterhalten können“, sagt er. „Wir haben Vertrauen in die Angehörigen. Alle haben ein Interesse daran, dass sich niemand ansteckt.“

Ihm zufolge war es bislang so, dass die Bewohner von sich aus gar keine Besuche wollten, auch wenn das schmerzhaft war. Auch Pflegedienstleiterin Katrin Ebeling bestätigt: „Keiner will, dass hier etwas eingeschleppt wird. Und die Angehörigen sind sehr verständnisvoll.“ Bisher habe man schon einiges ermöglicht, etwa „Balkongespräche“ zwischen Bewohnern und Angehörigen. Die jetzt gefundene Lösung biete noch mehr Nähe und sei risikoarm, wenn sich alle an die Regeln halten.

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„Unsere Mitarbeiter haben in den vergangenen Wochen viel kompensiert“, sagt Ebeling. „Es gab jede Menge Einzelbeschäftigung oder beispielsweise Fingergymnastik mit Kleinstgruppen.“ Dabei sei vor allem der soziale Dienst gefragt, aber auch die Pflegekräfte nähmen sich Zeit für Extra-Gespräche oder Spiele. Insgesamt sei die Stimmung im Haus trotz Corona gut – auch bei den Bewohnern mit Demenz. „Alle sind noch enger zusammengerückt.“ Und zum Glück habe man noch keinen Corona-Fall gehabt, sagt Jan Engelhardt. „Aber es gibt keine Garantie, dass das so bleibt – und dann sieht plötzlich alles ganz anders aus.“ Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt in dieser Krisenzeit: Man erhalte wichtige Detailhinweise für den Arbeitsalltag.

Experten von Klinikum und Feuerwehr gehören zum Präventionsteam

Zum Präventionsteam um Andreas Ahrens gehört zum Beispiel auch Joanna Schalich, die eigentlich am Städtischen Klinikum für Hygiene zuständig ist. Momentan berät sie die Heime insbesondere in der Frage, wie man die Schutzkleidung so an- und ablegt, dass eine Infektion wirklich vermieden wird. Denn gerade dabei könne man einiges falsch machen, sagt sie. Auch die Feuerwehr ist Teil des Präventionsteams: Franz Dahlke kennt die Brandschutz- und Gebäudepläne der Einrichtungen. Er gibt zum Beispiel Hinweise, wo im Falle einer Infektion im Heim am besten ein Quarantänebereich eingerichtet werden kann.

„Wir profitieren sehr davon, dass hier verschiedene Professionen zusammenarbeiten“, sagt Heimleiter Engelhardt. „Und wir sind froh, dass wir unseren Bewohnern und Angehörigen jetzt unter diesen besonderen Umständen eine gute Lösung anbieten können.“

Also auf zum Pavillon-Besuch: mit Anmeldung, Abstand, Maske und blitzeblanken Händen.

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