In Braunschweigs Bussen und Bahnen ist zurzeit viel Platz

Braunschweig.  Die Verkehrs-GmbH macht Verluste, doch die Fahrgäste fühlen sich so corona-sicherer.

Blick in ein fast leeres Straßenbahn-Abteil der Linie 1 am Morgen, wenn zu normalen Zeiten richtig viele Menschen unterwegs sind. Die Fahrgäste halten betont Abstand.

Blick in ein fast leeres Straßenbahn-Abteil der Linie 1 am Morgen, wenn zu normalen Zeiten richtig viele Menschen unterwegs sind. Die Fahrgäste halten betont Abstand.

Foto: Norbert Jonscher

Die ältere Frau zieht ihre Hygiene-Handschuhe aus der Handtasche und streift sie sorgfältig über, als sie in die Linie 1 einsteigt. Andere Fahrgäste lugen hinter dicken Mundschutzmasken herüber. Es sind nicht viele an diesem Donnerstagmorgen. Die sonst so vitale Linie – sie verkehrt im Viertelstundentakt von Stöckheim nach Wenden – ist nur spärlich besetzt.

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Es ist kurz nach 7 Uhr. Rushhour für gewöhnlich – alles will zur Arbeit, in die Schule. In Corona-Zeiten ist das anders. Viele Fahrgäste bleiben daheim. Sie arbeiten in ihrem Homeoffice, hüten die Kinder – und halten sich strikt an die von der Stadt vor Tagen verfügte Abstands- und Kontaktsperre. Und bleiben daheim.

Leere Haltestellen

Gespenstisch leer: viele Haltestellen. „Normalerweise haben wir an solchen Tagen bis zu 115.000 Fahrgäste. Diese Zahl erreichen wir derzeit nicht annähernd“, berichtet Christopher Graffam, Sprecher der Braunschweiger Verkehrs-GmbH. Genaue Zahlen könne er nicht nennen. Da habe man noch keinen Überblick.

Klar ist: Die BSVG fährt in diesen Wochen Tag für Tag hohe Einnahmeverluste ein – und kommt auf kurz oder lang um das Thema Kurzarbeit nicht herum. Denn: Busse und Bahnen fahren viel warme Luft durch die Gegend und deutlich weniger Menschen als in Vor-Corona-Zeiten. Die, die fahren, profitieren davon. Keine vollen Straßenbahnen mehr, in denen Fahrgäste Schulter an Schulter stehen und jedes kleine Nieserchen unweigerlich seine Runde macht. Wir schauen uns um. Abgesehen vom hinlänglich bekannten Einstiegsverhalten, bei dem alle zugleich in Bus oder Bahn drängen, um den besten Platz zu ergattern, halten die Fahrgäste heutzutage betont Abstand. Sie überspringen wenn möglich gleich großzügig eine ganze Sitzreihe oder gehen durch ins nächste Abteil.

Vor einigen Tagen hatte es noch Kritik gegeben: Fahrgäste empörten sich darüber, dass es durch den Sonderfahrplan mit deutlich weniger Fahrten zu Ballungen in einigen Bussen und Bahnen komme. Ein Abstand von 1,50 Meter sei illusorisch. Seit Mittwoch sind daher auf einzelnen Strecken zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz.

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Fahrer desinfizieren

Die Fahrer der Verkehrs-GmbH haben ein Auge auf das Fahrgastaufkommen. Graffam: „Sie melden, wenn es zu voll wird. Dann schicken wir was zusätzlich raus.“ Die Fahrer seien zudem angehalten, an den Endhaltestellen all jene Stellen zu desinfizieren, die in Bus oder Bahn besonders oft angelangt werden. Auf der anderen Seite verhielten sich die allermeisten Fahrgäste derzeit toll. „Sie wissen, dass sie ihre Fahrscheine nicht mehr beim Fahrer vorne kriegen, sondern im Vorverkauf: an den Ticketautomaten oder den Vorverkaufsstellen.“

Und das tun die Fahrgäste auch, wenn man sich umschaut. Der Fahrschein-Entwerter klickt – obwohl weit und breit kein Kontrolleur in Sicht ist. Die Kontrolle ist so eine Sache. Die Verkehrs-GmbH muss die eigenen Mitarbeiter schützen, kann ihnen nicht zumuten, den Fahrgästen näher zu kommen, als die Polizei erlaubt. Deshalb schränke man derzeit die Kontrollen etwas ein, heißt es. Den Fahrern schlage eine Welle der Sympathie entgegen. Oft höre man Sätze wie: „Es ist schön, dass ihr für uns da seid.“ Die Fahrer der Verkehrs-GmbH – kleine Helden des Alltags.

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