Braunschweigs Bürger bereiten Fahrrad-Entscheid vor

Braunschweig.  In Februar wird der Sieben-Punkte-Plan zur Prüfung eingereicht. Der VCD will die Radunfällen binnen fünf Jahren halbieren.

Braunschweigs Radfahrer wollen mehr Platz. Mit einem grünen Teppich auf der  Hagenbrücke demonstrierte die Fahrradstadt-Initiative im vergangenen Jahr für ihre Forderung.

Braunschweigs Radfahrer wollen mehr Platz. Mit einem grünen Teppich auf der Hagenbrücke demonstrierte die Fahrradstadt-Initiative im vergangenen Jahr für ihre Forderung.

Foto: Norbert Jonscher

Der Politik ist es nicht gelungen, Braunschweigs Fahrrad-Freunde davon zu überzeugen, dass der Radverkehr im Stadtgebiet viel stärker als bislang gefördert wird. Hans-Jürgen Voß, Vorstand beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Braunschweig, kündigte nun an: Bereits im Februar startet das Bürgerbegehren, damit Braunschweig zur Fahrradstadt wird.

Der VCD gehört zu den vielen Vereinen und Verbänden der Stadt, die in der Initiative Fahrradstadt Braunschweig organisiert sind. Ihr Ziel: Im Februar wird ein Sieben-Punkte-Plan der Verwaltung vorgelegt. Aufgabe der Verwaltung wird sein zu prüfen: Ist dieser Sieben-Punkte-Plan formal geeignet, die Braunschweiger per Bürgerentscheid über ihn abstimmen zu lassen?

Doch eine Abstimmung ist noch Zukunftsmusik. Zuvor müssen rund 10.000 Unterschriften von Braunschweigern gesammelt werden, die die Meinung der Fahrrad-Initiative teilen und für eine Abstimmung über den Sieben-Punkte-Plan sind. Voß sagt: „Im Grunde sind wir spät dran. Die Vorbereitung des Bürgerentscheids dauert bereits sehr lange. Doch die Abstimmung untereinander benötigt seine Zeit.“

Der VCD hat in Braunschweig 297 Mitglieder und gehört nicht zu den ausgesprochenen Fahrrad-Lobbyisten. Voß sagt: „Eigentlich verstehen wir uns als Alternative zum Autofahrer-Verein ADAC. Wobei bei uns die Besonderheit darin besteht, dass wir Mobilität als Ganzes betrachten. Also auch den Rad- und Fußgängerverkehr, den ÖPNV und die Eisenbahn. Weil in Braunschweig in der Vergangenheit jedoch mehr als genug für das Auto und die Autofahrer getan wurde, rückt jetzt die Förderung des Radverkehrs in den Mittelpunkt.“ Das heißt: „Natürlich werden wir an den Fahrrad-Abstellanlagen Braunschweigs stehen und Unterschriften für den Bürgerentscheid sammeln.“

Was nicht hieße, dass sich in Braunschweig nichts bewege. Voß ist SPD-Bezirksrat aus Rautheim, Mitglied der Radverkehrskommission und arbeitet auch am Fahrrad-Mobilitätskonzept für Braunschweig mit, zu der die Stadtverwaltung einlädt. Warum dann der Bürgerentscheid? Voss erklärt das so: „Der VCD hat das Ziel, dass sich bis zum Jahr 2025 die Zahl der Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung halbiert. Das ist ein höchst anspruchsvolles Ziel, weil in Braunschweig die Zahl der Radfahrer weiter steigen wird.“

Das Problem sei, so Voß: „ Das Mobilitätskonzept der Stadtverwaltung soll im Jahr 2022 fertig sein. Bevor es an die Umsetzung geht, haben wir das Jahr 2024. Das heißt: Bis zum Jahr 2024 müssten es sich Braunschweigs Radfahrer gefallen lassen, dass die Unfallzahlen nicht etwa fallen, sondern wahrscheinlich steigen.“ Für den VCD hieße das: „Der Bürgerentscheid sorgt dafür, dass sich für Radfahrer schneller die Sicherheit erhöht.“

Beruflich ist Voß Experte für Qualitätssicherung. Besonders am Herzen liegt ihm darum der Teil des Bürgerentscheids, in dem es um Sicherheit geht. Gefordert wird: Alle Radverkehrsunfälle werden von der Stadtverwaltung laufend detailliert untersucht. Soweit die Verkehrsführung oder Beschilderung den Unfall erzeugt oder begünstigt haben, wird die Gefahrenstelle spätestens im folgenden Jahr beseitigt. Wobei Voß der Auffassung ist: „Will man die Unfallzahlen tatsächlich deutlich senken, müssen Autos Tempo 30 fahren. Jeder Autofahrer, der schon einmal in eine brenzlige Situation geraten ist, der weiß das. Tempo 30 nicht wie bisher auf vielen kurzen Strecken, sondern großflächig.“

Wann sich die Stadtverwaltung ein Urteil über den Sieben-Punkte-Plan gebildet hat und wann das Sammeln der Unterschriften beginnt, vermag Voß nicht zu sagen. „Auf jeden Fall werden wir den ganzen Sommer über Zeit haben, Unterschriften zu sammeln. Bei Messen, am Ringgleis, an den Fahrrad-Abstellanlagen, während der ADFC-Radtour. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir die nötige Zahl von Unterschriften erhalten.“

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