TU Braunschweig forscht: Was macht ein gutes E-Bike aus?

Braunschweig.  Wissenschaftler und Industrie suchen nach Möglichkeiten, die Nachhaltigkeit von Fahrzeug und Akku zu erhöhen.

Die TU-Wissenschaftler David Inkermann (links), Tobias Huth und Anja Cudok erforschen, wie sich die Nachhaltigkeit von E-Bikes und Lasten-E-Bikes erhöhen lässt.

Die TU-Wissenschaftler David Inkermann (links), Tobias Huth und Anja Cudok erforschen, wie sich die Nachhaltigkeit von E-Bikes und Lasten-E-Bikes erhöhen lässt.

Foto: STACHURA

E-Bikes gelten vielen als Weisheit letzter Schluss, wenn es um umweltfreundliche Mobilität geht. Doch stimmt das überhaupt? Experten sagen: Nein! TU-Wissenschaftler haben nun 2,5 Millionen Euro Forschungsgelder erhalten, um E-Bikes und besonders Elektro-Lastenräder ein gutes Stück besser als heute zu machen.

Sechs Wochen alt ist das Forschungsprojekt erst. Darum gibt es momentan auch noch viele offene Fragen und kaum Antworten. Doch bereits die Fragen haben es in sich. Dr. David Inkermann vom Institut für Konstruktionstechnik umreißt ein Spannungsfeld: „Wenn ein E-Bike ausgedient hat, kann man es nicht einfach in den Sperrmüll geben. E-Bikes unterliegen rechtlich der Elektro-Altgeräte-Verordnung. Wie eine Waschmaschine. Es muss eine fachgerechte Entsorgung erfolgen, und die Hersteller müssen eigentlich ihre E-Bikes kostenlos zurücknehmen und auch eine Rückführquote erfüllen.“

Ähnlich verhalte es sich mit dem Akku. „Der Akku bestimmt, wie viel Spaß man mit einem E-Bike hat. Doch der Akku ist ein Verschleißteil. Mit der Zeit lässt seine Kapazität nach“, sagt Anja Cudok. Der reinen rechtlichen Lehre nach, muss der Fahrradhändler den Akku zurücknehmen und zurück an den Hersteller schicken. „Doch es gibt genaue Vorschriften dafür, wie Akkus sicher gelagert und transportiert werden müssen.“

Wie die momentane Praxis aussehe, wisse niemand so genau. Inkermann erzählt: „Zu unserem Forschungsverbund zählt auch ein großes Unternehmen der Recycling-Wirtschaft. Die Experten dort sagen: Sie hätten noch nie ein E-Bike zum Recycling erhalten.“

Wo Alt-E-Bikes und ihre Akkus bislang gelandet sind, dieser Frage gehen die Wissenschaftler nicht nach. Stattdessen schauen sie nach vorn. Cudok sagt: „Allein im vergangenen Jahr sind bundesweit fast eine Million E-Bikes verkauft worden. Der Boom bei Elektro-Lastenrädern steht uns noch bevor. Das Bundesumweltamt erwartet, dass sich die gewerbliche Auslieferung ändern wird: Knapp ein Viertel aller Fahrten werden per Elektro-Lastenrad erfolgen.“

In vielleicht drei Jahren, so Cudok, wird es um Massen von E-Bikes und ihre Akkus gehen. „Doch mit E-Bikes soll es nicht so enden wie mit Notebooks und Handys, die massenhaft nicht mehr genutzt werden, obwohl sie noch technisch in Ordnung sind.“ Die Wissenschaftler wollen die Kluft angehen, die zwischen Nutzungsdauer und der deutlich höheren physischen Lebensdauer liegt.

Das heißt am Beispiel Akku: Lässt sich eine ehemalige Akku-Einheit aus dem E-Auto noch im E-Bike verwenden und anschließend als Energiespeicher in einer Solar- oder Windkraft-Anlage? Wertvolle Ressourcen könnten so geschont werden. Wissenschaftler aus Clausthal wollen hingegen für eine Optimierung der Software von E-Bikes sorgen. Inkermann: „Es kann vorteilhafter sein, eine Steigung zu umfahren. Auch eine intelligente Ladestrategie schont den Akku und verlängert seine Lebensdauer.“

Und dann gibt es natürlich noch den Fragenkomplex zur Konstruktion des E-Bikes selbst: Wurde bei der Entwicklung darauf geachtet, dass ein Recycling problemlos möglich ist? Oder stand allein eine möglichst kostengünstige Fertigung im Mittelpunkt? Worauf ist überhaupt zu achten? Das berührt auch die Reparaturfreundlichkeit.

Leasing-Firmen wollen hingegen wissen, wie ihre Geschäftsmodelle optimiert werden könnten: Wenn E-Bikes und -Lastenräder geleast werden, ein großer künftiger Markt wird erwartet, was ist ein Leihrad nach Ende des Leasingvertrags noch Wert? Was muss erneuert werden, zu welchen Kosten?

Drei Jahre der Forschung liegen noch vor den Wissenschaftlern und ihren Partnern aus der Industrie. Dass die Forschung ohne Widerhall bleibt, sei ausgeschlossen, sagt Cudok: „Die Forschungsgruppe wird von drei E-Bike-Herstellern begleitet. Auch dort will man natürlich wissen, wie E-Bikes besser und nachhaltiger werden.“

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