Braunschweiger Verein feiert Jubiläum voller Sorgen

Braunschweig.  Der Kleingartenverein Sonnenschein in Braunschweig besteht seit 100 Jahren. Die 109 Gartenpächter sind in Sorge um die Zukunft.

Der Vorstand des Kleingartenvereins Sonnenschein mit (von links) Schriftführer Joachim Stächele, Pressewartin Ute Brunetti-Protze, dem Vorsitzenden Henry Protze, dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Werthmann, Kassierer Manfred Austinat sowie rechts Ehrenmitglied Kurt-Peter Lange.

Der Vorstand des Kleingartenvereins Sonnenschein mit (von links) Schriftführer Joachim Stächele, Pressewartin Ute Brunetti-Protze, dem Vorsitzenden Henry Protze, dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Werthmann, Kassierer Manfred Austinat sowie rechts Ehrenmitglied Kurt-Peter Lange.

Foto: Karsten Mentasti

Die Sonne schien, als auf dem Gelände des Kleingartenvereins (KGV) Sonnenschein, gelegen zwischen Schefflerstraße im Bebelhof und Autobahn 39, am vergangenen Sonntag das 100-jährige Bestehen gefeiert wurde. „Das ist ja auch das Mindeste, bei diesem Vereinsnamen!“, scherzte Vorsitzender Henry Protze, der das Amt erst im Februar von Kurt-Peter Lange übernommen hatte, der nun Ehrenmitglied ist.

Zu Scherzen und Witzen ist dem Vorstand des Vereins, den 109 Gartenpächtern und auch den 25 Fördermitgliedern derzeit aber kaum zumute, schon gar nicht, wenn sie an die nähere Zukunft ihres Traditionsvereins denken. Denn ein Drittel der Kleingärten könnte einer Zubringerstraße zur geplanten Bahnstadt und einer möglichen Vorhaltefläche zum Ausbau der Autobahn zum Opfer fallen, das wissen die Kleingärtner seit gut einem Jahr. „Aber nähere Informationen aus dem Rathaus erhalten wir nicht“, klagt Vorsitzender Protze. Womöglich, weil noch keine detaillierten Aussagen möglich sind. Dennoch war die Zukunft des Vereins ein viel diskutiertes Thema während der 100-Jahr-Feier mit Live-Musik der Band Texas-Roads, Tombola, Grillen, Papier schöpfen sowie Basteln und Ponyreiten für Kinder.

Kein Wunder, „im schlimmsten Fall sind knapp ein Drittel der Gärten betroffen und müssen weg“, berichtet der Klubvorsitzende, dessen Parzelle ebenfalls betroffen wäre. Auch der Anbau des nach dem zweiten Weltkrieg neu aufgebauten Vereinsheims stände einer neuen Straße im Weg, darin sind die Toiletten und die Heizungsanlage untergebracht.

Der KGV Sonnenschein, der aufgrund seiner Lage bei der Gründung nach dem ersten Weltkrieg „Gartenverein Großer Exerzierplatz“ hieß und direkt nach dem zweiten Weltkrieg umbenannt wurde, musste schon mehrmals Gartengelände abtreten, um Bauvorhaben zu ermöglichen. „Unsere Gärten reichten südlich bis ans Klinikum heran“, erklärte Kurt-Peter Lange, der bis zum vergangenen Winter 15 Jahre lang den Vorstand leitete. Bis zu 260 Parzellen gehörten einst zum Verein.

Erstmals musste der KGV dann für den Bau der Berufsschule an der Salzdahlumer Straße Land abgeben, das zweite Mal wegen des Lückenschlusses der Autobahn 39 bis zum Kreuz Wolfsburg-Königslutter. 165 Gärten hat der KGV Sonnenschein aufgrund von Baumaßnahmen schon eingebüßt, nur einmal, 1988, erhielt er ein Stück Land dazu und konnte fortan einige Parzellen neu vergeben.

Kritik an der Verkleinerung der „grünen Inseln, die wichtig fürs Stadtklima sind“ äußerte während der Jubiläumsfeier auch Manfred Weiß, Vorsitzender des Landesverbandes der Gartenfreunde. „Es darf nicht heißen: Kleingärten oder Wohngebiete, sondern: Kleingärten und (!) Wohngebiete.“ Bezirksbürgermeister Uwe Flake appellierte an die Stadtverwaltung, das Gelände des Vereins Sonnenschein, dessen „dienstälteste“ Pächterin ihren Garten seit 76 Jahren beackert, „nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen“.

Trotz aller Sorgen insbesondere der betroffenen Parzellenpächter kamen bei einer Benefizaktion mit dem Gartenfreund und Friseur Hidir Sen am Sonntag 389,40 Euro zusammen, die vom Verein aufgerundet werden und je zur Hälfte für die Deutsche Kinderkrebsstiftung und das Hospiz Am Hohen Tore bestimmt sind.

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