Braunschweigs OB Markurth schlägt Borek als Ehrenbürger vor

Braunschweig.  Der Rat muss darüber abstimmen. Borek gilt als einer der profiliertesten Förderer der Stadt. Doch er löst auch Kontroversen aus.

Richard Borek soll auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Ehrenbürger Braunschweigs werden.

Richard Borek soll auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Ehrenbürger Braunschweigs werden.

Foto: n.n.

Der Unternehmer, Münz- und Briefmarkenhändler Richard Borek (75) soll nach gesicherten Informationen unserer Zeitung Ehrenbürger der Stadt Braunschweig werden. Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) wird dies am heutigen Mittwochvormittag vorschlagen. Entscheiden muss darüber der Rat der Stadt, der über die Ehrenbürgerschaft Boreks abstimmen wird. Ein Sprecher der Stadt bestätigte diese Informationen gestern nicht, verwies auf ein geplantes Pressegespräch.

Richard Borek wäre neben dem früheren Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und dem früheren Oberbürgermeister und Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski der dritte lebende Ehrenbürger der Stadt. Bereits verstorben sind Persönlichkeiten wie u.a. Mathematiker Carl Friedrich Gauß, Schriftsteller Wilhelm Raabe, Fahrzeug-Pionier Heinrich Büssing und die frühere Oberbürgermeisterin Martha Fuchs.

Richard Borek Stiftung an zahlreichen Projekten in Braunschweig beteiligt

Richard Borek und die Richard Borek Stiftung, die der Unternehmer gemeinsam mit seiner Frau Erika führt, sind an zahlreichen Projekten zur Förderung der Belange der Stadt Braunschweig, der Kultur- und Musikszene sowie der Denkmalpflege beteiligt.

Die Stiftung erinnert im Namen an den Unternehmensgründer Richard Borek (1874 bis 1947). Heute fördert sie laut Satzung die Themen Kunst, Kultur, Kirchen, Wissenschaft, öffentliche Gesundheitspflege, Jugendpflege und Jugendfürsorge, Erziehung und Berufsbildung, Heimat- und Landschaftspflege sowie den Umweltschutz. Sie ist in der Schulsozialarbeit aktiv und für das Hospiz am Hohen Tore.

Boreks Projekte sind nich unumstritten

Richard Borek betrieb unter anderem die Wiedererrichtung des Braunschweiger Residenzschlosses, sorgte für den Nachguss und die Aufstellung der Quadriga, ließ Jürgen Webers Christentumssäule am Ruhfäutchenplatz aufstellen, entwickelte das Quartier St. Leonhard.

Seine Projekte sind nicht unumstritten, es gibt Kritik am Einfluss, den der Kaufmann auf die Kommunalpolitik und die Stadtverwaltung nimmt. Kritiker ruft auch ein Vertrag mit der Stadt Braunschweig auf den Plan, nach dem Innenstadt-Planungen gemeinsam entwickelt und finanziert werden.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth wird die Begründung des Vorschlags der Ehrenbürgerwürde Mittwoch liefern.

„Sie verbinden Menschen und Institutionen zum Wohle der Stadt Braunschweig“

Als die Richard Borek Stiftung 2016 das 35-jährige Bestehen selbstredend im Schloss und auf der Quadriga-Plattform feierte, sagte Lars Pallinger von der Stiftung Berufsförderungswerk Goslar einen Satz, der auch heute noch Gültigkeit hat: „Sie verbinden Menschen und Institutionen zum Wohle der Stadt Braunschweig und sind Akteur und Gestalter des Braunschweiger Gemeinwesens.“

Markurths Vorschlag könnte für Diskussionen sorgen

Das dürfte in etwa die Begründung sein, mit der Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) am heutigen Vormittag im Rathaus Richard Borek als weiteren Ehrenbürger der Stadt Braunschweig vorschlagen wird. Der 75-jährige Unternehmer Borek gilt als einer der profiliertesten Förderer der Stadt, es gibt kaum einen anderen, der auf so vielen verschiedenen Ebenen in Kunst, Kultur, Musik, Museen, Sozialbereich, Denkmalpflege und Stadtplanung so viel tut und so umtriebig unterwegs ist.

Es gibt freilich auch kaum einen anderen, der daraus so großen Einfluss ableitet, beansprucht und bezieht. Und so gehört an diesem Tag keine allzu große Prophetie zu der Annahme, dass Markurths Vorschlag nunmehr verzögerungslos heftige Diskussionen auslösen wird.

Unternehmer verficht seine Ziele

Kontroversen ist Richard Borek gewohnt, er weicht ihnen nicht aus. Mitunter hat es den Anschein, dass er sie auch sucht, aber das täuscht, denn der Familien-Unternehmer der Druck-, Präge- und Sammlerbranche verficht lediglich kompromisslos seine Hauptziele für Braunschweig: Möge diese großartige Stadt an ihre Wurzeln und Möglichkeiten historischer Größe anknüpfen, möge sie sichtbar und in Immota fides – unerschütterlich treu – zum Erbe ihrer Herzöge und Baumeister stehen. Nec aspera terrent, so steht es auf dem herzoglichen Staatswappen: Widrigkeiten schrecken uns nicht. Auch für Richard Borek durchaus ein Wahlspruch.

Glücklichste Momente hatte er, als die Schlossarkaden errichtet waren, jene geniale Konstruktion, die die Wiedererrichtung des 1960 abgerissenen Braunschweiger Residenzschlosses ermöglichte. Eine Fassade mit etlichen Originalteilen am authentischen Ort. Gekrönt von einer monumentalen Quadriga mit der Landesgöttin Brunonia, für deren Nachguss und Aufstellung Richard Borek höchstpersönlich sorgte. So etwas hätte jede Stadt gern. Braunschweig hat es.

Das Schloss ist letztlich auch Familiengeschichte, denn sein Vater Richard (1911 - 1993) war es, der in einer historischen Rede flammend gegen den Abriss der Ruine gewettert hatte. Man hätte sie damals nicht abreißen dürfen. Und so ist die Wiedererrichtung das Lebensthema Boreks gewesen.

Mittel, guter Zweck und Türöffner zugleich

Dass er ein solches Lebensziel 2007 an der Seite des damaligen Oberbürgermeisters Gert Hoffmann (CDU) erreichen konnte, ist in dieser Form und in dieser Weise einzigartig. Konsens gibt es in der Stadtgesellschaft freilich auch darüber mitnichten, höchstens fortwährende Polarisierung. Den Kunden der Schlossarkaden ist das einstweilen egal, sie sprechen vom Schloss und gehen von Anfang an in Massen rein.

Die Richard Borek Stiftung ist Mittel, guter Zweck und Türöffner zugleich. 1981 wurde sie ausdrücklich mit dem Ziel gegründet, „das Engagement der Familie Richard Borek für ihre Heimatstadt Braunschweig auf alle Zeiten festzuschreiben“, wie die Stiftung auf ihrer Internetseite selbst mitteilt. Hunderte von Projekten bekunden dies – von der Denkmalsanierung über die öffentliche Sicherheit und Ordnung und die Verwaltungseffizienz bis hin zum Hospiz. Auch Gründe für eine Ehrenbürgerschaft sind reichlich dabei.

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