Die evangelischen Landeskirchen wollen noch enger zusammenrücken

Braunschweig.  Die Kirchenparlamente aus Braunschweig und Hannover trafen sich erstmals zu einer gemeinsamen Tagung.

Die Bevollmächtigten der Konföderation: Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track (links) und Oberlandeskirchenrätin Andrea Radtke.

Die Bevollmächtigten der Konföderation: Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track (links) und Oberlandeskirchenrätin Andrea Radtke.

Foto: Agentur Hübner

Am Samstag kam es in der Brüdernkirche zu einem Ereignis, das der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns als eines „von historischem Rang“ bezeichnete: Erstmals haben die Kirchenparlamente (Synoden) der hannoverschen und der braunschweigischen Landeskirche gemeinsam getagt. Dies gilt als wichtiges Signal hin zu noch mehr Kooperation.

Bundesweit gibt es 20 evangelische Landeskirchen – 5 davon befinden sich in Niedersachsen. Vor einigen Jahren gab es auch hier Vorstöße zu einer stärkeren Bündelung von Aufgaben bis hin zur Fusion. Andernorts ist das vielfach schon geschehen, vor allem um Kosten zu sparen. Doch in Niedersachsen sind nach wie vor alle eigenständig unterwegs: Braunschweig (335.000 Mitglieder, Stand Ende 2017), Hannover (2,58 Millionen), Schaumburg-Lippe (51.000), Oldenburg (412.000) und die reformierte Kirche mit Sitz in Leer (173.000).

Zugleich arbeiten die Landeskirchen gut zusammen – insbesondere auf der Ebene der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Durch sie vertreten sie ihre Interessen gegenüber der Landesregierung, etwa in der Asylpolitik und beim Religionsunterricht.

Außerdem kooperieren die Landeskirchen bei gemeinsamen Aufgaben: Evangelische Erwachsenenbildung, Kirchlicher Dienst in Polizei und Zoll, Evangelischer Kirchenfunk und Verband Evangelischer Publizistik. Und es gibt noch mehr: etwa das gemeinsame Diakonische Werk der Landeskirchen Hannovers, Braunschweigs und Schaumburg-Lippes sowie der reformierten Kirche. Ebenso arbeiten die Kirchen (ohne die Reformierten) bei der Ausbildung der Pfarrer im Predigerseminar in Loccum zusammen.

Kurzum, da läuft schon viel. Und auch wenn die jetzige gemeinsame Synodentagung wohl nicht direkt auf eine bevorstehende Fusionsdebatte hindeutet, so soll sie doch zeigen: „Wir können uns eine noch engere Zusammenarbeit vorstellen!“ So formulierte es am Samstag Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, Bevollmächtigte der Konföderation. Auch Jörn Surborg und Rolf Bade, Mitglieder der hannoverschen Landessynode, wünschten sich mehr Austausch – man habe doch vielfach die gleichen Themen, etwa: Wie geht man mit der Vielzahl an sanierungsbedürftigen Gebäuden um?

Aus der Arbeit der Konföderation schilderten Kerstin Gäfgen-Track und ihre Kollegin Andrea Radtke, dass die Kirchen verstärkt als Gesprächspartner gesucht würden: Die Politik nutze den christlichen Glauben und seine Werte zunehmend zur Legitimierung ihres Handelns.

Gleichwohl sollte die Kirche den beiden Frauen zufolge noch mehr ihre gesellschaftliche Akzeptanz und ihre Kraft als starke Gemeinschaft in die Waagschale werfen – um gehört zu werden, und um Anwältin zu sein, etwa für die „Fridays for Future“-Bewegung. „Wir müssen dabei immer klarmachen: Es geht uns nicht nur um kirchliche Interessen, sondern es geht uns um den Menschen“, so Gäfgen-Track.

Wir können uns eine noch engere Zusammenarbeit vorstellen!
Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track,

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