Wenn der Gasmann an der Haustür klingelt

Braunschweig.  BS-Energy stellt die Gasversorgung um. Doch dabei gibt es auch verärgerte Kunden.

Eine junge Frau überprüft in einem Heizungskeller eine Heizungsanlage.

Eine junge Frau überprüft in einem Heizungskeller eine Heizungsanlage.

Foto: Erwin Wodicka / Gina Sanders - stock.adobe.com

BS-Energy gibt Gas. Das Unternehmen stellt derzeit in Braunschweig die Gasheizungen um. Grund: Die sogenannten L-Gas-Vorräte in den Niederlanden und Norddeutschland sind nahezu erschöpft, darum soll jetzt die Umstellung auf H-Gas aus Russland erfolgen. Das Problem nur: Die Gasgeräte müssen dafür umgebaut werden. Geschieht das nicht, gibt es keine optimale Verbrennung und es entsteht viel Kohlenmonoxid.

Zurzeit wird untersucht, welche Gasgeräte sich in Braunschweigs Haushalten befinden. Im zweiten Schritt werden die Gasgeräte kostenlos auf die neue Gassorte umgestellt.

Mehr als 20 Techniker sind unterwegs und suchen wöchentlich bis zu 1200 Gaskunden auf. Vorgesehen ist, dass die Phase der Erfassung im Frühjahr des Jahres 2019 abgeschlossen ist, heißt es. Die ersten Gasgeräte sollen bereits ab Januar 2019 umgestellt werden.

Etwa 52 000 Haushalte im Stadtgebiet nutzen Gas. Auch ein Leser, der sich an uns wandte. Doch was er mit Braunschweigs Versorger BS-Energy erlebte, hat ihn geärgert. Er berichtet: Seit einigen Wochen gehe BS-Energy durch alle Haushalte mit Gas-Heizung, um die Altgeräte für das neue Gas vorzubereiten. Nun habe er sowohl von einem Bezirksschornsteinfeger als auch von zwei Installateurbetrieben gehört, dass es zu Ärgernissen komme. „Und zu Kosten, die laut Anschreiben von BS-Energy gar nicht entstehen.“ Genauer: Die Kontrolleure vereinbarten pro Arbeitsgang bis zu vier Termine pro Mietshaus. „Sie reisen also zwei-, dreimal an.“ Das gelte sowohl für Arbeitsgang 1 (Erfassen des Gerätes) als auch für Arbeitsgang 2 (Stichprobenkontrolle der korrekten Erfassung). Die eigens eingerichtete Hotline könne nicht erklären, warum die Anfahrten nicht synchronisiert seien.

Zum zweiten: Es gebe Installationsbetriebe, die sich darüber beklagten, dass bereits Dutzende Gasheizungen seitens BS-Energy stillgelegt worden seien und durch die Installateure wieder in Betrieb genommen werden müssten. Und das zu einer Zeit, in denen die Betriebe nicht wüssten, wo ihnen der Kopf steht. „Aber am Ende freuen sie sich natürlich über diese zusätzliche Einnahmequelle.“

Besonders ärgerlich: Die Stilllegungen durch BS-Energy erfolgten teilweise trotz gerade erfolgter Kontrolle durch den Bezirksschornsteinfeger. „Fragt man beim Schornsteinfeger nach, hört man, dass BS-Energy und die Innung im Clinch liegen wegen dieser Vorgehensweise.“ Die Kosten des Wiederinbetriebnehmens der Heizungen trage mitnichten BS-Energy, sondern der Vermieter.

Und was sagt BS-Energy?

Das Unternehmen erklärt zum Thema Anfahrten: Die Braunschweiger Netz GmbH (BS Netz) gehe als Netzbetreiber auf die Bedürfnisse und Terminwünsche der Kunden ein. „Aus diesem Grund kann es zu mehrfachen Anfahrten je Haus kommen“, so Sprecherin Anke Bartkiewicz.

Und zur Stillegung von Heizungen stellt sie klar: „Bei unseren Erhebungen stellen wir auch Mängel an Gasanlagen fest, die aus Sicherheitsgründen eine Außerbetriebnahme auf Grundlage der gesetzlichen Anforderungen erfordern.“

Das stoße aber nicht auf Kritik und Unverständnis bei der Innung. „Es gibt einen regelmäßigen Austausch zwischen der Schornsteinfegerinnung Braunschweig, der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Braunschweig und der Braunschweiger Netz GmbH. Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten sind uns nicht bekannt.“

Was sagt die Innung?

Eine Darstellung, die Frank Dornemann, Obermeister der Braunschweiger Schornsteinfeger-Innung, bestätigt. Nein, es gebe keine Unstimmigkeiten. Ein Problem sei nur, dass es eben unterschiedliche Grenzwerte hinsichtlich des Kohlenmonoxidgehalts gebe. BS-Energy habe da als Netzbetreiber andere Werte als die Innung, für die die Kehr- und Überprüfungsverordnung gelte.

Und was ist mit den Kosten?

Zu den Kosten der Gasumstellung erklärt BS-Energy: Sie würden durch eine bundesweite Umlage auf alle Gasnutzer in Deutschland verteilt. „Falls bei der Erhebung Mängel festgestellt werden, hat die Beseitigung dieser Mängel verursachungsgemäß der Eigentümer der Anlage zu tragen.“

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