Thüga-Einstieg bei BS Energy ist besiegelt

Braunschweig.  Damit steigt der kommunale Einfluss beim Braunschweiger Energieversorger. Für Kunden soll das Angebot breiter werden, aber nicht teurer.

Das Kohle-Heizkraftwerk soll bis 2022 abgeschaltet werden.

Das Kohle-Heizkraftwerk soll bis 2022 abgeschaltet werden.

Foto: BS energy

Der Einstieg der Thüga AG bei BS Energy ist perfekt. Wie der Braunschweiger Energieversorger mitteilt, wurde die Anteilsübertragung jetzt unterzeichnet. Außerdem habe es keine Einwände seitens des Bundeskartellamtes und der Kommunalaufsicht gegeben. Thüga hält ab sofort 24,8 Prozent der Anteile.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in München hat bundesweit rund 100 Minderheitsbeteiligungen an Stadtwerken und ist das größte kommunal ausgerichtete Netzwerk von Energie- und Wasserdienstleistern in Deutschland. Weitere Anteilseigner von BS Energy sind wie bisher der französische Konzern Veolia und die Stadt Braunschweig. Veolia hat künftig nicht mehr 74,9 Prozent der Anteile, sondern nur noch 50,1 Prozent. Der Anteil der Stadt bleibt bei 25,1 Prozent.

Michael Riechel, der Vorstandsvorsitzende der Thüga AG, sagt zum Einstieg seines Unternehmens: „Wir wollen und werden mit allen Beteiligten die strategische Weiterentwicklung von BS Energy zu einem smarten, innovativen und nachhaltigen Dienstleister für Braunschweig fördern, damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort sichern und die Energiewende aktiv in der Region vorantreiben.“ Gleichzeitig werde BS Energy das Thüga-Netzwerk aus kommunalen Energie- und Wasserversorgern weiter stärken, heißt es in der Pressemitteilung.

Mit dem Thüga-Einstieg steigt der kommunale Einfluss bei BS Energy. Oberbürgermeister Ulrich Markurth hatte auf diese Lösung gedrängt, um das Unternehmen auch künftig sicher aufstellen zu können. Die großen Zukunftsthemen und Herausforderungen, die seit Monaten im Gespräch sind: Elektromobilität, Digitalisierung und Kohleausstieg.

Sechs große Unternehmen hatten sich um den Einstieg bei BS Energy beworben. Die Thüga hat aus Sicht von Markurth und des Rates das beste Angebot gemacht – sowohl finanziell als auch hinsichtlich des Konzeptes. Die Partner haben ein Paket vereinbart, das unter anderem den Aufbau einer Digitalisierungsagentur in Braunschweig und viele kostenlose Beratungsleistungen seitens Thüga vorsieht. Alle Beteiligten betonten mehrfach, dass durch den Thüga-Einstieg das Angebot für die Kunden von BS Energy breiter werden soll, aber nicht teurer.

Eine Veränderung gibt es im Vorstand von BS Energy: Er wird von drei auf vier Personen wachsen. Vorstandsvorsitzender ist und bleibt Julien Mounier, an seiner Seite sind auch weiterhin Paul Anfang und Matthias Henze. Die Bestellung des vierten Vorstands auf Vorschlag der Thüga AG soll in Kürze erfolgen, heißt es in der Pressemitteilung.

Auch der Aufsichtsrat wird erweitert: von 12 auf 15 Mitglieder. Die Thüga entsendet ihren Vorstandsvorsitzenden Michael Riechel, die Stadt Braunschweig Ralf Utermöhlen (Bündnis90/Die Grünen) und die Arbeitnehmervertretung von BS Energy die Betriebsratsvorsitzende Sabine Eckert. Vorsitzender des Aufsichtsrates bleibt der Oberbürgermeister.

BS Energy zufolge wurde mit der Thüga AG bereits ein Expertenteam zusammengestellt, das in diesen Tagen die operative Arbeit aufnehmen soll. Es werde sich unter anderem mit der Gründung der Digitalisierungsagentur befassen. Details zu dieser Agentur haben die Unternehmen noch nicht genannt.

Offen ist nach wie vor auch die künftige Strategie zur Energieerzeugung. Das Kohlekraftwerk an der Hamburger Straße soll spätestens 2022 vom Netz gehen. BS Energy prüft mehrere Alternativen, etwa den Bau einer Abwärmeleitung vom Stahlwerk in Salzgitter nach Braunschweig, den Bau einer weiteren Gasturbine sowie den Bau einer Biomasse-Anlage für Altholz. Eine vorläufige Entscheidung soll voraussichtlich noch im Herbst fallen

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