Wer klopft, lebt unbeschwerter

Wolfsburg  Zwei Diplom-Psychologinnen bieten Workshops zur emotionalen Selbsthilfe an.

Dass man auf Emotionen selbst Einfluss nehmen kann, belegt Diplom-Psychologin Monika Freitag zu Beginn des Workshops mit einem persönlichen Beispiel. Als ihre Tochter konfirmiert werden sollte, war sie kurz vor dem Gottesdienst sehr nervös. Unter Anleitung klopfte sie kurz verschiedene Punkte an Händen, Stirn und Brustkorb und die Aufregung verschwand. Nur Schmu oder belegbar?

„Unser Gehirn befindet sich permanent auf einer Datenautobahn, wer da nicht auf sich selbst achtet, kann von der Spur geraten.“
Kerstin Meyer-Krems, Therapeutin mit Schwerpunkt Lebens- und Sinnkrisen.

Ein Hannoveraner Psychiater war es, der die Klopfakupressur vor etwa zehn Jahren aus der Esoterikecke holte. Psychiater Michel Bohne ordnete sie dem Bereich „Prozess- und Embodimentfokusierte Psychologie“, kurz PEP, zu. Es gibt viele Studien, die die Wirksamkeit der überraschend überschaubaren und auch für Laien verständlichen und leicht zu praktizierenden Methode belegen. Bohne erzielt selbst gute Ergebnisse damit als Coach für Musiker mit Lampenfieber.

Monika Freitag und Kerstin Meyer-Krems, zwei Psychotherapeutinnen mit eigener Praxis in Wolfsburg, waren auf der Suche nach etwas, was ihre Arbeit mit Patienten weiter unterstützen kann und stießen dann vor einiger Zeit auf die Klopftechnik. Nach eigenen guten Erfahrungen damit und einer Zusatzausbildung sehen sie es als willkommene Ergänzung. Seit kurzem bieten sie Klopf-Workshops an, die sich nicht an Patienten, sondern zur Prävention an Gesunde mit einzelnen Unzufriedenheiten richten. In Kleingruppen lernen alle voneinander.

Die Palette der unangenehmen Gefühle, die durch das Klopfen verändert werden können, ist groß, das Prinzip simpel: Klopft man gleichzeitig und spricht dazu Selbstwertstärkendes aus, wird das belastende Erregungsmuster überfordert, das schlechte Gefühl zerfällt, und das Thema wird an anderer Stelle im Gehirn abgespeichert. So hat die Zeitschrift „Eltern“ die Methode in ihrer aktuellen Ausgabe erklärt.

DIE THEORIE

Die Klopfmethode beruht auf der Annahme, dass sich Stress durch das Klopfen von Akupunkturpunkten beeinflussen lässt.

Wer Unangenehmes empfindet, bestimmte Punkte klopft, selbstbestätigende Sätze spricht und Rechts-Links-Stimulationen des Gehirns vornimmt, kann die ungute Emotion auflösen.

Nicht die Ratio, sondern neuronale Stimuli können Veränderungen bewirken.

Freitag und Meyer-Krems arbeiten hauptsächlich mit Erwachsenen. Ihr Versprechen: „Mehr Ressourcen nutzen und mit Gelassenheit im Leben stehen.“ Es muss nicht schwer sein, etwas Offenheit und Neugierde vorausgesetzt. „Wenn man startet, weiß man nicht, wo es hinführt“, so Psychologin Meyer-Krems, aber oft sei das Klopfen etwas, was schneller und leichter gehe, als alles andere. „Es energetisiert und begeistert uns. Wir wenden das auch selbst an.“

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