Suche nach Konzepten für eine alternde Region
Salzgitter Gesucht wurden bei einer Podiumsdiskussion auf Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung Lösungen für das Problem demografischer Wandel.
Eine riesige Karte des Landkreises Gifhorn flimmert auf der Wand des Konferenzsaals. Alle Orte haben eine eigene Farbe: Die größeren sind hellgrün, die ganz kleinen dunkelrot. Besonders von letzteren gibt es viele. „Dort wohnen heute meist nur noch ältere Menschen“, sagt Jens Palandt, stellvertretender Direktor des Zweckverbands Großraum Braunschweig. Er klickt auf seine kleine Fernbedienung – und die roten Orten verschwinden. „Wir sollte darüber nachdenken dürfen, ob wir solche Strukturen noch brauchen“, sagt er.
Der demografische Wandel ist es, der sich in unserer Region vollzieht und die Entscheidungsträger dieser Tage umtreibt. Welche Antworten es auf diese Herausforderung gibt, darum ging es gestern im Haus am See in Salzgitter-Lebenstedt. Den radikalen Ansatz, den Palandt zur Debatte stellte, wollte Stephan Weil, Oberbürgermeister von Hannover und SPD-Landesvorsitzender, nicht gelten lassen: „Statt darüber nachzudenken, welche Dörfer wir schleifen, sollten wir darüber nachdenken, welche Entwicklungschancen es gibt“, so Weil. Seine Antwort auf die Veralterung der Gesellschaft ist übrigens „ganz einfach“: „Wir brauchen junge Menschen, die Kinder kriegen.“
Der Vorstand der Salzgitter AG, Peter-Jürgen Schneider, zeigt, wie sein Unternehmen den Nachwuchssorgen bei Führungskräften begegnet: „Die in Stuttgart oder München studieren, an die kommen wir nicht ran.“ Die Konsequenz: Projekte des Stahlunternehmens, mit denen bereits an den Schulen in unserer Region die Jugend für Technik begeister werden soll.
Einen anderen Ansatz verfolgt Julius von Ingelheim, Geschäftsführer der Projekt Region Braunschweig: „Es gibt viele hochqualifizierte junge Menschen bin Südeuropa. Wir sollten darüber nachdenken, die organisiert herzuführen.“
Der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann sieht „die Hauptaufgabe darin, die Forschung und Wirtschaft in unserer Region nach vorne zu bringen, oder zumindest den jetzigen Standard zu halten“. Ein Weg dorthin, sei eine koordinierte Förderung durch EU-Gelder.
Denn in einem Fall sind sich alle Anwesenden einig: Den Herausforderungen des demografischen Wandels können die Städte und Gemeinden der Region nur gemeinsam wirkungsvoll begegnen.


