Plan für Schlecker-Frauen in der Kritik
Braunschweig Sozialverbände kritisierten Ursula von der Leyens Umschulungs-Vorschlag für Schlecker-Beschäftigte. Was meinen Sie zu dem Plan? Reden Sie mit!
Die Bundesarbeitsministerin hatte am Donnerstag vorgeschlagen, dass gekündigte Schlecker-Beschäftigte künftig zu Erziehern und Altenpflegern umgeschult werden könnten. Die noch verbliebenen gut 13 000 Schlecker-Mitarbeiter sind voraussichtlich zum Monatsende arbeitslos. Eine Transfergesellschaft war am Widerstand einiger Landesregierungen gescheitert.
Der Vorstandsvorsitzende des Awo-Bezirksverbandes Braunschweig, Rifat Fersahoglu-Weber, reagierte jedoch ablehnend auf diesen Vorstoß der Ministerin: „Die Erziehung von kleinen Kindern und die Pflege hilfsbedürftiger Menschen eignen sich weder für arbeitsmarktpolitische Zwangsmaßnahmen noch dafür, ungelernte Kräfte einzusetzen“, ließ Fersahoglu-Weber in einer Pressemitteilung verlautbaren. Die dringend notwendige gesellschaftliche Aufwertung dieser sozialen Berufe sei mit solchen Maßnahmen nicht erreicht, heißt es darin weiter.
„Sozialberufe dürfen nicht zu Auffangbecken werden“, so Fersahoglu-Weber. Denn: Die Anforderungen an die Mitarbeitenden würden höher, und dazu benötige man gut bezahlte und hochmotivierte Fachkräfte. „Schnelle und billige Lösungen sind das grundsätzlich falsche Signal.“
Auch Hans-Peter Hoppe, Vorstand des Stephansstiftes in Hannover und der Dachstiftung Diakonie, bezeichnete von der Leyens Vorschlag als „skandalöse Verlegenheitslösung“. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sei es notwendig, den Ruf der Sozialberufe zu steigern, damit sie attraktiver würden, ließ Hoppe in einer Mitteilung verbreiten. Ob „Schmalspurpflegerinnen“ und „Schmalspurerzieherinnen“ den Berufsstand aufwerten würden, sei jedoch fraglich.
Gestern wurde zudem bekannt, dass die Verhandlungen für einen Einstieg des Münchner Investors Dubag bei den Schlecker-Töchtern Ihr Platz und Schlecker XL gescheitert sind. „Die Gespräche sind abgebrochen worden“, sagte ein Sprecher der Verhandlungsparteien gestern der Nachrichtenagentur dpa. Nach dem aktuellen Stand der Dinge werde man sich nicht wieder an den Verhandlungstisch setzen.
