Die Software ahnt, was der Kunde will
Wolfsburg Die Digitalisierung verändert auch den Handel - Geschmackstrends sollen künftig errechnet werden
Die Digitalisierung brachte uns nicht nur neue Medien, Smartphones und intelligentere Autos – sie verändert auch den Handel grundlegend. Das war eine Erkenntnis des Zukunftskongresses im Wolfsburger Schloss. Software, die den Kundengeschmack des nächsten Jahres errechnet, oder die Möglichkeit, an der Kasse bargeldlos mit dem Handy zu bezahlen, sind nur zwei Beispiele dieser Entwicklung.
In Deutschland gibt es allerdings noch große Vorbehalte gegen bargeldloses, vor allem aber gegen kontaktloses Bezahlen, bei dem noch nicht einmal eine Kreditkarte benötigt wird. Das sagte Oliver Hommel, Kreditkartenexperte beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. „Nur 25 Prozent aller Zahlungen geschehen unbar.“
Nach seiner Einschätzung wird sich das Bezahlen mit dem Handy erst durchsetzen, wenn es mit weiteren Vorteilen für den Nutzer gekoppelt wird – etwa dem Ticketing, also dem mobilen Kauf von Eintrittskarten.
Wie er weiter ausführte, gibt es beim Bezahlen mit dem Handy noch ein großes ungelöstes Problem: die Sicherheit. „Wir brauchen zuverlässige Sicherheitsmechanismen, die es noch nicht gibt“, betonte er. Sicherheit sei zudem mit Kosten verbunden. „Damit stehen die Banken vor einem Dilemma. Die Zahlungsverkehrs-Margen stehen unter Druck, der Handel will aber nicht noch mehr für den Zahlungsverkehr zahlen.“
André Bajorat, Inhaber des Beratungsunternehmens Amb Consult, sagte, dass der Einfluss der Banken beim bargeldlosen Bezahlen sinken wird. Stattdessen würden Unternehmen wie Paypal oder Apple, die bereits über viel Erfahrung auf diesem Feld verfügen, an Bedeutung gewinnen. „Paypal hat mehr Kunden als das Sparkassen-Online-Banking“, sagte er.
Einen anderen Aspekt des digitalen Umbruchs im Handel beleuchtete der Physiker Michael Feindt. Der Wissenschaftler hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich künftige Entwicklungen berechnen lassen – zum Beispiel die Entwicklung des modischen Geschmacks. „Wir können die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wie viel von einem Artikel in Zukunft verkauft wird“, versprach Feindt.
Basis sei eine stetig wachsende Zahl statistischer Daten. Das in Computern gespeicherte Wissen der Menschheit wachse jährlich um 60 Prozent. „In zehn Jahren gibt es 100 Mal mehr Daten“, sagte er. Ziel sei es, eine Standardsoftware für den Handel und Versandhandel zu schreiben, die zum Beispiel Waren selbstständig bestelle. Feindt: „Die Disponenten würden entlastet und könnten sich mehr strategischen Aufgaben widmen.“


