Neue Führungsriege, altes Ziel – VW baut um

Stuttgart  Jetzt ist es offiziell: Audi, das China-Geschäft, die LKW-Sparte - überall wird an der Führung gerüttelt. VW verordnet sich den größten Umbau der Konzerngeschichte. Das Ziel: Weltspitze.

Der Vorstandsvorsitzende von VW, Martin Winterkorn spricht am Samstag (02.06.2012) während einer Pressekonferenz in Stuttgart.

Foto: Marijan Murat/dpa

Der Vorstandsvorsitzende von VW, Martin Winterkorn spricht am Samstag (02.06.2012) während einer Pressekonferenz in Stuttgart. Foto: Marijan Murat/dpa

VW-Chef Martin Winterkorn will mit einem umfassenden Konzernumbau Strukturprobleme beim Autobauer beseitigen und das Tempo auf dem Weg an die Weltspitze vorantreiben. Volkswagen wertet dafür unter anderem sein China-Geschäft kräftig auf, ordnet seine Lastwagensparte neu und baut den Audi-Vorstand um. Im Zuge des Umbaus werden zahlreiche Schlüsselpositionen neu besetzt. „Der Volkswagen Konzern hat nun mehr denn je die richtigen Personen auf den richtigen Positionen, um die Strategie 2018 zum Erfolg zu führen“, sagte Winterkorn am Samstag in Stuttgart.

Mit der strukturellen und personellen Neuaufstellung gebe VW seiner Strategie 2018 „zusätzliche Schubkraft“. Bis 2018 will VW der weltweit größte Autokonzern werden und General Motors und Toyota den Rang ablaufen. Die Anforderungen seien gestiegen, der Umbau sei die Antwort darauf. „Gleichzeitig schaffen wir so alle Voraussetzungen, um den Konzern und seine Marken auch in einem schwierigeren Marktumfeld auf Erfolgskurs zu halten“, sagte Winterkorn.

Abschied nehmen

Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers unter Vorsitz von VW-Patriarch Ferdinand Piëch hatte den Plänen zuvor zugestimmt. So übernimmt etwa der bisher für das Nutzfahrzeuggeschäft zuständige Vorstand Jochem Heizmann das neu geschaffene China-Ressort. „China ist unser größter und einer der wichtigsten Märkte weltweit“, sagte Winterkorn. Für den bisherigen China-Chef Karl-Thomas Neumann solle eine neue Aufgabe im Konzern gesucht werden, sagte Winterkorn. Medienberichten zufolge deutet sich bei Neumann aber ein Abschied von VW an. Der bisherige Audi-Vertriebschef Peter Schwarzenbauer wird den Konzern verlassen.

Auch das LKW-Geschäft wird umgebaut, vor allem um die bisher eher zäh laufende Zusammenarbeit zwischen den Töchtern Scania und MAN voranzutreiben. Der bisherige Chef der schwedischen Tochter Scania, Leif Östling, wechselt in den VW-Vorstand und wird dort das gesamte Nutzfahrzeuggeschäft verantworten. Neuer Scania-Chef wird der bisherige Verkaufsvorstand Martin Lundstedt.

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen zieht in die Konzernleitung, den erweiterten Vorstand ein, und wird dort das Industriegeschäft mit Motoren konzernweit koordinieren. Auch die VW-Sparte Nutzfahrzeuge bekommt einen neuen Chef, den Posten übernimmt der bisherige Skoda-Entwicklungschef Eckard Scholz.

Piëch und die LKW-Allianz

Der bisherige Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen wird neuer Einkaufschef bei MAN. VW-Personalmanager Jochen Schumm wird dort neuer Personalchef und löst Jörg Schwitalla ab.

Vor allem die LKW-Allianz aus MAN und Scania kam in den vergangenen Monaten nicht voran. Dieses Projekt verfolgt seit Jahren vor allem VW- und MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Das Klima zwischen Scania und MAN aber gilt als schwierig. Östling als neuer LKW-Chef soll die Allianz nun neu beleben. „Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir Synergien heben wollen“, sagte Winterkorn. Der VW-Chef räumte ein, dass Östling als Scania-Chef eine enge Zusammenarbeit mit MAN eher skeptisch beurteilt habe. Dies habe sich aber geändert.

Zugleich wird die VW-Sparte Nutzfahrzeuge mit Sitz in Hannover künftig dem Konzern-Geschäftsbereich zugeordnet. Die Lage auf den LKW-Märkten weltweit ist derzeit schwierig - dies verstärkte den Druck auf VW, die LKW-Allianz voranzubringen.

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