„Die Haut vergisst nichts“
Trotz eines bedeckten Himmels ist die Sonnenstrahlung intensiv. Ein Experte des Bundesamts für Strahlenschutz verrät, wie Sie sich am besten schützen.
Seit Jahren steigt die Zahl derjenigen an, die neu an Hautkrebs erkranken. Wie wirkt UV-Strahlung auf den Körper? Mit Thomas Jung, Leiter der Abteilung Strahlenwirkungen und -risiken beim Bundesamt für Strahlenschutz, sprach Katrin Teschner.
Herr Jung, bislang hatten wir kaum ungetrübten Sommerspaß. Müssen wir uns bei durchwachsenem Wetter überhaupt Gedanken über UV-Strahlung machen?
Trübes Wetter täuscht häufig. Auch wenn Wolken da sind, kann es zu extremen Werten bei der UV-Strahlung kommen. Licht durchdringt dünne Wolkendecken, diese bestehen aus kleinen Wassertröpfchen, die das Sonnenlicht zusätzlich reflektieren – am Boden kommt so mehr Strahlung an.
Die meisten wissen, dass Sonnenstrahlung gefährlich sein kann. Warum gehen wir immer noch zu sorglos mit den Risiken um?
Das Risiko zu kennen, ist das eine. Wir müssen aber auch unser Verhalten danach anpassen. Am besten ist es, schon früh damit anzufangen. Wir sollten unseren Kindern erklären, wie sie sich schützen können, und es ihnen vorleben. Und wir sollten uns von dem Schönheitsideal verabschieden, dass gebräunte Haut attraktiv ist.
Warum sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet?
Ihre Haut ist empfindlicher als die Erwachsener. Und Haut vergisst nichts, jeder Sonnenbrand erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass im Erwachsenenalter Hautkrebs entsteht.
Ist das nicht je nach Hauttyp sehr unterschiedlich?
Allgemein haben dunklere Typen ein geringeres Sonnenbrand-Risiko als hellhäutige Menschen, die schnell Sommersprossen entwickeln und nicht bräunen. Das heißt aber nicht, dass Dunkelhäutige keinen Hautkrebs bekommen können. Die UV-Dosis bestimmt das Risiko. Liegt der UV-Index über 8, sollte keiner mittags in die Sonne gehen.
Inzwischen sind die Menschen dem Thema gegenüber sensibler als noch vor vielen Jahren. Es sind Sonnencremes mit viel höherem Lichtschutzfaktor auf dem Markt. Müsste die Hautkrebsrate nicht sinken?
Das Gegenteil ist der Fall. Jährlich gibt es 224 000 Neuerkrankungen in Deutschland. Es ist zu befürchten, dass die Zahl weiter steigt. Gut zehn Prozent entwickeln den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Der Anstieg ist erschreckend, wir sehen jetzt unsere Fehler aus der Vergangenheit: Ursache ist in erster Linie das eigene Verhalten. Oft setzen wir uns der Sonnenstrahlung zu lange aus, haben keine passende Kleidung an und die Sonnencreme wird zu sparsam aufgetragen. Viele Menschen unterliegen auch dem Irrtum, dass sich mit einem hohen Lichtschutzfaktor die Zeit in der Sonne beliebig verlängern ließe. Das stimmt aber nicht, sondern unterläuft den Schutzeffekt der Sonnencreme.
Wie kommt es zu einer hohen UV-Belastung?
Wie stark die UV-Strahlung im Freien ist, hängt vor allem vom Wetter, der Jahres- und der Tageszeit ab. Ob ich mich einer hohen UV-Belastung aussetze, habe ich dagegen selbst in der Hand. Die höchsten Belastungen entstehen im Sommer zur Mittagszeit, wenn man ausgedehnt und ungeschützt sonnenbadet. Aber auch schon im zeitigen Frühjahr kann es bei direktem Sonnenschein zu hohen UV-Belastungen kommen.
Besonders aufpassen sollte man auch am Strand, weil Strand und Wasser die UV-Strahlung der Sonne reflektieren und dadurch die Belastung erhöhen. Sehr hohe Belastungen treten auch in Solarien auf. Diese sollten daher unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes gemieden werden.
Wie wirken UV-Strahlen auf den Körper?
Es handelt sich um eine im Vergleich zum sichtbaren Licht energiereichere Strahlung. Sie dringt tief in Haut und Auge ein. UV-A-Strahlen dringen besonders tief in die Haut und in die Augen ein und können dort Entzündungen und allergische Reaktionen verursachen. Langfristig ergibt sich daraus ein vorzeitiges Altern der Haut. UV-B-Strahlen dringen nicht ganz so tief ein, sind dafür aber energiereicher. Sie verursachen den Sonnenbrand. Sie schädigen direkt die Gene der Hautzellen, erhöhen generell das Hautkrebsrisiko und schwächen das Immunsystem.
Nicht nur die Haut, auch die Augen müssen vor Sonnenstrahlung geschützt werden. Worauf sollten wir dabei achten?
Ja, zu viel UV-Strahlung kann nach Jahren zum Grauen Star führen, zu einer Trübung der Augenlinse. Das kann zwar operiert werden, verursacht aber viel Leid. Wer eine Sonnenbrille kauft, sollte auf den Hinweis „100 Prozent UV-Schutz“ oder „UV 400“ achten. Übrigens müssen billige Brillen vom Discounter nicht schlechter sein – viele bieten einen besseren Schutz als Designerbrillen.
