Heubergers mit Büro-Tango hoch hinaus
Wolfsburg Als Spät- zu Senkrechtstartern der Wolfsburger Tanz-Szene: Das Ehepaar Heuberger trainiert für den Erfolg sogar morgens im Büro vor der Arbeit.
Morgens, 8.15 Uhr, in der Wolfsburger City: Aus einem Geschäftsraum in der Rothenfelder Straße dringt Musik nach draußen. Tanzmusik. Klassische, aber auch moderne. Obwohl oder besser weil noch geschlossen ist, geht es drinnen flott zu beim Büro-Tango.
Wer im Vorbeigehen einen Blick durchs Fenster wirft, ist überrascht. Statt vor den Finanzierungsplänen ihrer Kunden zu sitzen, legen Christina und Mathias Heuberger eine flotte Sohle aufs Büro-Parkett. Das Ehepaar gehört zu den Senkrechtstartern der hiesigen Tanzsport-Szene. 24 Siege bei 41 Turnierteilnahmen – und das, obwohl es erst im August 2010 mit dem Standardtanzen angefangen hatte.
Rückblick: „Wir wollten etwas gemeinsam machen in unserer Freizeit“, erzählt Mathias Heuberger. Karate und Kickboxen hatte er schon ausprobiert. „Aber Tina hatte keine Lust auf Kampfsport.“ Auch zum Tanzen musste er seine Frau erst überreden. „Es hat fast ein Jahr gedauert, bis Tina mit zum ersten Training kam.“
Das fand beim VfB Fallersleben statt. „Nach nur sechs Wochen sagte die Trainerin, dass wir ruhig beim nächsten Turnier mitmachen sollten.“ Beim Mühlenpokal in Gifhorn, einem Breitensport-Wettbewerb, machte es klick. Trotz nur zweieinhalbmonatiger Tanzerfahrung schafften die Heubergers auf Anhieb den Sprung auf Platz 2. Einen Tag später wurde es sogar Rang 1 bei der Gifhorner Kreismeisterschaft.
Schon im Frühjahr 2011 wechselten sie in die unterste Leistungsklasse (D) ihrer Altersgruppe Senioren I (35 bis 44 Jahre). Binnen weniger Monate hatten sie die nötigen Punkte und Platzierungen zum Aufstieg in die nächsthöhere Klasse (C) zusammen. Sie eilten auch dort von Sieg zu Sieg oder schlechtestenfalls mal zu Rang 2. Zum Abschluss feierten sie im März 2012 bei der Gebietsmeisterschaft in Schleswig den Gewinn der norddeutschen Meisterschaft und somit auch der Landesmeisterschaft.
Mit dem Erfolg war auch der Aufstieg in die B-Klasse perfekt. Dort gingen sie noch beim selben Turnier ein zweites Mal an den Start. „Ich hatte fünf Minuten Zeit, meinen neuen Frack anzuziehen. Den darf man erst ab der B-Klasse tragen“, berichtet Mathias Heuberger schmunzelnd. Das Ergebnis stimmte auch: Platz 7 im 23er-Feld und zweitbestes Paar aus Niedersachsen. Das frühzeitig begonnene Einstudieren der neuen Tanzelemente zahlte sich sogleich aus.
Mittlerweile haben die Heubergers auch in der Sektion B die nötigen Platzierungen für den Aufstieg in die Sektion A, die zweithöchste Klasse nach S, zusammen. „Nur ein paar Punkte fehlen noch.“ Und auch in A muss noch längst nicht Schluss sein. „Wir merken aber, dass die Felder immer kleiner und besser werden, je höher man kommt.“ Deshalb wird weiter trainiert. Zweimal die Woche in Fallersleben, zwei- bis viermal beim SV Triangel und fünfmal im Büro vor der Arbeit zur Musik vom Handy und notfalls auch vor eigens dafür angeschafften Spiegeln.
Das Erfolgsgeheimnis des Paars hängt offenbar auch unmittelbar mit dem traumhaft schönen roten, mit Swarovski-Kristallen besetzten Kleid der Dame zusammen. „Sobald ich das anhabe, wird ein Schalter umgelegt – und es geht los“, sagt Christina Heuberger und lacht.



