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Sport Wolfsburg

Gänsehaut vor der Eröffnung – Tränen im Ziel

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Großer Optimismus nach Platz 4 im Zeitfahren, pure Enttäuschung nach dem Straßenrennen

Jens Neumann

GIFHORN. Die ersehnte Medaille brachte er nicht mit von den Paralympics aus Peking – dafür unglaublich viele Eindrücke. Im Schnelldurchlauf lässt Handbiker Stefan Bäumann die Spiele noch einmal Revue passieren.

  Stefan Bäumann über 

 den Klimaschock in Peking: "Ich hatte mir den Unterschied nach der Landung schlimmer vorgestellt und keine Probleme mit der Luftfeuchtigkeit. Warm war es aber schon."

die Eröffnungsfeier: "Sie fand einen Tag nach unserer Ankunft in China statt. Der Jetlag, die ganze Aufregung – ich war noch gar nicht richtig da. Dann sind wir durch einen Tunnel ins Stadion. Darin standen schon viele Chinesen, die uns zugejubelt haben. Mir standen die Haare zu Berge, ich bekam eine Gänsehaut. Es war sehr emotional. Und die Show danach war auch der Hammer."

die Zeit bis zum ersten Rennen: "Das stieg fünf Tage später. Vier Tage vor dem Zeitfahren sind wir jeden Tag auf der Strecke gewesen, haben uns diese angeguckt, sind darauf gefahren. Mein erster Eindruck war: So schwer ist die Strecke nicht. Aber mit jeder weiteren Runde habe ich einen anderen Eindruck bekommen. Die Strecke hat einem alles abverlangt – zum ersten Mal war es wie ein richtiges Radrennen. Und das Ambiente der Strecke am Stausee war traumhaft."

 das Zeitfahren: "Für mich war es im Vorfeld die Standortbestimmung, wie gut ich nach meiner krankheitsbedingten Trainingspause drauf bin. Und ich hatte das Gefühl, dass das Rennen nicht so gut läuft. Mir hat die Kraft über die Hügel gefehlt, in einigen Kurven war es nicht so gut. Doch am Ende haben mich 38 Sekunden von Gold getrennt. Dabei hatte ich zuvor gedacht, dass eine Medaille für einen Fahrertypen wie mich nicht erreichbar ist."

die eintägige Pause danach: "Da ging es mir gut. Ich war super optimistisch, habe zum ersten Mal wieder daran geglaubt, dass ich Gold gewinnen kann. Ich habe relaxed, ausgeschlafen. Doch danach habe ich schon gemerkt, dass meine Muskulatur angeschlagen ist – ich hatte Muskelkater. Ich weiß gar nicht, wann das zuletzt der Fall gewesen war."

das Straßenrennen: "In der ersten Runde war noch alles okay. Doch dann habe ich abreißen lassen müssen. Ich habe fünf Kilometer gebraucht, um wieder an die Spitze heranzufahren. Das gleiche Spiel begann eine Runde später von neuem. Zusammen mit anderen Fahrern habe ich noch einmal versucht, heranzukommen, habe richtig Tempo gemacht. Am letzten Anstieg der dritten Runde konnte ich nicht mehr folgen – der Akku wurde von Runde zu Runde leerer. Am Ende bin ich das Rennen allein zu Ende gefahren und hatte acht Minuten Rückstand."

seine Gefühlswelt nach Platz 12: "Es gab Tränen im Ziel, die Emotionen sind aus mir ausgebrochen. Zwei Jahre lang waren die Paralympics für mich die oberste Prämisse. Es war schon frustrierend. Aber im Leistungssport geht es nun einmal darum, auf den Punkt topfit zu sein – und das haben andere besser geschafft als ich. Was mich besonders traurig gemacht hat: Ich hatte in diesem Jahr vor meiner Krankheit eine Form gehabt, in der mir die Strecke mit dem Hügel gelegen hätte. In den Alpen habe ich im Training die langen Anstiege zum Großglockner mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 14 bis 16 km/h zurückgelegt. In Peking auf der viel kürzeren Steigung wurden nur 13 km/h im Schnitt gefahren."

die Zeit nach seinen Einsätzen:  "Von der Stadt habe ich gar nichts gesehen. Ich habe mir lieber andere Sportarten zusammen mit meiner Mutter Herta angeguckt. Wir waren gemeinsam beim Damen-Endspiel im Rollstuhl-Basketball, haben die Leichtathletik-Veranstaltungen im Olympia-Stadion besucht. 90 000 Zuschauer, das war der Hammer. Echt schade, dass ich kein Bahnradsportler bin."

seine weitere Saison:  "In diesem Jahr möchte ich noch in Köln und am 26. Oktober in Frankfurt starten, wenn möglich den Olympiasieger Heinz Frei schlagen. Dann geht es im Januar 2009 weiter ins Trainingslager, vermutlich nach Gran Canaria. Und ich werde weiterhin mit Christof Weiss als Trainer zusammenarbeiten."

seine Zukunftspläne: "Natürlich ist nun London 2012 mein Ziel. Vorher möchte ich Jahr für Jahr die Weltmeisterschaften erreichen und mich dort dann 2011 wieder für die Paralympics qualifizieren. Allerdings kann es sein, dass 2010 ein neues Klassifizierungsmodell eingeführt wird. Dann wird es ganz schwer."

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Veröffentlicht: 23.09.2008 - 23:30 Uhr
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