Ludolph lässt sich überrumpeln und verpasst Finale
Braunschweig Braunschweigs 800-m-Läufer hat bei der EM in Helsinki sein Ziel verfehlt. Am Freitag startet Sprinter Sven Knipphals aus Wolfsburg über 200 Meter.
Sören Ludolph hat sein Ziel verpasst. Der Endlauf über 800 Meter findet am Freitag ohne den Braunschweiger statt. „Ich habe einmal kurz nicht aufgepasst auf der Gegengeraden“, ärgerte sich der 24-Jährige. „Und wenn du diese eine Sekunde verpasst und die anderen vorbeilaufen, bist du raus, dann kommst du nicht mehr hinterher.“
Angeführt vom russischen Athen-Olympiasieger Borzakovskij und dem Franzosen Bosse rannten vier Athleten schon vor der letzten Kurve an dem deutschen Meister vorbei, der zunächst das Tempo gemacht hatte. Ludolph kam nicht mit und konnte am Ende nicht mal seinen starken Endspurt zeigen. So blieb nur der fünfte Platz in 1:48,06 Minuten. „Ich habe mich überrumpeln lassen. Eigentlich dachte ich, dass ich das Feld relativ gut im Blick habe“, sagte er enttäuscht.
„Sören ist wohl an seinen Nerven gescheitert, er war hinten raus nicht locker genug“, urteilte sein Trainer Jörg Voigt, der pünktlich zum Rennen in Helsinki eingetroffen war. Der taktische Plan, ab 600 Metern vorne zu liegen, sei nicht aufgegangen. „Zwischen 500 und 600 Metern hat er es verbockt“, sagte Voigt, tröstet seinen Schützling aber auch: „So ein Halbfinale, bei dem nur zwei Läufer weiterkommen, ist immer eine heikle Sache. Da sind ja viele starke Leute rausgeflogen.“
Ludolph fehle einfach noch die Erfahrung in internationalen Meisterschaftsrennen bei den Erwachsenen, glaubt der Landestrainer. „Außer bei der Universiade ist er ja noch nie dabei gewesen:“
Für Sven Knipphals wird es am Freitag im 200-Meter-Vorlauf ernst. „Ich bin in Top-Form“, betont der Wolfsburger. Leichte Rückenprobleme behinderten ihn nicht beim Laufen.
Seine enttäuschenden Leistungen bei den deutschen Meisterschaften habe er verarbeitet, berichtet der 26-Jährige. „Das Problem war einfach, dass ich so erleichtert war, die EM-Norm in Mannheim gelaufen zu sein, dass mir der Fokus gefehlt hat.“, meinte er.
Außerdem sei er im fünften Wettkampf in fünf Wochen etwas ausgelaugt gewesen. „Da war es wirklich sehr gut für den Kopf, jetzt vor Helsinki endlich mal ein Wochenende frei zu haben.“
Das Mitfiebern mit den deutschen Kollegen in Helsinki versetzt ihn seit zwei Tagen in große Vorfreude. Käme er bei seiner EM-Premiere ins Finale der schnellsten Acht, wäre das eine kleine Sensation. Aber das Halbfinale hat sich der VfL-Sprinter auf jeden Fall vorgenommen. Das entspräche auch seinem momentanen Leistungsvermögen, schließlich ist Knipphals mit der zwölftbesten europäischen Zeit (20,53 Sekunden) gemeldet.
„Er hat es drauf! Im Abschlusstraining in Wolfsburg ist er Bestleistung über 120 Meter gelaufen“, berichtet Trainer Werner Morawietz zuversichtlich, der hofft, dass sein Schützling in Vor- oder Zwischenlauf so günstige Bedingungen hat, dass er die Olympia-Norm von 20,45 Sekunden knacken kann. Knipphals gibt sich zurückhaltend: „Die Norm ist natürlich im Hinterkopf, aber man kann keine Zeiten laufen wenn man an Zeiten denkt.“
Er wolle auf jeden Fall zeigen, dass er in Deutschland zu den Besten gehört und vor allem seine ersten internationalen Meisterschaften genießen.
•200-m-Vorlauf, Freitag 11.30 Uhr, 200-m-Halbfinale 19.25 Uhr/ARD.



