Braunschweiger 800-Meter-Läufer bucht das Olympia-Ticket
Braunschweig Sören Ludolph unterbot am Sonntag in Hengelo nicht nur die Olympia-Norm, sondern stellte zugleich eine persönliche Bestzeit auf.
Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. Aber: Seit Sonntagnachmittag müsste sehr viel zusammenkommen, damit 800-Meter-Läufer Sören Ludolph in diesem Sommer nicht bei den Olympischen Spielen in London an den Start geht.
Beim World Challenge-Meeting im niederländischen Hengelo verbesserte der Mitteldistanz-Läufer der LG Braunschweig als Sechster nicht nur seine persönliche Bestzeit um mehr als zwei Zehntel auf 1:44,80 Minuten, sondern unterbot zugleich die deutsche Olympia-Norm um mehr als eine halbe Sekunde.
Sein Olympia-Traum würde jetzt nur noch platzen, wenn in den kommenden Wochen drei Deutsche unter seiner Zeit bleiben – was derzeit allerdings äußerst unwahrscheinlich ist. „So ganz habe ich das immer noch nicht realisiert“, sagte der 24- Jährige Pfingstmontag nach seiner Rückkehr aus Hengelo, wo er das Ticket für London am Abend zuvor noch mit ein paar Freunden gefeiert hatte.
In der ewigen deutschen 800-Meter-Bestenliste schob sich der Kommissaranwärter auf den zehnten Platz vor (siehe Fakten). Der letzte Deutsche, der für die zwei Stadionrunden weniger als 105 Sekunden benötigte, war vor sieben Jahren der mittlerweile verstorbene René Herms (1:44,71 min). „Ich hoffe allerdings, dass das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht ist“, sagte Ludolph, ohne jedoch eine Prognose abgeben zu wollen, welche Zeit er für realistisch hält.
Dass der amtierende deutsche Meister überhaupt eine Einladung zum renommierten Meeting in Hengelo erhielt, hatte er seiner im September 2011 erzielten bisherigen Bestleistung von 1:45,04 Minuten zu verdanken. Die kam seinerzeit zwar zu spät für die WM-Teilnahme in Daegu, zeigte aber Wirkung als Eintrittskarte in die Felder bei Top-Meetings. „Das war mein Türöffner für die schnellen Rennen“, weiß Ludolph, der am Freitag noch in Dessau bei einem kleinen Meeting in 1:46,95 Minuten triumphiert hatte.
Am Sonntag kam er allerdings nur schwer aus den Startlöchern, nach 200 Metern lag er drittletzter Stelle. „Da dachte ich, das Tempo zerreißt mich“, berichtet er. Der 24-Jährige fand jedoch gerade rechtzeitig noch seinen Rhythmus und schwamm, wie er es selbst formuliert, „auf der Welle mit“. Nach 500 Metern habe er dann gemerkt, „dass das mit der Norm klappt“. Trotzdem dauerte es im Ziel noch eine Weile, ehe er beide Fäuste ballte und in die Luft riss. „Ich habe erst abgewartet, bis die Zeit bestätigt ist. Man weiß ja nie, was noch so passiert.“
