Auch Hausmannskost kann satt machen
Phantoms-Korbjäger haben in den Schlusssekunden das Glück des Tüchtigen
BRAUNSCHWEIG. Die Phantoms Braunschweig gewannen mit dem 70:69 das sechste von sieben Spielen in der laufenden Basketball-Bundesliga-Saison. Heute machen sie sich bereits auf den Weg nach Ulm, wo morgen das nächste Spiel auf dem Programm steht.
Die Phantoms Braunschweig haben in dieser Saison schon so manchen basketballerischen Leckerbissen zubereitet. Gestern Abend mussten sich die mehr als 4300 Zuschauer in der VW-Halle, darunter auch die Drittliga-Fußballer von Eintracht Braunschweig, jedoch mit Hausmannskost zufrieden geben. Aber auch die kann bekanntlich satt machen.
Nach 40 selten hochklassigen, aber jederzeit spannenden Minuten behielten die Hausherren vor der Saison-Rekordkulisse mit 70:69 die Oberhand. Es war bereits der sechste Sieg im siebten Saisonspiel für die Schützlinge von Trainer Sebastian Machowski.
Dieser war sich nach der Schlusssirene im Klaren darüber, dass sich sein Team im Gegensatz zu den beiden ersten Heimspielen nicht mit Ruhm bekleckert hatte. "Ich bin mit dem Verlauf der Partie absolut nicht zufrieden", haderte der 37-Jährige mit dem Auftritt seiner Akteure. "Tübingen war gut auf uns vorbereitet und hat unsere Schwächen in der Verteidigung aufgedeckt."
Jason Cain versenkt die entscheidenden Freiwürfe
In den letzten Sekunden hielten die Fans im weiten Hallenrund den Atem an: Erst zitterten sie mit dem an der Freiwurflinie stehenden Jason Cain. Doch der US-Amerikaner behielt die Nerven und brachte sein Team mit 70:69 in Führung. Doch den Tübingern blieben noch 27 Sekunden für den letzten, womöglich alles entscheidenden Angriff. Und 27 Sekunden, diese Erfahrung machten die Fans gestern Abend, können verdammt lang werden. Und Nerven aufreibend.
Tübingens Branislav Ratkovica war es, der kurz vor dem Ende aus der Ecke völlig frei zum Drei-Punkte-Wurf hochstieg. Den Fans stockte der Atem. Doch der Ball sprang auf den Ring. Zum Durchatmen war es zu früh, denn das runde Spielgerät landete noch einmal in den Händen von Michael Jenkins. Der hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits fünf seiner acht Dreierversuche eingenetzt. Doch ausgerechnet der letzte und wichtigste Wurf verfehlte sein Ziel. "Am Ende hatten wir natürlich das Quäntchen Glück", analysierte Machowski mit heiserer Stimme. Darauf dürfe man sich jedoch nicht immer verlassen. "Ich hoffe, dass wir aus diesem Spiel lernen."
Denn im Gegensatz zu den ersten beiden Heimpartien ließen die Phantoms diesmal ihre spielerische Leichtigkeit vermissen, viele Aktionen blieben Stückwerk. "Wir sind kopflos angerannt", ärgerte sich Machowski. Dass seine Schützlinge trotzdem über weite Strecken in Führung lagen, war alleine der unterirdischen Wurfquote der Gäste geschuldet. "Irgendwie haben wir gedacht, wir schaukeln das nach Hause", gestand Yassin Idbihi selbstkritisch ein. Doch spätestens als Michael Jenkins die Gäste zu Beginn des vierten Viertels zum ersten Mal in Front schoss (54:56), war jedem in der Halle klar, dass Tübingen den Sieg nicht kampflos hergeben würde.

