Aigner: Mindesthaltbarkeitsdatum kein Wegwerfdatum

Berlin  Tonnenweise Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Dabei wäre vieles davon noch gut. Das liegt auch an mangelndem Wissen über das Mindesthaltbarkeitsdatum. Jetzt sollen Kunden mehr Infos bekommen.

Verbraucherschutzministerin Aigner und der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Dornseifer, informieren über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln.

Foto: Maurizio Gambarini

Verbraucherschutzministerin Aigner und der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Dornseifer, informieren über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln. Foto: Maurizio Gambarini

Um die massenhafte Verschwendung von Nahrung einzudämmen, sollen die Verbraucher verstärkt über das Mindesthaltbarkeitsdatum aufgeklärt werden. Der Aufdruck sei «kein Wegwerfdatum, sondern eine Orientierungshilfe», sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Montag zu Beginn einer bundesweiten Aufklärungsaktion mit dem Handel. In der Regel sei ein Produkt auch nach Ablauf des aufgedruckten Datums noch mehrere Tage bestens genießbar. Damit dies bekannter wird, sollen jetzt rund vier Millionen Flugblätter und Info-Karten in 21 000 deutschen Supermärkten verteilt werden.

Die Aktion erreiche mehr als die Hälfte der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Friedhelm Dornseifer. Die Branche hoffe, «dass künftig mehr Produkte auf dem Teller statt in der Tonne landen».

Laut einer Studie für das Ministerium wirft jeder Bundesbürger im Schnitt knapp 82 Kilo Lebensmittel im Jahr weg, davon wären aber 53 Kilo noch genießbar. Aus privaten Haushalten stammen 6,7 Millionen von 11 Millionen Tonnen Nahrung, die hierzulande im Müll landen. Als ein Grund gilt, dass viele Kunden das Mindesthaltbarkeitsdatum missverstehen. In einer Umfrage für das Ministerium von 2011 hatten 84 Prozent der Befragten gesagt, dass sie Lebensmittel wegwerfen, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen oder Ware verdorben sei.

Die Opposition kritisierte die Aktion als unzureichend. «Der weitaus größte Anteil der weggeworfenen Lebensmittel sind Obst und Gemüse, bei denen es gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum gibt», sagte Grünen-Verbraucherpolitikerin Nicole Maisch. Und viele Lebensmittel landeten schon im Müll, bevor sie in die Läden kämen. Linke-Expertin Karin Binder sagte: «Was nützen bessere Hinweise zur Haltbarkeit, wenn Hersteller und Handel die Verbraucher durch Niedrigstpreise, aggressive Werbung und XXL-Formate bereits zu unnötigen Käufen verleitet haben.» Die Lebensmittelhersteller begrüßten die Aktion.

Das Info-Material in den Geschäften soll häufig gestellte Fragen zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) beantworten. Aigner sagte, wenn der Tag erreicht oder überschritten sei, sollten die Kunden «sehen, riechen und probieren». Dies gebe in den meisten Fällen Aufschluss darüber, ob ein Lebensmittel noch genießbar sei. Das MHD ist nicht mit dem Verbrauchsdatum für leicht verderbliche Ware wie Hackfleisch zu verwechseln, nach dessen Ablauf ein Produkt nicht mehr verspeist werden sollte.

Laut einer Umfrage im Auftrag des Ministeriums sind viele Bürger inzwischen stärker sensibilisiert. Demnach haben 81 Prozent der Befragten von der Diskussion über das MHD gehört. 19 Prozent davon haben nach eigenen Angaben etwas an ihrem Umgang mit Lebensmitteln geändert. Bei den 14- bis 29-Jährigen waren es 26 Prozent. (dpa)

Flugblatt zum Mindesthaltbarkeitsdatum, MHD

Check-Karte zum MHD

Pressemitteilung Verbraucherministerium

Verbraucherministerium zum MHD

Infos Bundesamt für Verbraucherschutz

Verbraucherzentralen zu MHD

Lebensmittelkennzeichnungsverordnung

Studie zu Lebensmittelabfällen, 46 Seiten

Studien-Zusammenfassung, 5 Seiten

Umfragen zu Lebensmittelverschwendung

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