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Wolfsburg

Staufalle: Straßenbahn statt Monorail

Wolfsburg Wolfsburger Verkehrsexperten sind sich sicher: Mit mehr Straßen wird Wolfsburg den Stau nicht bezwingen können. Kreative Lösungen müssen her.

Von Christoph Knoop

„Das hier ist eine Katastrophe.“ Theodor Dierks schüttelt den Kopf und schaut auf die Porschestraße am Nordkopf. Gerade quält sich ein Linienbus über die schmale Fahrbahn. Vor ihm parkt ein Auto aus, rollt langsam rückwärts auf die Straße. Der Bus muss warten. „Diese Parkplätze hier behindern den Busverkehr, ohne sie würde es besser laufen.“ Aber das sei typisch für die Wolfsburger Verkehrspolitik. „Man kommt den Wünschen der Autofahrer nach.“

Die Autofahrer dürften inzwischen ein andere Gefühl haben. Wolfsburg steht im Stau. Zumindest morgens, wenn rund 65 000 Pendler in die Stadt und Richtung Volkswagenwerk strömen. Lösungsansätze: breitere Straßen, neue Umgehungen, bessere Anbindung – oder gleich ein Großprojekt wie die Monorail.

Mit diesen Vorschlägen können viele Mitglieder der Agenda-21-Gruppe Verkehr in Wolfsburg nur wenig anfangen. Rund 20 Bürger stecken dort regelmäßig die Köpfe zusammen und brüten über dem Verkehrskonzept der Zukunft. Unter ihnen sind Politiker, Vertreter von Verbänden und Verkehrsexperten. Und sie setzen auf schnelle Verbesserungen, kostengünstige und kreative Ansätze. Die Diskussion um die Monorail haben sie allerdings mit viel Wohlwollen betrachtet. „Endlich ist der Schienenverkehr mal wieder im Gespräch“, freut sich Jürgen Lambers. Das war allerdings das einzig gute, was er und Diercks über die Monorail sagen konnten. „Es ist einfach nicht das beste System. Es ist teuer, die Bauzeit würde sehr lange dauern und eine Monorail wäre mit keinem anderen Verkehrssystem ohne weiteres kompatibel“, erklärt Dierks. Auch der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB), der Infrastrukturprojekte in der Region koordinieren soll, steht der Monorail inzwischen skeptisch gegenüber. Zu teuer, nicht wirtschaftlich, nicht ohne weiteres für jeden nutzbar, heißt es in einem Papier, das den Wolfsburger Nachrichten vorliegt.

Statt viel Geld für eine Schiene zu investieren, setzen die Verkehrsexperten vom Agenda-21-Forum auf zwei Schienen – und damit auf die bestehende Strecke von Wolfsburg nach Braunschweig. Das Problem: Mehr als 20 Kilometer dieser Strecke, der sogenannte Weddeler Schleife, sind nur einspurig ausgebaut. Und das wird laut aktuellem Investitionsprogramm auch noch mindestens bis 2016 so bleiben. Dabei wäre die zweite Spur dringend nötig. Der Nahverkehr kann zurzeit nur im Stundentakt pendeln. Trotzdem verzeichneten die Fahrgastzahlen von 2002 bis 2011 einen Zuwachs von 165 Prozent. „Die Weddeler Schleife ist das Kernprojekt jeder vernünftigen Verkehrsplanung für Wolfsburg“, ist Diercks überzeugt. Nur mit einem funktionierenden Nahverkehr seien weitere Projekte möglich, die den Verkehr von der Straße holen. „Dann könnte man über zusätzliche Haltestellen rund ums Werk nachdenken, von denen die Mitarbeiter mittels Ringbus innerhalb des Werks an ihre Arbeitsplätze gebracht werden“, erläutert Lambers.

Bis es soweit ist, müssen kleine Lösungen für Entlastung sorgen: Ein VW-internes, elektronisches Mitfahrsystem beispielsweise. Zudem könnten Park-and-Ride-Anlagen den Verkehr in der direkten Umgebung des Werks entlasten. In einem sind sich die Agendagruppen-Mitglieder einig: Mit neuen Straßen werden die Staus nicht zu bezwingen sein. „Egal, wie breit die Straßen sind: Irgendwo findet sich immer ein Nadelöhr. Und dort kommt es wieder zu Staus“, sagt Lambers. Man werde auch über unpopuläre Maßnahmen nachdenken müssen, ist sich Theodor Diercks sicher. „Zum Beispiel die Bewirtschaftung der Parkplätze rund ums Werk. Wie soll ich jemanden dazu bringen, Geld für einen Shuttlebus zu zahlen, wenn er vor dem Werk umsonst parken kann?“

Auch für den innerstädtischen Verkehr haben die Verkehrsexperten des Forums einige Ideen: Ein engerer Bustakt auf den Hauptstrecken (15 Minuten) wäre ein Anfang. „Aber auch die Idee einer Stadtbahn ist für uns interessant“, sagt Theodor Diercks. Diese Straßenbahnpläne habe es in Wolfsburg bereits gegeben. „Da hieß es, dass die Brücken in der Stadt dafür nicht geeignet wären.“ Allerdings gebe es interessante Strecken, wo dieses Problem nicht relevant wäre. „Von Westhagen über Laagberg, Innenstadt bis nach Reislingen oder Fallersleben zum Beispiel.“ Interessant an dieser Lösung wäre auch die künftige Möglichkeit der Vernetzung mit der Region. „Braunschweig verlängert seine Straßenbahn Richtung Osten. Irgendwann könnte es zum Lückenschluss kommen“, vermutet Lambers.

Das Auto abschaffen will der Agenda-Kreis übrigens nicht. „Wir wollen, dass die Menschen sich entscheiden können, dass sie die Alternative haben“, betont Jürgen Lambers. „Ich habe das Gefühl, dass in der Wolfsburger Verkehrspolitik viele Akteure Angst haben den Eindruck zu erwecken, sie wollten mit solchen Konzepte das Auto abhängen. Als ob diese Ansätze sich direkt gegen VW wenden würden. Das ist nicht der Fall“, sagt Diercks. Der Verkehr der Zukunft stehe schließlich auch bei VW ganz oben auf der Liste.“ Auch Jürgen Lambers ist sich sicher, dass die Entlastung der Straßen ganz im Interesse des Autobauers ist: „Gibt es eine schlechtere Werbung für ein Auto, als wenn ich mit ihm im Stau stehe?“

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Veröffentlicht: 20.02.2012 - 07:37 Uhr
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