Romantik-Park Landleben steht offenbar vor dem Aus
Wolfsburg Insolvenzgerüchte um den Romantik-Park Landleben kamen zuletzt immer wieder auf. Nun scheint der Geduldsfaden mehrerer Gläubigern gerissen zu sein.
Das Amtsgericht Wolfsburg gab ihrem Antrag statt und beauftragte Ende April das Rechtsanwaltsbüro Eckert mit der Erstellung eines Gutachtens, ob das Insolvenzverfahren eröffnet werden soll und ob genug Masse da ist, um Forderungen der Gläubiger zu befriedigen. „Wir sichten jetzt die Unterlagen und eruieren bereits, ob es mögliche Käufer für den Romantik-Park gibt“, erklärt Rechtsanwalt Markus Kohlstedt. Die Landleben-Betreiber, Julia Niess und Uwe Bock, waren gestern telefonisch nicht zu erreichen.
Einer der Gläubiger ist Florian Kula. Er führt eine Eventagentur in Vechelde. „Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Insolvenzgerüchte um den Romantik-Park schon länger in Wolfsburg kursierten. Wenn ich nun höre, dass andere Dienstleister ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann man schon fast von Betrug mit System sprechen.“
Im September 2011 sei er von den Betreibern beauftragt worden, für ein VW-Abteilungsfest im Romantik-Park Kinderanimation, Hüpfburg und Menschenkicker zu organisieren. Das Fest war ein Erfolg – nur nicht für Kula, sagt er. „Monatelang bin ich hinter meinem Geld hergelaufen. 6500 Euro seien offen gewesen, seine acht Helfer habe er aus eigener Tasche bezahlen müssen.
Holger Hörstkamp aus Biebes heim am Rhein ist auch Gläubiger. Er gastierte mit seiner Show-Gruppe zweimal im Romantik-Park. „Nach dem zweiten Auftritt zahlten mir die Betreiber nur einen Bruchteil der ausgemachten Summe“, so Hörstkamp. Er klagte vor Gericht. „Wir haben einen Titel gegen die Betreiber und versuchten bereits, die Pachteinnahmen aus der Gastronomie zu pfänden.“
Wie geht es nun weiter? Filippo Castellana hatte erst im April als Pächter die Gastronomie übernommen. „Die Häuser im Romantik-Park sind in schlechtem Zustand – die Heizungen sind kaputt, die Häuser sind nicht isoliert, die Dächer haben Löcher“, verrät er. Trotzdem plant er, Landleben zu kaufen und dort ein Hotel zu errichten. Aktuell verhandele er mit der Bank über die Finanzierung.
Das 13 Hektar große Areal ist städtischer Grund. Castellana sagt, er habe bis Ende Juni noch ein halbes Dutzend Reservierungen. „Wenn bis dahin der Kauf nicht geregelt ist, geh’ ich raus.“
Nach fünf Jahren Planung und drei Jahren Bauzeit wurde 2007 die Kästorfer Dorferlebnisanlage als „Gehrmanns Landleben“ eröffnet. Die Investitionssumme: 2,6 Millionen. Stadt und EU schossen je 165.000 Euro hinzu. 2009 stellte der erste Betreiber wegen finanzieller Schwierigkeiten den Betrieb ein.


