Polizeichef erwartet Reaktion der VfL-Ultras
Wolfsburg Angriffe auf Wolfsburger Polizeibeamte und ein Aufmarsch von Neonazis – im WN-Interview sagte Wolfsburgs Polizeichef Hans-Ulrich Podehl seine Meinung.
Neonazis planen für 1. Juni 2013 einen Aufmarsch in Wolfsburg. Worauf muss sich die Stadt gefasst machen?
Es stimmt, dieser Aufmarsch soll stattfinden und es wird wohl auch sehr schwierig werden, diese Veranstaltung noch zu untersagen. Ob wir wollen oder nicht – im Zweifelsfall müsste die Polizei das Demonstrationsrecht dieser rechtsextremen Demonstranten schützen. Deshalb betone ich: Wenn jemand zu Gewalt aufruft, wird er uns kennenlernen. Aber von unseren Bürgern in Wolfsburg erwarte ich dies sowieso nicht.
Was erwarten Sie dann?
Ich habe mich gefreut, als ich in Ihrer Zeitung las, dass verschiedene Wolfsburger Persönlichkeiten wie auch Bürger den Aufmarsch entschieden ablehnen, aber gleichzeitig betonen, dass alles friedlich bleiben muss. Ich wünsche mir, dass wir am 1. Juni 2013 unsere gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten an einer Demonstration in Wolfsburg unter Beweis stellen.
Opfer von Gewalt wurden an Himmelfahrt zwei Polizeibeamten, die in ihrer Freizeit auf dem Klieversberg unterwegs waren. Sie wurden dort von Männern angegriffen, die der VfL-Ultraszene zugeordnet werden. Die wichtigste Frage: Wie geht es Ihren Kollegen?
Der eine ist wird in Kürze wieder im Dienst sein, der andere ist immer noch krankgeschrieben.
Was denken Sie über diesen Angriff?
Bei dieser Tat wurde ganz klar eine Grenze überschritten. Es kann nicht sein, dass Polizeibeamte nicht mehr ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, angegriffen zu werden, durch die Stadt gehen können. Die Ermittlungen werden nächste Woche abgeschlossen und der Fall wird der Staatsanwaltschaft übergeben. Dann geht das vor Gericht. Ich hoffe, dass die Ermittlungsergebnisse ausreichen, damit ein Zeichen gesetzt werden kann. So was wie dieser Angriff darf nie wieder passieren. Ich erwarte darüber hinaus von den VfL-Ultras, dass sie von diesen Gewalttätern abrücken.
In Wolfsburg prügelten sich im Februar 120 Wolfsburger und Hannoveraner Hooligans vor dem Hauptbahnhof. Bundesweit sorgten in der vergangenen Bundesligasaison Problemfans immer wieder für Diskussionsstoff. Was muss sich ändern?
Was da bundesweit in der Saison alles passiert ist, geht gar nicht. Es kann nicht sein, dass ein paar hundert Chaoten jedes Wochenende die Polizei im Bundesgebiet auf Trab halten. Gemeinsam mit der Stadt und dem VfL verfolgen wir die Strategie, Gewalttäter von friedlichen Fußballfans zu trennen. Auch in der Ultraszene gibt es Angehörige, die sich von dieser Gewalt abwenden. Wir beabsichtigen weiter, zwischen diesen verschiedenen Gruppen zu differenzieren und werden dies auch in der kommenden Saison konsequent fortsetzen. Solidarisierungen helfen nicht weiter, die Ultras müssen sich deutlich von den Gewalttätern distanzieren, in dem sie diese Angehörigen ausschließen.
