Ohne Disziplin bleibt der Erfolg aus
Wolfsburg Fitnessökonomin Victoria Pudwell verrät, wie jeder den inneren Schweinehund überwinden kann.
Eigentlich wissen wir längst, was unseren Körper fit hält und gut für unser Wohlbefinden ist. Warum fällt es nur so schwer, vom Sofa hochzukommen? Wer es schafft, Bewegung in seinen Alltag zu integrieren, das Training zur Routine werden zu lassen, der ist auf einem guten Weg, weiß die 30-jährige Personaltrainerin Victoria Pudwell. Die Wolfsburgerin hat auch schon VW-Managern zum Energie-Kick im Alltag verholfen. Bettina Enßlen sprach mit der studierten Fitnessökonomin über Erfolgsgeheimnisse und Anfängerfehler.
In acht Wochen zur Strandfigur – ist das ein seriöses Versprechen?
Das kommt auf die individuelle Veranlagung an. Hat jemand schon einmal Sport getrieben oder nicht? Dazu gehört auf jeden Fall immer viel Disziplin. Grundsätzlich ist das machbar. Ob es in der Praxis wirklich für jeden möglich ist, bezweifle ich. Es kommt auf die Ausgangswerte an. Doch, das geht schon!
Wie schnell macht man also aus einem Sofasitzer einen Menschen, von dem man sagen würde, er sei fit?
Wenn er die ersten vier Wochen überstanden hat, sich dabei immer noch wohlfühlt und dann weiterhin dabei bleibt, dann hat er es eigentlich geschafft. Man darf eben niemals aufhören, sondern muss konsequent bei der Sache bleiben. Sobald die gerade neu gewonnene Routine unterbrochen wird, sitzt er wieder. Das eigentliche Ziel würde also darin bestehen, den einstigen Sofasitzer ständig bei der Stange zu halten. Er sollte sich spätestens jeden zweiten Tag bewegen und in einer Sportart, die ihm auch Spaß macht.
Gibt es für jeden Menschen die passende Sportart?
Natürlich. Bei der heutigen großen Auswahl an Sportarten ist für jeden etwas Geeignetes dabei.
Wichtig nur: Es muss eine Grundmotivation da sein, ein kleiner Impuls, der ihn dazu bringt, etwas verändern zu wollen. Dann sind die Menschen meistens bereit, vieles auszuprobieren.
Wo und wie fängt jedes gute Training an?
Das kann überall sein. Vielleicht früh morgens nach dem Aufstehen, aber natürlich immer und überall da, wo man gerade an sich denkt. Das kann auch im Büro sein. Da reicht es schon, wenn man ab und zu bewusst seine Po-Muskulatur mit anspannt, anstatt des Fahrstuhls die Treppe nimmt und sich zwischendurch immer mal wieder bewusst auf seine Muskeln, seine Haltung, seinen Körper konzentriert. Wichtig ist, das Bewusstsein in den Alltag zu integrieren.
Wie oft sollte man sich pro Woche bewegen?
Zwei bis drei Mal pro Woche wären gut. Man kann es natürlich zur Routine werden lassen, täglich 20 Minuten nach Feierabend zu trainieren oder jeden Morgen vor Arbeitsbeginn walken zu gehen.
Jeder Alltag sieht anders aus, man muss schauen, wo man den Sport oder die Bewegung mit unterbekommt, ohne zusätzlich Stress zu erzeugen. Wir Menschen sind nun einmal Gewohnheitstiere.
Aller Anfang ist schwer. Je schneller sich die Routine einstellt, umso besser. Wenn man drin ist, läuft es auch.
Wie nimmt ein Personaltrainer einem Bewegungsmuffel die Angst vor dem Anfang?
Einfach starten! Grundsätzlich macht man das Training gemeinsam. Das ist viel einfacher. Ich gebe die Anweisungen und der andere kann sich auf seinen Körper konzentrieren. Wenn ein Trainer an der Seite steht, ist gleich eine andere Motivation da. Der Trainer kümmert sich um die Rahmenbedingungen und der Sporttreibende kann seinen Kopf ausschalten. Ganz alleine zu starten fällt oft schwer, wenn man vorher nicht irgendwann schon mal aus eigenem Antrieb Sport getrieben hat.
Nicht jeder kann sich Personaltraining leisten. Wenn es jemand alleine probieren will, auf was sollte er achten?
Es gibt die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen ein Personaltraining zu buchen, zum Beispiel alle vier Wochen. Der Klient bekommt Trainingsaufgaben und muss diese in diesem Zeitraum selbstständig erledigen.
Dieses Modell setzt aber ein gutes Körperempfinden und eine gewisse Eigenmotivation voraus. Alternativ zum Personaltraining rate ich zum Training in Gesellschaft, miteinander wird meist auch mehr gelacht. Man kann sich austauschen und trifft auf Gleichgesinnte. Besonders hier in Wolfsburg gibt es ein ständig wachsendes Sport- und Gesundheitsangebot, sei es vom Arbeitgeber aus oder in den Vereinen. Auch hier wird der Trainierende von Fachpersonal betreut.
Sind individuelle Trainingspläne wichtig?
Ganz klar. Jeder Körper ist anders.
Gibt es einen guten Tipp im Kampf gegen den inneren Schweinehund?
Ich glaube, dass jeder ihn hat. Manche haben mehr Kraft, ihn zu überwinden als andere. Der Anfang ist das Geheimnis. Man muss dabei bleiben. Wenn die Strippe erst einmal abgerissen ist, kommt wieder ein Anfang. Auch nach einem Tief oder nach einer Krankheit muss man sich den Start fest vornehmen und Gas geben.
Was entscheidet darüber, ob jemand sein Ziel erreicht?
Disziplin. Durchhaltevermögen. Will jemand abnehmen, dann muss er die Ernährung umstellen, Sport treiben und sich auch daran halten. Die besten Pläne sind erfolglos, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden. In diesem Fall entsteht zusätzlich noch schlechtes Gewissen. Das bringt keinem was. Man sollte nichts zu extrem tun, denn man kann einen Menschen nie ganz umkrempeln. Das scheitert spätestens nach vier Wochen.
Jeder, der fit sein will, kann es auch werden?
Jeder, der es ernsthaft versucht.
Spielt das Alter eine Rolle?
Das Alter spielt eine Rolle, wenn es darum geht, wie schnell das definierte Ziel erreicht wird. Es ist ein Faktor, der bei der Erstellung des Trainingsplans bedacht wird.
Es ist jedoch nicht von Bedeutung, wenn es darum geht, den Körper wieder regelmäßig zu bewegen. Grundsätzlich ist es nie zu spät, mit dem Sport zu beginnen. Einfach starten!


