Hobby-Forscher sammelt die Geschichte des Hüttenwerks
Gebhardshagen Der pensionierte Maschinenschlosser Winfried Schulz (73) wacht über 50 Aktenordner mit Fotos und Dokumenten zur Stahlerzeugung in Salzgitter seit 1937.
Eine steile Holztreppe führt zum geschichtsträchtigen Schatz des gebürtigen Esseners, dessen Familie es schon 1939 nach Salzgitter-Bad zog. Auf dem Dachboden des Reihenhauses in Gebhardshagen hütet Schulz Zahlen, Daten, Fakten zur wechselvollen Wirtschaftsgeschichte von Deutschlands zweitgrößtem Stahlhersteller.
Der Mann, der sich 1956 als Maschinenschlosser im Hüttenwerk ausbilden ließ und dem Unternehmen mehr als 40 Jahre lang treu blieb als technischer Zeichner und Mitarbeiter in der Bauabteilung, konnte sich interne Unterlagen des ehemaligen Planungsbüros der Reichswerke, der Deutschen Bergwerks- und Hüttenbaugesellschaft (DBHG, später: SIG) vor dessen Auflösung problemlos zueignen. „Hätte ich nicht zugegriffen, wären die Dokumente im Reißwolf gelandet“, erinnert sich der Rentner. So konnte Schulz Zeugnisse rasanter technischer Entwicklung bundesdeutscher Stahlindustrie vor dem Schredder bewahren.
Dass der Handwerker, der in seiner Freizeit am liebsten radelt, im Garten werkelt und Miniatureisenbahnen sammelt, mehr Details über die Produktionsgeschichte des Werks in Salzgitter kennt als die meisten anderen Kollegen, sprach sich schon in Schulz‘ aktiver Zeit herum. „Bei Bauvorhaben bin ich oft gefragt worden, was sich von früheren Anlagen noch unter der Erde befindet“, erinnert sich der Rentner.
Seine Kenntnisse hat Schulz mittlerweile in einer 125-seitigen Chronik zusammengefasst. Da erfahren Interessierte nicht bloß, dass 1964 im Auftrag aller Westdeutschen Hüttenwerke in Salzgitter der erste Hochofen für Heißestwind-Erzeugung mit außenliegenden Winderhitzern entstand, wie präzise das Walzwerk I war und dass 1984 in Salzgitter erstmals die gesamte Produktion im Strangguss erfolgte. Auch andere folgenschwere Ereignisse aus vielen Jahrzehnten der Stahlerzeugung im Stadtgebiet hat sich Schulz notiert.
Doch was tun mit den dachbodenfüllenden Daten? Um die Zahlen mit Leben zu erfüllen und zumindest privat der Nachwelt zu erhalten, hat sich Schulz längst mit Watenstedts Ortsheimatpfleger Bernhard Schroeter zusammengetan. Der 54-Jährige, der seit 39 Jahren „auf der Hütte arbeitet“, hat bereits die 70-jährige Geschichte Salzgitteraner Stahlerzeugung für eine betriebsinterne Publikation aufgearbeitet.
Dass in diesem Jahr die Stadt üppig ihren 70. Geburtstag feiert, 75 Jahre Stahlerzeugung in Salzgitter jedoch „sang- und klanglos untergehen“, hat beide Freizeit-Forscher gewurmt. Daher arbeiten sie derzeit an einer weiteren betriebsinternen Chronik zu den Gründerjahren des Hüttenwerks. Arbeitstitel: „Wie es mal begann ...“.


