„Die Ruhe aushalten kann nicht jeder“
Salzgitter „Hoffentlich werden wir nicht gebraucht“, sagt Roswitha Ristow ernst.
Dabei weiß sie genau, wie wichtig es ist, dass Menschen wie sie der Familie eines todkranken Kindes und dem Kind, dessen Lebenserwartung begrenzt ist, zur Seite stehen.
Die Lengederin Roswitha Ristow ist die zweite Ehrenamtliche der Hospiz-Initiative Salzgitter, die den „Befähigungskurs für ehrenamtliche Begleitung in der ambulanten Kinderhospizarbeit“, den der Verein Kinderhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen anbietet, abgeschlossen hat.
Roswitha Ristow ist nach Rita Dahms, die bereits über mehrjährige Erfahrung in der Sterbebegleitung verfügt, die zweite Ehrenamtliche in Salzgitter, die ambulante Begleitung leisten darf. In ganz Niedersachsen gibt es nur 72, die meisten von ihnen Frauen.
„Ich habe lange überlegt, ob ich die Ausbildung mache und ob mich die Arbeit nicht überfordert“, sagt Roswitha Ristow. Sie habe viel Neues an sich entdeckt. „Man lernt, die Hemmungen abzulegen, sich mal wieder wie ein Kind zu benehmen.“
Binnen neun Monaten absolvierte die Lengederin eine rund 100 Stunden umfassende Ausbildung und war an vielen Wochenenden irgendwo in Niedersachsen unterwegs, um sich in der ambulanten Kinderhospizarbeit schulen zu lassen.
„Wir schließen uns mit der Hospiz-Initiative einer Entwicklung an, in der Kinderhospizarbeit an Bedeutung gewinnt“, sagt Jutta Hübner, Koordinatorin der Salzgitteraner Hospiz-Initiative.
Jede Salzgitteraner Familie, in der ein krankes Kind mit einer begrenzten Lebenserwartung lebt, kann das Angebot kostenlos in Anspruch nehmen. „Unsere ambulante Begleitung gibt Eltern die Chance, sich auch mal wieder um sich zu kümmern, den Kopf für ein paar Stunden frei zu bekommen. Und sie wissen stets, dass ihr Kind gut versorgt ist“, so Jutta Hübner.
Laut der Koordinatorin haben die Begleiterinnen Zeit, sind sorgfältig geschult, gut vernetzt und treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. „Sie reflektieren und nehmen sich Auszeiten, um von ihrer anstrengenden Tätigkeit Abstand zu bekommen“, erzählt Jutta Hübner.
Weder medizinische noch pflegerische Arbeiten gehören zu den Aufgaben von Roswitha Ristow und Rita Dahms. Dafür aber Betreuung, Gespräche und Beistand. „Die Ruhe auszuhalten und sich auch einfach mal nur an ein Bett setzen – das kann nicht jeder“, sagt Jutta Hübner. Oftmals sei ein schwer erkranktes Kind schon nicht mehr in der Lage, sich seiner Umwelt mitzuteilen.
Gerne würde Jutta Hübner weitere Begleiter ausbilden, doch der im September startende Vorbereitungs- und Qualifizierungskursus der Hospiz-Initiative Salzgitter ist derzeit noch nicht sehr stark nachgefragt. „Wir suchen noch Ehrenamtliche“, sagt die Koordinatorin.
Kontakt: Hospiz-Initiative Salzgitter, (0 53 41) 4 69 93.
