„Arme Menschen haben keine Freunde“
Ilsede In ungefähr 200 Kunstwerken – Einzel- und Gruppenarbeiten – haben sich Ilseder Schüler mit der Armut beschäftigt.
An einer Wand im Meisterhaus sind sie aufgereiht – die Gemälde der Ölsburger Grundschüler, die Menschen am gedeckten Esstisch zeigen und an leeren Tischen. Armut – das bedeutet für die Drittklässler auch: Die Menschen müssen hungern. Zu sehen sind die Arbeiten ab Freitag im Meisterhaus und in der Trommelakademie (siehe auch „Fakten“).
„Im Fernsehen ist zu sehen, wie es armen Menschen geht“, erzählt die Schülerin Anita. Und so haben die Mädchen und Jungen genaue Vorstellungen von dem, was Armut bedeutet: Viertklässler Johannes hat ein Modell gebaut, das ein Zimmer einer reichen Familie zeigt – „mit einem Bett, mit Büchern und einem Fernseher“; in einer armen Familie fehlt das alles, „sie muss auf dem Fußboden schlafen“. Zu lesen sind in der Ausstellung auch erschütternde Sätze wie „Mein Vater ist weg. Ich habe Schulden.“
Armut und Obdachlosigkeit – das gehört für die Schüler zusammen: „In den Städten sind viele Menschen zu sehen, die obdachlos sind und daher betteln müssen“, ist Melanie traurig. „Du verhungerst vielleicht, du findest nichts zu essen, du hast deine Arbeit verloren“ – das verbinden Ölsburger Grundschüler mit der Obdachlosigkeit.
Verblüffend, wie sehr sich die Kinder und Teenager in ihren Werken hineinversetzten in Menschen, die unter Armut leiden. In der Trommelakademie ist ein Video zu sehen, in dem Lindgren-Schüler ihren Mitschülern Fragen gestellt haben wie „Was denkst du über Menschen, die arm sind?“ Maik antwortet: „Arme Menschen haben keine Freunde, sie haben keine Familie.“ Seine Mitschülerin Franziska ergänzt: „Armen Menschen geht es nicht gut, sie sind traurig.“
Denn die Lebensweisheit „Geld allein macht nicht glücklich“ haben etliche Schüler auch in ihren Werken aufgegriffen – die Grundschülerin Zoé liest von ihrer Collage im Meisterhaus vor: „Ich heiße Sahra und bin zwölf Jahre alt. Meine Eltern sind reich, aber sie haben nie Zeit für mich.“
Fakten:
Ungefähr 400 Schüler haben das Thema Armut künstlerisch aufgearbeitet – sie besuchen die Janusz-Korczak-Schule (Förderschule Lernen), die Astrid-Lindgren-Schule (Förderschule für geistige Entwicklung), das Gymnasium (alle in Groß Ilsede) und die Ölsburger Grundschule.
•Rund 200 Kunstwerke der Schüler sind in einer Ausstellung im Meisterhaus und in der Trommelakademie (unterm Kugelwasserturm) auf dem Hüttengelände (Hochofenplateau) zu sehen: Eröffnung am Freitag, 11. Mai, um 16 Uhr (weitere Öffnungszeiten in der morgigen Ausgabe).
•öffentliche Podiumsdiskussion „Kinderarmut geht uns alle an“ am Montag, 14. Mai, ab 19 Uhr im Kompetenzzentrum Neue Medien (Komed) auf dem Hüttengelände – die Teilnehmer: Detlef Buhmann (Kreis Peine), Bärbel Schlossarczyk (Kinderschutzbund), Wilfried Fricke (Diakonisches Werk im Kirchenkreis Peine), Maria Welzel (Leiterin Grundschule Ölsburg). Moderation: Kerstin Loehr, Leiterin unserer Lokalredaktion Peine.
•Organisiert hat der Arbeitskreis „Runder Tisch Ilsede“ die Ausstellung und die Podiumsdiskussion: Ihm gehören die Gemeinde, Kirche, Landfrauen und die Wirtschaft an.
Was meinen Sie? Unternimmt die Gesellschaft genug gegen Armut beziehungsweise Kinderarmut? Gerne können Sie uns dazu einen Kommentar schreiben.
