Rolf Seelmann-Eggebert über den Queen-Mythos

Hamburg  Beim Mythos Queen Elizabeth II. stößt selbst Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert an seine Grenzen. «Wir können ja tun, was wir wollen, wir werden diese Nuss nie knacken», sagte der 75-Jährige, der seit drei Jahrzehnten Deutschlands Blaublutkenner schlechthin ist.

Auch für Rolf Seelmann-Eggebert bleibt die Queen ein Mythos.

Foto:  Angelika Warmuth

Auch für Rolf Seelmann-Eggebert bleibt die Queen ein Mythos. Foto:  Angelika Warmuth

Auch wenn der Buckingham Palast seine Pforten in den vergangenen 60 Jahren unter ihrer Regentschaft weit aufgestoßen habe, habe sich die Queen selbst ein Stück Privatheit gesichert, betonte Seelmann-Eggebert, der rund um die Feiern zum 60. Thronjubiläum wieder mehrfach im Fernsehen präsent sein wird.

«Die sind in der Beziehung so clever über all die Jahrhunderte geworden, dass man viele Dinge sicher nicht erfährt», meinte der in Hamburg lebende Königshauskenner. «Allenfalls dreißig Jahre nach dem Tod eines Monarchen werden bestimmte Tagebuchblätter oder ähnliche Dinge veröffentlicht, so dass so manches, was man bislang als Mythos betrachtet hat, sich auf diese Weise löst - aber eben erst viel später.» Natürlich habe auch die Queen beste Freunde, die sie besser kennen. «Aber diese werden die längste Zeit beste Freunde gewesen sein, wenn sie anfangen zu plaudern», sagte Seelmann-Eggebert.

Bevor «Sir Rolf», wie ihn seine Fans nennen, unter anderem am 3. Juni (15.00 Uhr) für das «Erste» live aus London drei Stunden lang die große Schiffsparade auf der Themse kommentiert, zeigt der Sender am Pfingstmontag (28. Mai/19.00 Uhr) seinen Film «Elizabeth II. - Die diamantene Queen». Ein Aspekt darin wird das Thema «Die Queen und die Deutschen» sein. «Das ist immer ein ganz besonderes Kapitel», erklärte er. Schließlich habe die 86-Jährige den Zweiten Weltkrieg miterlebt und später mit Prinz Philip einen Mann mit deutschen Wurzeln geheiratet.

Gerade in Deutschland sei die Queen bei ihren Besuchen begeistert aufgenommen worden und besonders beliebt, betonte Seelmann-Eggebert. Warum vor allem das englische Königshaus die Menschen so fasziniere, hat für ihn zwei Gründe: «Zum einen ist es das Königshaus, das den größten Pomp entfaltet. Man muss sich allein mal überlegen, wen von den gegenwärtigen Königen - abgesehen von der Queen - man je mit der Krone auf dem Kopf gesehen hat.» Zum anderen spiele auch die Größe der Familie eine Rolle. «Ich glaube es sind 18 Leute sozusagen aktiv im Dienste der Firma», berichtet er.

Seelmann-Eggebert erläuterte noch einmal die Gründe, warum nicht mit einem Abdanken Elizabeth II. zu rechnen ist: «Einer ist der, dass es die Tradition in den europäischen Häusern so will. Diese beruht auf dem Glauben, dass man die Krone unter anderem vom lieben Gott persönlich übertragen bekommen hat.» Dies habe auch die Queen wiederholt bekräftigt. Nach dieser Tradition sei es eben üblich, daran festzuhalten - «und das heißt: Dienst bis zum letzten Atemzug». Mit dieser Überzeugung sei Elizabeth II. groß geworden und werde nicht von ihr lassen.

«Abgesehen davon gibt es einen machtpolitischen Aspekt, der aber natürlich nur im Mittelalter eine Rolle gespielt hat», sagte der Adelsexperte. «Da war die Frage: Wenn einer abdankt und der andere im Grunde nach wie vor rege ist und tätig ist, gibt es zwei Höfe - den des neuen und den des alten. Und zwei Höfe zu haben an der Spitze eines Volkes, ist meistens unglücklich und Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert.» (dpa)

«Die diamantene Queen»

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